Ramon Schack ist Diplom-Politologe, Journalist und Publizist. Er schreibt für die Süddeutsche Zeitung, Die Welt, die Berliner Zeitung, “das Handelsblatt”, die Financial Times Deutschland, “Das Parlament”, die NZZ und viele andere.
17. Januar 2011
Revolution in Tunesien/Frühling in der Arabischen Welt?
@Ramon Schack
„Teneo te, Africa“ (ich halte dich fest, Afrika) soll Cäsar gesagt haben, als er erstmals seinen Fuß auf heute libyschen Boden setzte.
Dem gestürzten tunesischen Präsidenten Ben Ali gelang es nicht, sich an Afrika, oder an seinem Heimatland festzuhalten, er flüchtete nach Saudi-Arabien.

Ausgerechnet in Tunesien kam es zu einer Revolution, zu einem totalen Umsturz der politischen Verhältnisse, einem Land das vielen Europäern als Bade-und Urlaubsparadies bekannt zu sein schien(Inklusive Kamelritt am Strand von Djerba), welches im Westen gerne als moderater arabischer Staat tituliert wurde.
Deshalb schaute man auch nicht so genau hin, wie es dort zur Lage der Menschenrechte, der Meinungsfreiheit, der politischen Pluralität aussah, sondern sparte sich die Kritik lieber für die üblichen Verdächtigen auf.In diesem Zusammenhang sollte es zu denken geben, wie zurückhaltend die politische Klasse des Westens zunächst auf die blutigen Unruhen reagierte, ganz im Gegensatz zu den Unruhen im Iran, vom Sommer 2009.
Noch ist es völlig unklar, welche politischen Kräfte das Machtvakuum füllen werden, welches sich aus dem Zusammenbruch des Ben-Ali-Regimes ergeben . Oberflächliche Kommentatoren schwärmten ja schon von einer sogenannten Jasmin-Revolution, in enger verbaler Anlehnung an die Ereignisse in Eurasien der vergangenen Jahre, der Orangenen-,Rosen,-und Tulpen-Revolutionen, von Kiev, Tiblis und Bischkek. Diese “Berichterstatter” haben dabei wohl übersehen, wie schnell diese Blütenträume verwelkten, oder sich gar in giftige Knollengewächse verwandelten.Viel eher sollten man endlich der Wahrheit ins Auge sehen, dass fast alle Regime der Region, darunter auch gerade die engen Verbündeten des Westens, in völliger Opposition zu ihren brodelnden Volksmassen stehen, der sogenannten “Arabischen Strasse”, dabei nur höchst selten von einem westlichen Politik-und Demokratieverständnis geprägt sind.
Die Tatsache, dass viele dieser Staaten, um den wachsenden Einfluss des Iran einzudämmen, mit Kriegsmaterial gerade zu überschüttet wurden, von Seiten der USA, läßt böse Ahnungen aufkommen. Besonders, wenn eines Tages, in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft, die überzähligen und demographisch anwachsenden Massen Ägyptens und Saudi-Arabiens ihre Diktaturen zum Einsturz bringen. Gemessen daran, dürften dann die jetzigen Ereignisse in Tunesien als harmloses Intermezzo erscheinen.Bei aller berechtigten Kritik, im Vergleich zu einigen anderen Staaten der Region, waren die Verhältnisse in Tunesien ja bisher noch einigermaßen erträglich. Da gibt es noch weit schlimmere und repressivere Regime, die es verdient hätten, auf dem Müllhaufen der Geschichte zu landen.
Während ich diese Zeilen schreibe, überstürzen sich die Ereignisse. Nicht nur in Algerien, auch in Jordanien kam es zu Demonstrationen, also im arabischen Maschrek.Ob es wirklich zu einem “Arabischen Frühling” kommt, also zu einer Verbesserung der dortigen Lebensbedingungen, zu einer Herrschaftsform, welche den Wünschen der Bevölkerung mehr entgegenkommt-auch wenn diese nicht den Vorstellungen des Westen entsprechen dürften-wird sich zeigen. Es wäre den Menschen dort sehr zu wünschen.
Eines erscheint zur Stunde auf jeden Fall sicher. Nicht nur die Herrscherhäuser von Marokko bis Saudi-Arabien drohen einzustürzen, auch die westliche Nahost-und Nordafrika-Politik steht da- wie ein Kartenhaus im heißen Wüstenwind.
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15. Dezember 2010
Terror im Baluschistan/Bedroht Al Kaida den Iran?
@Ramon Schack
In der iranischen Unruheprovinz Sint-Baluschistan, im äußersten Südosten der Islamischen Republik, hat sich ein verheerender Selbstmordanschlag ereignet.
Zahlreiche Menschen kamen dabei ums Leben.
Die iranische Regierung beschuldigt ausländische Mächte:http://www.abendblatt.de/politik/article1728947/Schwerer-Anschlag-vor-Moschee-erschue…ttert-Iran.html
Die radikal sunnitische Terrorgruppe Dschundallah (Brigade Allahs) steht im Verdacht den Anschlag ausgeführt zu haben. Diese Gruppierung, die den schiitischen iranischen Zentralstaat bekämpft, hat in der Vergangenheit schwere Terroranschläge verübt. Es gibt Verbindungen zwischen Dschundallah und den Taliban, im benachbarten Pakistan, denen man ja eine Nähe zum weltweiten Terrornetzwerk der Al Kaida nachsagt.
In diesem Zusammenhang sei noch einmal daran erinnert, dass der Iran schon 1998, nach der Ermordung von mehreren iranischen Diplomaten in Afghanistan, kurz vor einem Krieg mit den sunnitisch-wahabitischen Fundamentalisten der Taliban stand.
In der Vergangenheit drohte die Nummer 2. der Kaida-dem Iran mit Terroranschlägen:Lesen Sie dazu:http://www.sueddeutsche.de/politik/512/361335/text/
Dahinter verbirgt sich natürlich der wachsende Konflikt zwischen dem Aufstieg der Shia, unter der Führung des Iran, sowie der Niedergang der wahabitischen-saudischen, fundamentalistischen Form des sunnitischen Islams.
So wenig man über die wirklichen, nebulösen Strukturen von Al Kaida weiß, die Abhängigkeit dieser Terrororganisation von saudischen Gönnern und vom saudischen Geheimdient steht außer Zweifel. Für die sunnitischen Potentaten und Zwangsregime, die man neuerdings in Washington als” moderate arabische Staaten tituliert, hängt das Überleben von der Allmacht der USA ab.
Um den wachsenden Einfluss des Iran einzudämmen, wurden diese moderaten sunnitischen Staaten, am Ende der unrühmlichen Amtszeit von G.W Bush, mit Kriegsmaterial gerade zu überschüttet. Im Werte von ca. 20 Milliarden Dollar wurde ein gigantisches Aufrüstungsprogramm veranschlagt, dass vor allem dem morschen Königreich Saudi-Arabien zugute kam.
Neben der Abwehr einer hypothetischen iranischen Bedrohung, ging es natürlich um ein riesiges Geschäft für die amerikanische Rüstungsindustrie. Die berechtigten Sorgen Israels versuchte Washington zu beschwichtigen, indem es Jerusalem ein Kompensationspaket in Höhe von 30 Milliarden Dollar gewährte. Kurzum, die empfindlichste Krisenzone der Welt, wurde mit Kriegsmaterial geradezu zugeschüttet. Der “War against Terror” führte und führt dazu, dass man das ideologische Mutterland der Kaida, nämlich Saudi-Arabien, nachhaltig unterstützt, während der Iran als Teufelsstaat Nummer 1 aufgebaut wurde.
“Sleeping with the Devil/Mit dem Teufel schlafen“, nennt der ehemalige CIA-Mitarbeiter Robert Baer diese unheilige Liason zwischen Washinton und Riad:Lesebefehl:http://ramonschack.wordpress.com/2007/10/26/sleeping
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10. November 2010
“Die Islamdebatte in Europa ist primitiv!”/Mein Interview mit dem amerikanischen Islamkritiker Daniel Pipes.
@Ramon Schack

Daniel Pipes gilt als einer der einflussreichsten Islamkritiker der USA.Mit dem überzeugtem Republikaner habe ich kürzlich ein Interview geführt, im Auftrag der Neuen Zürcher Zeitung.
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/die_islamdebatte_im_westen_ist_primitiv_1.8328724.html
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29. Oktober 2010
Frankreich:David gegen Goliath/Colombani gegen Sarkozy
Dies ist die Geschichte einer Gesellschaft die fällt. Während sie fällt sagt sie, um sich zu beruhigen, immer wieder: Bis hierher lief’s noch ganz gut. Bis hierher lief’s noch ganz gut. Bis hierher… lief’s noch ganz gut. Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung.“
Aus dem Film “La Haine/Der Hass”
http://www.youtube.com/watch?v=sVIc–jrCQk
@Ramon Schack
Vor einiger Zeit las ich das Buch von Yasmina Reza“L´aube le soir ou la nuit“/Das Morgengrauen, der Abend oder die Nacht.“Dieser Bestseller gilt ja in Frankreich als Grundlagenlektüre, zum Verständnis der Person und der Politik von Sarkozy. Eine französische Bekannte hatte es mir empfohlen.Viel schlauer bin ich dadurch allerdings nicht geworden, was wahrscheinlich nicht nur an meinen, etwas eingerosteten, Französischkentnissen liegt.
Von Nicolas Sarkozy, dem kleingewachsenen Präsidenten Frankreichs,geht eine ungeheure Bündelung an Energie aus.

Eine Energie- die ihm ja auch erst den sensationellen Aufstieg- bis ans höchste Staatsamt- ermöglichte.Der Geburt in Frankreich und dem „jus soli“ verdankt Sarkozy seine französische Staatsangehörigkeit.Sein Vater ist ein ungarischer Adliger, aber wer ist in Ungarn nicht alles adlig?
Seine Mutter stammt aus der uralten sephardischen Gemeinde von Saloniki .
Das die französische Rechte, die erkonservative Bourgeoisie, die ja in Frankreich noch immer über mehr Einfluß verfügt als man glaubt, diesen Zuwanderer vom Balkan – der beginnt für viele Franzosen ja schon irgendwo hinter dem Rhein-nicht nur akzeptierte sondern auch aktiv unterstütze, stellt die eigentliche Sensation da. Das Sarkozy auch noch eine jüdische Mutter hat, ergänzt dieses „politische Wunder“.
Zur Zeit der Dritten Republik, soviel ist sicher,unter dem Einfluß von Charles Maurras und seiner reaktionären“Action francaise“wäre Sarkozy öffentlich als „Zigeunerbaron“ geschmäht wurden.Heutzutage empfindet sogar der nationalistische Polterer Le Pen, der ja von Sarkozy auf den Schrotthaufen der Geschichte getreten wurde, eine heimliche Sympathie für Sarko.
In den vergangenen Monaten versuchte Sarkozy mit einer Anti-Roma Kampagne von einer unangenehmen Spendenaffäre abzulenken.
Gelungen ist es ihm nicht. Angesichts der sich zuspitzenden sozialen und ökonomischen Probleme in Frankreich, erwacht bei den Bürgern wieder das Erbe der Revolution von 1789. Ein Hauch von Revolte schwebt über dem Hexagon. Inzwischen hat Sarkozy es mit einem neuen, gefährlichen innenpolitischen Gegner zu tun bekommen, mit einem 16 jährigen Schüler namens Victor Colombani: http://www.zeit.de/2010/44/Frankreich-Rente-Protest-Gewerkschaft
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13. Oktober 2010
Achmedineshad in Beirut
@Ramon Schack
Achmedineshad in Beirut
“Guter Zaun“ nannte man einst die Grenze zwischen Israel und dem Libanon.

FOTO:RAMON SCHACK AN DER ISRAELISCH-LIBANESISCHEN GRENZE-Frühjahr 1999.
Als ich vor rund 11 Jahren dieses Bollwerk aufsuchte, illustrierte dieses einst hoffnungsvoll propagierte Symbol friedlich jüdischer arabischer Koexistenz , schon das Scheitern eines politisch strategischen Entwurfes.
Damals stand noch die israelische Armee, auf einer Breite von 20 Kilometern, jenseits der Grenze. Wenige Wochen später gewann Ehud Barak die Wahlen gegen Benjamin Nethanjahu, auch wegen des Verspreches die Truppen aus dem Südlibanon abzuziehen.
Schon damals verübte die Hisbollah täglich Anschläge gegen die Truppen Zahals. Das seien keine Amateure mehr, erklärte mir ein Major, wie früher die Fatah-Partisanen Arafats. Diese Kämpfer der Partei Alis seien aus einem ganz anderen Kaliber, fügte er hinzu.
Ich verschwieg meinem israelischen Gesprächspartner damals nicht, dass ich mir diese Grenze, nur einige Wochen zuvor, von Syrien aus angeschaut hatte.
Das Städtchen Matulla direkt an der Grenze gelegen, war schon damals in den Zustand misstrauischer Spannung zurückgefallen. Die Einwohner, überwiegend Juden marrokanischer Herkunft, ahnten nichts Gutes für die Zukunft.
Im Jahr 2006, 6 Jahre nachdem israelischen Rückzug aus der Sicherheitszone im Südlibanon, kam es dann ja auch zum bewaffneten Schlagabtausch zwischen den Truppen Zahals und der Hissbollah, die nicht zu Gunsten Israels ausging.
Vom Südlibanon, an den Gestaden des östlichen Mittelmeeres, in unmittelbarer Nachbarschaft des EU-Mitgliedsstaates Zypern, über den Irak, den Iran, bis zu den schiitischen Enklaven Afghanistans, ist ein schiitischer Gürtel entstanden.
Dieser Aufstieg der Schia, historisch übrigens völlig berechtigt, wurde durch das militärische Eingreifen der USA in den vergangenen Jahren- sowohl in Afghanistan als auch im Irak- beschleunigt. Mit der Beseitigung des säkular-nationalsozialistischen Regimes des Sadam Hussein in Bagdad, sowie der Terrorherrschaft der sunnitischen Steinzeitislamisten der Taliban in Afghanistan, wurden die größten Feinde der Islamischen Republik Iran aus dem Weg geschafft, während die geistigen Verursacher von 9/11, das wahhabitische Königshaus von Saudi-Arabien, wie ein Schoßhündchen gemästet wurde und wird.
In diesem Zusammenhang sei noch einmal daran erinnert, dass der Iran sich 8 Jahre gegen das überlegene, vom Westen ausgestattete, Waffenarsenal des Irak behauptete, sowie 1998 fast einen Krieg gegen die Taliban führte, als man sich in Washington DC noch nicht daran störte, dass Frauen in Afghanistan zum Tragen der Burka gezwungen werden.
Aber zurück in das israelisch-libanesische Grenzgebiet. Der iranische Staatspräsident Achmedineshad, dem man alles mögliche nachsagen kann, ein Irrer ist er aber nicht, dafür geht er viel zu rational vor, ist zu einem Besuch im Libanon eingetroffen.Morgen wird er auch das Grenzgebiet im Süden besuchen.Von dem Aufstieg der Schiiten im Libanon, erhofft sich der iranische Präsident natürlich auch eine Art Legitimation seiner eigenen Herrschaft, der ein nicht unerheblicher Anteil der iranischen Bevölkerung nichts mehr abgewinnen kann und will.
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23. September 2010
Mein Interview mit Achmed Rashid in der Neuen Zürcher Zeitung
@Ramon Schack
Nur wenige Menschen kennen die Taliban so gut wie der pakistanische Journalist Ahmed Rashid. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit diesem Phänomen in seinem Nachbarland Afghanistan.Rashids Bücher gelten als Standartwerke an den Eliteuniversitäten der Welt, er selbst berät Staatsoberhäupter verschiedener Nationen, während in Deutschland ein drittklassiger Ex-Politiker die Bestsellerlisten stürmt. Achmed Rashid, ein langjähriger Freund des amtierenden Präsidenten Afghanistans Hamid Karzai, erlebt inzwischen die “Talibanisierung” seiner Heimatstadt Lahore, bzw. den Niedergang der Atommacht Pakistan. Mit Achmed Rashid habe ich kürzlich ein Interview geführt, es ist heute in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen: http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/droht_die_rueckkehr_der_taliban_1.7653975.html
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21. September 2010
Persischer Golf- Araber rüsten ihre Streitkräfte gegen den Iran auf.
„Vers l’Orient complique je partais avec des idees simples/
In den komplizierten Orient reiste ich mit einfachen Vorstellungen„
Charles de Gaulle
@Ramon Schack
Das Königreich Saudi-Arabien fühlt sich von dem Aufstieg des schiitischen, nichtarabischen Irans, zur dominierenden Macht am Persischen Golf, bedroht. Gleichzeitig ist man in diesem fundamentalitischem Wüstenstaat erleichtert, da Washington das Regime in Teheran als Schurkenstaat Nr. 1 ansieht, zumindest noch.
Die Agenten des saudischen Nachrichtendienstes hatten in Erfahrung gebracht, dass ihre amerikanischen Kollegen die Urheberschaft von 9/11 eindeutig in ihrem Königreich geortet hatten und in den dortigen Palästen und Koranschulen nach Verantwortlichen suchten, bevor man sich daran machte, im Hochland Afghanistans einen ominösen Gespensterkrieg gegen die mystery-Organisation Al-Kaida zu führen.
Für das wahhabitische Königreich begann damit eine Periode nervöser Unsicherheit. Spätestens seit dem 11. September 2001, vermutlich aber schon seit dem blutigen Attentat von El Kobar 1996, als 19 US-Soldaten ums Leben kamen, bestätigte sich bei der CIA der Verdacht, dass die saudische Dynastie in diverse Verschwörungen verwickelt ist. Der karge Wüstenstaat war unter der Herrschaft des beeindruckenden Beduinenfürsten Abdulaziz, der Vater des kränkelnden König Fahd, dank der Erdölfunde zu unermäßlichem Reichtum und damit zu weltpolitischer Bedeutung gelangt. Trotzdem sind die Saudis wohl immer Menschen der Wüste geblieben, oder- wie es der britische Nobelpreisträger V.S Naipul einmal unsanft auszudrücken pflegte”Nomaden die an Sand glauben, nichts als an Sand!”
Nach den den Anschlägen von Manhattan erinnerte man sich in den USA wieder daran, dass der trügerische Verbündete von Riad, dessen Rekrutierungsagenten-darunter ein gewisser Osama Bin Laden-im Afghanistan-Krieg mit Unterstützung der CIA tätig waren, gleichzeitig als Anstifter und Finanziers zahlreicher antiamerikanischer Umtriebe agierten.Die Pläne für einen Umsturz in Riad waren schon weit gediehen, man plante die Besetzung der Erdölfelder, in den amerikanische Medien war schon ein Trommelfeuer der Kritik losgetreten wurden, bis die ganze Aktion urplötzlich abgesagt wurde, um die Interessen der amerikanischen Erdölplutokratie , zu denen auch der damalige US-Präsident Bush und dessen Umfeld gehörte, nicht zu gefährden.
Der amerikanische Nahost-Experte Robert Baer titulierte diese Komplizenschaft als”Sleeping with the Devil”, in einer seiner lesenswerten Bücher.Die französische Übersetzung dieses Buchtitels klingt sogar noch besser”Or noir et Maison Blanche/Schwarzes Gold und Weißes Haus”. In einem von mir geführtem Interview, für das Handelsblatt,plädierte Baer übrigens für eine Annäherung zwischen Washington und Teheran
:http://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-ist-eine-insel-der-stabilitaet;2125354
Vielleicht sollte ich an dieser Stelle eine persönliche Erinnerung einfließen lassen.Im Frühjar 1999 hielt ich mich, im Rahmen einer ausgedehnten Nahostreise, die mich durch den Libanon, Syrien, Jordanien und Ägypten führen sollte und an derem Ende ich in Israel meine Diplomarbeit schrieb, auch in Saudi-Arabien auf.Eines Tages besuchte ich die Ruinen von Dyara, dem historischen Ursprungsort des Wahhabismus und der saudischen Dynastie.Während des Besuchs des Geländes kletterte ich auf die höchste Plattform dieses Areals aus Lehmwällen, Zinnen und Terassen.In der Ferne zeichnete sich die Skyline der Hauptstadt Riad ab, ringsum dehnte sich die Wüste aus, violette Schatten breiteten sich aus, die Dattelpalmen färbten sich schwarz.Ein Windstoß wirbelte den Sand hoch und verstärkte den Eindruck von Ödnis und Verlorenheit.Eine junge syrische Akademikerin, die zur Reisegruppe gehörte, war mir gefolgt. Die attraktive Levantinerin hatte den saudischen Reiseleiter zuvor mit frechen Fragen gelöchert und sich nur widerwillig ein Kopftuch übergezogen, wie es die saudischen Gesetze vorschreiben.Sie gab sich gleich als militante Anhängerin der säkular-nationalistischen BAATH-Partei von Damaskus zu erkennen.”Das ist also der Ursprung der Saudis!”, sagte sie plötzlich mit aufgewühlter Stimme,”Aus dem Staub sind sie gekommen, in den Staub werden sie auch wieder zurückkehren!”
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14. September 2010
Saudi-Arabien und die USA:”Sleeping with the Devil-mit dem Teufel schlafen!”
@Ramon Schack
„Sleeping with the devil“ lautet der Titel des sehr empfehlenswerten Bestsellers , des EX-CIA-Agenten Robert Baer.In diesem Buch hat Baer die skandalöse Komplizenschaft zwischen der Saudischen Dynastie und der amerikanischen Erdöl-Plutokratie aufgedeckt.
Solange das Erdöl und die Petrodollar sprudelten, drückte man in Washington beide Augen zu, wenn wieder einmal ruchbar wurde, daß irgendwelche saudischen Geldgeber den religiösen Fanatismus weltweit schürten.Ob in der islamischen Welt oder in der Diaspora.
Da hat es gewisse Kreise in Washington auch nie gestört, das im wahabitischen Königreich- bis heute- die antisemitische Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von ZION“, den unzähligen Pilgern(Hadschis) alljährlich als Bettlektüre ,in den bescheidenen Pensionen der unteren Preisklasse ,dargeboten wird. Niemand störte sich daran, das über Jahrzehnte besonders fundamentalistische Strömungen des Wahabitismus in der Uma verbreitet wurde.Das in Saudi- Arabien Frauen als Menschen dritter Klasse gelten, wenn überhaupt, das die Swiss-Air nicht in Riad landen durfte, wegen dem Kreuz als Symbol dieser Fluggesellschaft, wurde verschwiegen.Auch die drakonische Gesetzgebung, auf der Basis der Sharia, die permanenten Menschenrechtsverletzungen, die Ausbeutung der unzähligen Gastarbeiter, die wie Sklaven schuften um das saudische Gebilde am Leben zu halten, fand man nicht erwähnenswert, ganz im Gegensatz zu anderen Staaten der Region.Noch in den siebziger Jahren wurden bundesdeutsche Geschäftsleute von saudischen Würdenträgern als „Partner against the common enemy- the zionism“ begrüßt.
Aber zurück in die jüngere Vergangenheit.Spätestens am 11. September 2001 wurde auch den letzten Naivlingen im Pentagon bewußt ,was man sich da für ein Frankenstein-Freund angelacht hatte.Schon bei den Anschlägen von Khoba, im Juni 1996, die 19 US-Soldaten das Leben kostete, hatte sich der Verdacht bestätigt, daß die saudische Dynastie in diverse Verschwörungen gegen die USA verwickelt ist.Prinz Nayef, der amtierende Innenminister Saudi-Arabiens gilt insgeheim als Symphatisant der Kaida .Nayef der militant gegen jede „liberale“ Strömungen vorgeht,wobei Liberal eigentlich ein unpassender Begriff für ein Land ist, indem es bestenfalls gemäßigte Konservative gibt.
Inzwischen habe die Amerikaner in Saudi-Arabien jede Übersicht verloren. Kam es unmittelbar nach dem Anschlag von Manhattan zu einer ernsthaften Abkühlung zwischen den beiden Staaten, kriecht man inzwischen den Saudis wieder in den Hintern- bis es stinkt.
George Bush entblödete sich ja nicht- diese fundamentalistische Erbmonarchie -als „Moderaten arabischen Staat “ zu titulieren und plante sogar Saudi Arabien massiv gegen den Iran aufzurüsten.

Die Amerikaner stützen sich dabei auf die starke anti-schiitische Grundhaltung der Saudis, übersehen dabei aber das die anti-amerikanische Grundhaltung ebenso vertreten ist.Die Attentäter von 9/11 hatten nicht nur überwiegend die saudische Staatsbürgerschaft, sondern alle einen wahabitischen Background.
Während der gescheiterte US-Präsident Bush zunächst verbal zum Kampf gegen den Iran blies, das Teheran-Syndrom hat sich inzwischen zu einem Wahn entwickelt,wird der eigentliche Troublemaker, Saudi-Arabien, wie ein Kuscheltier gehätschelt.
Diese Tendenz hat sich unter Obama noch verstärkt.
Michael Scott Doran, Nahost-Experte der Princeton University schreibt dazu:
„Die Situation ist kritisch, weil die USA über geringe Mittel verfügen, der anitischiitischen und antiamerikanischen Strömung entgegenzuwirken. Der Wahhabismus ist die Grundlage eines gesamten poltischen Systems.Jeder , der vom Status qou profitiert, wird sich um dieses System scharen, falls es von außen angetastet wird. Den Vereinigten Staaten bleibt keine andere Wahl, als die fälligen demokratischen Reformen im Irak und in Saudi-Arabien energisch voranzutreiben.Doch jeder Versuch, eine liberale politische Ordnung zu schaffen, wird zusätzlichen Disput auslösen.Die antiamerikanische Stimmung würde angeheizt. Bei seinem Bemühen, die Demokratie im Mittleren Osten zu fördern, wird Washington wieder einmal feststellen müssen, daß seine engsten arabischen Verbündeten gleichzeitig seine erbittersten Feinde sind. “
Die USA befinde sich vor einem der größten Waffendeals ihrer Geschichte.Saudi-Arabien will Waffen im Wert von 60 Milliarden Dollar erwerben.http://www.nzz.ch/nachrichten/international/usa_vor_groessten_ruestungsdeal_aller_zeiten_1.7541090.html
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9. September 2010
Er starb 2 Tage vor 9/11:Achmad Shah Massoud-der wahre Vater Afghanistans
@Ramon Schack

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