Ramon Schack

Diplom-Politologe, Journalist und Publizist

Neukölln ist nirgendwo

„Neukölln heute, das ist der aufregendste Ort der Republik.“

Anekdotenreich schildert Schack Menschen und Eindrücke aus Neukölln. Er lässt die Menschen zu Wort kommen; spricht mit ihnen und gibt einen faszinierenden Einblick in ihre Lebenswelt. Unterschiedlicher und facettenreicher als im Berliner Stadtteil Neukölln scheint es nirgendwo sonst zuzugehen. Neukölln befindet sich in raschem Wandel – Vielfalt und Gegensätze machen diesen Stadtteil aus.

Schacks Buch „Neukölln ist nirgendwo“ ist ein kurzweiliger Ausflug in diesen so besonderen Berliner Kiez.

2. März 2014

Ukraine-Krise/Wird die Krim wieder russisch?

@Ramon Schack

Die dramatischen Entwicklungen auf der Krim, haben diese liebliche Halbinsel schlagartig in den Blickpunkt der weltweiten Öffentlichkeit katapultiert.Die Krim ist schon seit Jahrtausenden ein umkämpfter Zankapfel im geopolitischen Spiel der großen Mächte.Griechen und Türken, Russen, Ukrainer und Tartaren, Georgier und Abchasen lebten über Jahrhunderte hinweg friedlich nebeneinander, selten aber nur miteinander.Regelmäßig trugen die jeweiligen Eroberer von Außen Hass und Zwietracht zwischen die Ethnien.Jahrhundertelang gehörte die Krim “jedem und niemandem”,  wurde von Skythen, Griechen, Römern, durch die Völkerwanderung von Goten, Hunnen und Tataren besiedelt.Die Krim übte eine fast erotische Anziehungskraft aus,flankiert von dem dringenden Bedüfnis dort eine Art Heimstätte zu errichten, wie es der britische Journalist Neal Ascherson einst formulierte.

Die 26.000 Quadratmeter große Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer geriet Mitte des 19. Jahrhunderts ins Zentrum des militärischen Interesses von England, Frankreich und der Türkei. Der Krim-Krieg brach aus, ein blutiges Gemetzel, welches zur Gründung des Roten Kreuzes führte.

Die Krim gehörte schon zu vielen Staaten und Imperien, die zugehörigkeit zur Ukraine ist allerdings recht jung.

Mit einem Bevölkerungsanteil von 58 Prozent Russen, 24 Prozent Ukrainern und zwölf Prozent Tataren ist sie  die „russischste“ Region der Ukraine. Drei Viertel aller Bewohner der Krim bezeichnen Russisch als ihre Muttersprache, Ukrainisch hingegen nur ein Zehntel. Nach Angaben des Internationalen Kiewer Instituts für Soziologie verwenden 97 Prozent der Bevölkerung die russische Sprache.

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FOTOS:Die Krim, die “russischte Region” der Ukraine.Ramon Schack ALL RIGHTS RESERVED

Als ich vor drei Jahren während eines Ukraine-Aufenthaltes die Krim bereiste, besuchte ich auch die Stadt Sewastopol .

In einem Zeitungsbeitrag für die NZZ schrieb ich damals:”Die gelöste Stimmung spiegelt eine Sorglosigkeit vor, die dem Konfliktpotenzial, das in diesem Ort steckt, in keiner Weise entspricht. Noch vor drei Jahren war die Stimmung in Sewastopol hochexplosiv. Damals, auf dem Höhepunkt des Krieges zwischen Russland und Georgien, war die hier stationierte Schwarzmeerflotte Russlands in militärische Aktionen gegen den Kaukasus-Staat involviert. Die Regierung in Kiew befand sich damals in der prekären Situation, dass von ihrem Territorium aus kriegerische Aktionen gegen das befreundete Georgien ausgingen. Die Fünfte Flotte der USA kreuzte drohend vor Sewastopol. Der damalige ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko, Held der mittlerweile verblühten «orangen Revolution», hatte im Zusammenhang mit der russischen Schwarzmeerflotte noch von einer feindlichen Präsenz auf ukrainischem Territorium gesprochen.”

Damals, im Frühjahr 2011, konnte ich noch nicht ahnen, dass nur drei Jahre später eine Situation entstehen wird, die weitaus explosiver erscheint.

Weiter schrieb ich damals:”Sewastopol ist heute inoffiziell der südwestlichste Zipfel Russlands und einer der Stolpersteine bei der Westorientierung der Ukraine, unabhängig von der jeweiligen Regierung in Kiew. Loktionow stützt sich in seiner Haltung auf die prorussische Einstellung der Bevölkerung. Gemäss Umfragen aus dem Jahr 2007 bezeichnen über sechzig Prozent der Einwohner der Krim, die erst 1954 als Geschenk Chruschtschews der Ukraine angegliedert wurde, ihre Identität als russisch oder gar sowjetisch.http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/das_zuenglein_an_der_russischen_waage_1.10589844.html

Die Situation auf der Krim wird noch weiter belastet, durch das Aufbegehren der Krimtataren, die einen steigenden Einfluss Russlands fürchten, sich aber auch nicht für die anhaltende Destabiliserung der Ukraine begeistern können, die den Einfluss der ultrarechten Swoboda-Partei dramatisch steigern dürfte, die nicht nur antirussisch und antisemtisch agiert, sondern auch antitatarisch , was im Westen bisher nahezu unbeachtet bleibt-aus unerklärlichen Gründen.

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Fotos:Geraten die Krimtataren zwischen die Fronten?RAMON SCHACK-ALL RIGHTS RESERVED

Damals suchte ich auch Mustafa Kirimoglu auf, einen der großen Dissidenten des 20. Jahrhunderts, der den Krimtataren die sukkzessive Rückkehr in die Heimat der Vorfahren ermöglichte.

 

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FOTO:Ramon Schack im Gespräch mit Mustafa Kirimoglu

Nach dieser Begegnung schrieb ich”Auch zwanzig Jahre nach dem Ende der UdSSR gibt es noch viele Probleme. Die Rückkehr der Krimtataren stiess auf viel Feindschaft. Die ukrainischen bzw. russischen Bewohner wurden jahrzehntelang im Glauben erzogen, die Krimtataren seien Feinde. Die ökonomische Dauerkrise, der Kampf um Ländereien und ehemalige Besitztümer, der Zusammenprall von verschiedenen Sprachen und Religionen heizen ethnische Konflikte an. «Meine Aufgabe ist noch nicht beendet», betont Kirimoglu. Zehntausende Krimtataren hängen noch in der Diaspora fest. Kirimoglu besitzt heute so etwas wie einen Heldenstatus. Als Abgeordneter des ukrainischen Parlamentes pendelt er zwischen Kiew und der Krim hin und her.”http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/ein-stiller-held-des-20-jahrhunderts-1.12376312

Geraten die Krimtataren zwischen die Fronten, wird sich die Krim von der Ukraine abspalten?Wer ist Schuld an der aktuellen Misere?Dazu in Kürze mehr auf dieser Website..

21. September 2013

Betrachtungen eines Wählers

@Ramon Schack

Betrachtungen eines Wählers
Am 18. Juni 1989 feierte ich meinen 18. Geburtstag.
Am gleichen Tag fanden die Wahlen zum Europäischen Parlament statt, was dazu führte, dass ich an diesem Tag auch zum ersten Mal meine Stimme abgeben durfte.
Eine Lokalzeitung machte ein Foto von mir, wie ich meinen Umschlag in die Wahlurne steckte, schrieb einen kleinen Artikel dazu” Am 18. wurde er 18, und wählte zum ersten Mal” ,was dazu führte, dass ich einige Wochen später von dem damaligen Ministerpräsidenten meines Bundeslandes , bei dem Ministerpräsidenten handelte es sich um Björn Engholm, bei dem Bundesland um Schleswig-Holstein, in den Landtag nach Kiel eingeladen wurde.
Seit diesem Tag, im Schicksalsjahr 1989, wenige Monate bevor die Nachkriegsordnung in Europa zusammenbrach, die Mauer in Berlin einstürzte, der Kalte Krieg vorläufig zu Ende ging, habe ich mich an jeder Kommunal, Landtags- Bundes- und Europawahl beteiligt,17 an der Zahl, zu der ich als Bürger aufgerufen wurde.
Die Beweggründe dafür basierten und basieren auf einer Mischung aus  politischem Interesse, demokratischer Pflichterfüllung und dem Bewusstsein zumindest die kleine Möglichkeit zu nutzen, die mir das parlamentarische System gewährt, meiner politischen Willensbildung zum Ausdruck zu verhelfen.
In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist die Wahlbeteiligung fast kontinuierlich gesunken.
Betrachte man früher das Nichtwählen als Privileg bildungsferner Schichten, wechselweise als Ausdruck von Indifferenz, Apathie, Protest, so scheint es inzwischen unter einigen Angehörigen der Intelligenzia en Vogue zu sein, Wahlabstinenz zu propagieren.
Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts propagiert Nichtwählen als Bürgerpflicht.
Der Philosoph Peter Sloterdijk will vergessen, wann Wahlsonntag ist.
Wenn Wahlen nicht leuchten, verweigere er sein Kreuz, so der Kolumnist Georg Diez.
Was immer man davon halten mag, persönlich halte ich das Nichtwählen nicht für problematisch, höchstens für bequem, so ist diese Entwicklung doch Ausdruck einer Krise, deren Kommen sich in zwar noch diffusen , aber unüberhörbaren Klopfzeichen ankündigt, deren Unbehagen an dem politischen System sich nicht nur im Rückgang der Wahlbeteiligung, im Prestigeverlust der Parlamente und vor allem in den teilweise erdrutschartigen Einbrüchen der großen erfolgsverwöhnten Parteien demonstriert, die man einst als Volksparteien bezeichnete.
Gleichzeitig  entstehen an den Rändern, wie auch in der Mitte des politischen Spektrums, politische Bewegungen von unscharfer , bisweilen radikaler Kontur, die häufig monothematisch agieren und von dem Affekt gegen die hergebrachten Parteien leben.
Dieses Unbehagen haben die Parteien, die nicht selten von einer fatalen personellen Auszehrung betroffen sind, teilweise selbst geschaffen.

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FOTO:RAMON SCHACK

Darüber hinaus geht in breiten Bevölkerungsschichten das historische Bewusstsein verloren, was es mit freiheitlichen Zuständen auf sich hat, auf welchen Voraussetzungen sie beruhen und was ihre Bewahrung verlangt.
Das alles wäre wahrscheinlich weniger beunruhigend, wenn es Alternativen gäbe, die auch diesen Namen verdienen.
So lange das nicht der Fall ist, werde ich weiterhin wählen gehen.
Bisher habe ich bei allen Urnengängen vier verschiedene Parteien gewählt, wobei ich zwei Parteien bevorzugte, den beiden anderen jeweils nur einmal meine Stimme gab.
Dieses Mal, bei der bevorstehend Bundestagswahl, habe ich mich für eine Partei entschieden, die- als ich zum ersten Mal meine Stimme abgab -noch gar nicht existierte und von der ich noch vor kurzen geglaubt hätte, dass ich sie niemals wählen würde.
Ich bin mir dabei nicht ganz sicher, ob sich die meine politische Meinung so stark geändert hat, oder die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen  oder gar die erwähnte Partei.
Das ist auch unerheblich.
Viel wichtiger ist es, dass ich mir gegenüber begründen kann, warum ich  wählen gehe.
Ich habe eine Begründung gefunden, die neulich ein Teilnehmer während einer Diskussion zu diesem Thema äußerte.
Er sagte”Ich gehe nur noch wählen, aus Respekt vor den vielen Menschen, die dafür gekämpft haben, dass ich wählen darf.”
Wenn das kein gutes Argument ist!

16. Mai 2013

“Neukölln ist nirgendwo” / Der Vorverkauf hat begonnen

DER VORVERKAUF HAT BEGONNEN!

Liebe Leser,
“Neukölln ist nirgendwo – Nachrichten aus Buschkowskys Bezirk”, das Buch, welches schon vor der Veröffentlichung für Aufsehen sorgt, ist ab heute bestellbar. ”Neukölln ist nirgendwo” erscheint Ende Juni als Edition “BUCH+eBook” mit der ISBN 978-3-944343-74-7 zum Preis von 14,50 €.

Aufgrund der starken Nachfrage, der anhaltenden Diskussion über Werk und Autor, bietet  der Verlag 3.0 ab heute “Neukölln ist nirgendwo” zum sensationellen Subskriptionspreis von nur 10,00 Euro an. Wer ab heute bestellt, spart also ganze 4,50 Euro! Dieses Angebot endet mit dem Erscheinungstermin und das Buch wird dann überall in Deutschland zum regulären Preis von 14,50 € bestellbar sein. Bestellt noch heute, und sichert Euch “Neukölln ist nirgendwo”, das Buch über den aufregendsten Bezirk Deutschlands, zum Sonderpreis. Um den Vorverkauf nutzen zu können, folgt einfach diesem Link:
Zum Verlag-Schop

Herzliche Grüße

Ramon Schack

11. Mai 2013

“Neukölln ist nirgendwo” / Anka die Putzfrau und mein Buch über den aufregendsten Bezirk der Republik

Liebe Leser,

aktuell schreibe ich an meinem Buch “Neukölln ist nirgendwo-Nachrichten aus Buschkowskys Bezirk”-”, welches in Kürze  im Verlag 3.0 Zsolt Majsa  erscheinen wird.http://buch-ist-mehr.de/portfolio/ramon-schack/.

“Neukölln ist nirgendwo” ist ein Werk, von dem ich behaupten kann, es sei mit Vergnügen geschrieben wurden.

Der Kündigungsbrief an die polnische Putzfrau Anka, den ich vor einigen Tagen auf Facebook veröffentlicht habe, löste eine mediale Sturzflut aus, die inzwischen auf die Nachbarländer übergeschwappt ist.

Anka K. ist Putzfrau, für 8,- Euro die Stunde.Sie arbeitet im Durchschnitt 8 Stunden täglich, fünf-sechs Tage in der Woche.Ich lernte sie vor einigen Tagen bei Bekannten kennen. Anka K., eine lebenslustige Frau von 54 Jahren, stammt aus einem kleinen Ort am Stettiner Haff, nur eine halbe Autostunde von der deutschen Grenze entfernt.Während der Woche wohnt sie bei ihrer Cousine im Stadtteil Tempelhof, die schon vor vielen Jahren nach Deutschland kam.Nachdem wir uns einen Augenblick unterhalten hatten, schlug ich ihr vor, sie einmal auf ihrer Runde durch die Wohnungen Neuköllns zu begleiten, wogegen sie nichts hatte, ganz im Gegenteil, dadurch vergeht die Zeit schneller..

Die Neue Zürcher Zeitung schrieb gestern: “Der Grund für die angeregte Diskussion ist die politische Komponente der Geschichte. So bezeichnet Schack die Verfasser des Briefes als «linkes Lehrer-Ehepaar aus Neuköln». Die Zeitschrift «Stern» spricht von «Ökospiessern». So stammen denn auch viele der Kritiker vom linken Flügel. Die Diskussion dreht sich schliesslich darum, wie rechts eigentlich Linke seien oder wie rechts die Ökologie. Auch Schack mischt hier kräftig mit: «Hitler war auch Vegetarier und Nichtraucher.»
NZZ – Die polnische Frau und die «Ökospiesser»

Im Berliner Kurier war zu lesen:”Ramon Schack schreibt derzeit das Buch „Neukölln ist nirgendwo“. Es soll im Sommer erscheinen, handelt von den Arbeitsumständen der polnischstämmigen Putzfrau Anka K.. Schack begleitet sie auf ihrem Weg durch die Wohnungen.”http://www.berliner-kurier.de/kiez-stadt/-ich-bin-schockiert–putzfrau-gekuendigt–weil-sie-nicht-oeko-ist,7169128,22719742.html

Auf Stern.de wurde berichtet:
“Der Berliner Journalist Ramon Schack stieß auf diese Neuköllner Geschichte, als er für ein Buch über den umstrittenen Berliner Bezirk recherchierte. Wie er erzählt, lernte er Anka K. per Zufall kennen und begleitete sie kürzlich auf ihrer Reinigungsrunde durch verschiedene Wohnungen Neuköllns.In der Wohnung des Lehrerehepaars fand Schack zusammen mit Anka S. das drastische Schreiben vor, mit dem ein Ehepaar der Putzfrau kündigte. Die Begründung: Sie habe mit nicht-ökologisch einwandfreien Putzmitteln sauber gemacht. Selbst die Katze reagiere verstört auf die herkömmlichen Reiniger. Verbunden war die Empfehlung, sich gleich in Polen einen Job zu suchen, um die Umwelt durch weniger Pendeln zu schonen. Hier der Brief im Original:http://www.stern.de/panorama/berlin/kuendigungsbrief-an-putzfrau-wenn-oekospiesser-zuschlagen-2008374.html

In vielen anderen Medien, auf Websites und Foren, wurde intensiv  über diesen Sachverhalt diskutiert. http://www.ruhrbarone.de/liebe-anka-so-geht-oeko-rassismus/
http://www.publikative.org/2013/05/07/neukolln-ist-uberall-liebe-anka/

http://www.vice.com/de/read/news-die-veganen-oeko-rassisten-aus-neukoelln-sind-alt-68er

http://antrobius.de/hier-bei-uns-eine-vegane-kundigung-macht-im-netz-furore.html

Außerdem erreichten mich in den letzten Tagen unzählige E-Mails, aus dem In-und Ausland, in denen es um Anka und das erwähnte Kündigungsschreiben ging. Für das große Interesse, für die lebhaften Diskussionen, möchte ich mich ausdrücklich bei meinen Lesern bedanken. Wenn ich daran denke, was in dem Buch noch alles vorkommt, dann stockt mir der Atem, angesichts der möglichen Auswirkungen. Ferner möchte ich hier noch einmal feststellen, dass das Schreiben authentisch ist, wie ich es auch in meinem Interview mit dem Radio Sender Fritz vom RBB betont habe:http://www.fritz.de/neues_wort/aktuell/2013/05/beitrag42745.html

Die Begegnungen mit den Menschen, die in dem Buch erwähnt werden-wie beispielsweise die Begegnung mit  der  polnische Putzfrau Anka –hat meinen Blick erweitert und mir neue Perspektiven eröffnet, gerade-aber nicht nur-im Bezug auf meinen Wohnort Neukölln.
Es wäre mir ein Vergnügen, wenn sich dem geneigten Leser dadurch auch eine neue Perspektive eröffnet, oder das Interesse(falls es nicht schon vorhanden ist) an Neukölln und seinen Menschen erwacht.


Die Kurzgeschichten in diesem Buch basieren auf eigenen Erlebnissen, was natürlich nicht bedeutet, dass ich dadurch den Anspruch erhebe, die  Wahrheit über Neukölln niedergeschrieben zu haben, was immer man sich darunter vorstellen mag. Es handelt sich um eine persönliche Betrachtung. In diesem Zusammenhang möchte ich Truman Capote zitieren, der einmal schrieb:

“Die Kunst ist eben kein destilliertes Wasser. Persönliche Eindrücke, Vorurteile, die Auswahl, die man unwillkürlich trifft und auch treffen muss, das alles verändert die sogenannte reine Wahrheit.”

Ich freue mich schon jetzt, auf die Reaktionen, nach der Veröffentlichung von “Neukölln ist nirgendwo”.
Ramon Schack, Berlin-Neukölln, 11. Mai 2013

17. April 2013

Sanktionspolitik gegenüber dem Iran/”Den Chinesen auf dem Silbertablett serviert”

Mein Interview mit dem Politikwissenschaftler Ali Fathollah-Nejad http://www.fathollah-nejad.com/index.php/2013/04/iv_iran-sanktionen/ über Gewinner und Verlierer der westlichen Sanktionspolitik gegenüber dem Iran – und warum diese Teherans Atomprogramm stetig weiter voranschreiten lässt.http://www.zenithonline.de/deutsch/politik//artikel/den-chinesen-auf-dem-silbertablett-serviert-003615/

1. April 2013

“Die Jihad-Müdigkeit der USA”/Mein Interview mit Robert Baer

@Ramon Schack

Die Bücher des ehemaligen CIA-Agenten Robert Baer sorgen in den USA regelmäßig für großes Aufsehen.
Baers Werke See No Evil und Sleeping with the Devil lieferten die Vorlage für den 2005  fertiggestellten Film Syriana.
http://www.youtube.com/watch?v=uivurwA6k1A
Die Person des Film-Charakters Bob Barnes -gespielt von George Clooney- wurde Robert Baer nachempfunden.
Mit Robert Baer sprach ich über die Situation in Syrien, im Auftrag der Wiener Zeitung.http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/welt/weltpolitik/535947_Die-Jihad-Muedigkeit-der-USA.html

17. März 2013

7 Tage ohne Facebook

-7 Tage ohne Facebook-
@Ramon Schack

Der 15. August 2008 war eigentlich ein recht ereignisloser Tag. An diesem Freitag lag die Lufttemperatur in Berlin bei ca.17 Grad, ein Hauch von Herbst war schon zu spüren. Drei Tage zuvor endete der Krieg im Kaukasus, zwischen Russland und Georgien. Abends, als ein leichter Regen einsetzte, gab Eric Clapton in der Waldbühne ein Konzert. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ob es aus eigenem Antrieb geschah, oder ob ich einer Einladung folgte, aber an diesem Tag trat ich Facebook bei. Anfangs stand ich dem Phänomen äußerst reserviert gegenüber, war irritiert über die Statusmeldungen, die mich darüber informierten, dass A jetzt mit B befreundet ist, dass C der Status von D gefällt.

Heute nutze ich Facebook täglich.

Während ich diese Zeilen schreibe, habe ich ca. 1900  Facebook – Freunde, mit leicht schwankender Tendenz, von denen  ich – grob geschätzt – vielleicht 5 % persönlich kenne, oder einmal persönlich begegnet bin. Als Journalist nutze ich Facebook vorwiegend als berufliche Plattform, obwohl mich eine Kollegin vom Rundfunk, kurz vor unserem gemeinsamen Abflug zu einer Pressereise in den Kosovo, mit folgenden Worten ansprach
“Du bist also der Ramon Schack, der sein ganzes Privatleben auf Facebook veröffentlicht!“

Die Nutzung von Facebook kann so banal sein, wie der Treppenhaus-Tratsch zwei alter Damen. Sie kann aber auch Wellen schlagen, Skandale auslösen, politische Prozesse beeinflussen, die ihren Widerhall in den Medien finden.

Ein Fallbeispiel:
Im Frühjahr 2010 erhielt ich auf Facebook die folgende Nachricht einer 16 jährigen Schülerin aus NRW, die aus irgendwelchen, mir heute nicht mehr erkenntlichen Gründen, auf meiner dortigen Freundes-Liste gelandet war.

“Hallo Ramon,
da du der einzige Journalist bist den ich zumindest virtuell “kenne”, frage ich dich unverblümt. Bist du an einer Story interessiert, die einen hochrangigen Politiker in Verbindung mit einer Minderjährigen bringt. Dies ist kein Rachefeldzug, auch kein finanzielles Interesse. Hier geht es darum, jemanden der bald MP
sein wird und auch als Kanzlerkandidat 2017 gehandelt wird, nicht an die Macht zu bringen. Dieser Mensch ist komplett skrupellos und ich wage sogar zu behaupten psychopathisch. Beweise für die Geschichte liegen vor. Ein täglicher e-mail- Kontakt über mehr als 6 Monate mit einer 15 jährigen, genug Beweise für persönlichen Kontakt. Er war so schlau, erst persönlich zu kontaktieren, als der 16. Geburtstag um war usw. und sofort….
LG “…………………………………………..

Bevor ich die ganzen Dokumente rüber schicke, überlege dir, ob du was daraus machen möchtest oder eben nicht.”Nun, ich machte damals “daraus” nichts, obwohl ich mir der Brisanz des Falles bewusst war, bat die junge Dame um Verständnis, versprach ihr – wenn erwünscht – mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ein Jahr später allerdings- entwickelte sich diese „Story“ zu einem medialen Skandal, der von den Medien als “Lolitta- Skandal” getauft wurde, und schließlich zum Rücktritt des Schleswig-Holsteinischen CDU-Vorsitzenden Christian von Bötticher führte. Die junge Dame schrieb mir in jenen Tagen über Facebook:”Hier stehen sie Schlange. Da wimmelt meine Mutter ab. Sat 1 hat das Haus gefilmt. Die Polizei kam ein wenig zu spät. Etc. etc. Schrecklich. So habe ich mir das in den kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Auch Kerner und andere haben angefragt. Als ob ich mich da hinsetze. Wozu. Es ist alles so dämlich. Und nix stimmt was geschrieben wird. Na ja.” Ein paar Tage später, nachdem die Bildzeitung Äußerungen auf ihrer Facebook-Pinnwand veröffentlichte, löschte sie ihr dortiges Konto.

Trotz aller Fortschritte in der Kommunikation und im Nachrichtenwesen ist unser Wissen von den anderen, entgegen der allgemeinen herrschenden
Meinung, sehr oberflächlich, in vielen Fällen sogar nicht existent. Marshall Mc Luthan, ein enthusiastischer Verkünder der medialen Revolution, meinte, das Fernsehen mache die Welt zu einem Globalen Dorf. Ähnlich optimistisch äußerten sich ja auch die Pioniere des Internets. Ist diese  Metapher aber nicht falsch?

Dem Wesen des Dorfes liegt die emotionale und verwandtschaftliche  Nähe zugrunde, auch die Enge, die Überschaubarkeit. Leben wir heute nicht eher in einem globalen Metropole, auf einem globalen Bahnhof, durch den die “einsame Massen” von David Riesman strömen?

Vor einigen Tagen, als ich mich auf meinem Facebook-Profil einloggen wollte, wurde mir der Zugang verweigert. “Du wurdest auf Grund der Überschreitung einer Facebook-Richtlinie 7 Tage lang gesperrt.”, bekam ich zu lesen. Um welche Richtlinien es sich dabei handeln soll wurde mir allerdings nicht mitgeteilt. Mein Facebook-Profil liegt jetzt da,ungeschützt, wie ein kleines Lämmchen, auf einer von hungrigen Wölfen wimmelnden Wiese. Das alles ist sicher zu verkraften.

Gleichwohl reflektiert Facebook einen Teil der Alltagswelt des modernen Lebens unseres Zeitalters. Aufgrund der heutigen Kommunikationsmöglichkeiten, von denen unsere unmittelbaren Vorfahren nicht zu träumen wagten, hat das Phänomen Facebook auch gravierende Auswirkungen auf unser Leben und unsere Gesellschaft, deren Ausmaß wir noch nicht ermessen können. Während meiner Zwangspause fällt mir auf, wie sehr in der letzten Zeit meine virtuelle Kommunikation auf  Facebook zentriert war, ja wie sehr konventionelle E-Mail-Adressen an Bedeutung verloren haben. In diesen Tagen bekomme ich einige SMS, in denen mir die Frage gestellt wird, weshalb ich nicht auf Facebook-Mails reagiere, ob es mir gut geht, etc..-

Ich fühle mich etwas entschleunigt, was auch angenehm sein kann, den Blick auf das Wesentliche konzentriert, vor überflüssigen Ablenkungen schützt. Doch gleichzeitig nagt an mir das Gefühl, mich in in einer gewissen Abhängigkeit gegenüber Facebook zu befinden, die mir zuvor- so nicht- ersichtlich war. Fast fühle ich mich wie ein Jugendlicher, dessen Eltern ihm Stubenarrest verpasst haben, ihm somit den Besuch einer Party vermasseln. Aber, ich möchte nicht übertreiben. In einigen Tagen, so Zuckerberg will, werde ich mich ja wieder dem Massenphänomen widmen dürfen, um dann wahrscheinlich schnell festzustellen, dass ich eigentlich nichts versäumt habe. Allerdings, ganz in der Tiefe meines Bewusstseins, wird sich dann der Gedanke einschleichen, dass ich irgendwann wieder einmal willkürlich gesperrt werden kann, ohne Vorwarnung.
Sollte ich deshalb mein Facebook-Profil löschen? Nein, so weit bin ich noch nicht. ich werde allerdings einige Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, was Daten, Beiträge und Bilder angeht. Schließlich macht Facebook auf Facebook die Gesetze, wobei mir aber das biblische Zitat einfällt.”Quis custodiat custodes legum” – Wer wird die Hüter der Gesetze hüten?