Ramon Schack - Der rasende Reporter

Ramon Schack ist Diplom-Politologe, Journalist und Publizist. Er schreibt für die Süddeutsche Zeitung, Die Welt, die Berliner Zeitung, “das Handelsblatt”, die Financial Times Deutschland, “Das Parlament”, die NZZ und viele andere.

12. März 2011

Noch ist Japan nicht verloren!

Siebenmal hinfallen, achtmal (wieder) aufstehen.”

  • 七転び、八起き。

Japanisches Sprichwort

@Ramon Schack

Am 2. Januar 1905  unterzeichnete der russische Kommandant  der Festung Port Arthur seine Kapitulation, gegenüber den vorstürmenden, japanischen Truppen des Tenno .

Japan, das Reich der aufgehenden Sonne, war mit diesem militärischen Sieg, der Vernichtung der Russischen Pazifik-Flotte, auf die Weltbühne der Großmächte gestürmt.

Das Ereignis erschütterte die damalige Weltöffentlichkeit.

Von nun an konnte der Deutsche Kaiser Wilhelm der Zweite, der sich selbst als “Admiral  des Atlantiks” titulieren ließ, seinen russischen Vetter, den Zaren Nikolaus den Zweiten, nicht mehr als “Admiral des Pazifiks” begrüßen.

Die russischen Expansion, in der Nordpazifik-Region, wurde durch das aufstrebende Japan verhindert.

Der Niedergang der Weißen Weltherrschaft, der sich bis zum heutigen Tag hinzieht, begann mit diesem Datum, in dieser nasskalten,nordostchinesischen Festung.

Japans – an diesem Tage entstandenen- imperiale Ambitionen, die Schaffung einer “Großasiatischen Wohlstandssphäre”- unter dem Motto”Asien den Asiaten” -endeten 40 Jahre später, mit den amerikanischen Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki, der totalen Vernichtung des japanischen Kriegsgegners, dieses Allierten Nazi-Deutschlands und des faschistischen Italiens, durch die Allierten unter der Führung der USA.

Die von den damaligen  japanischen Okkupanten verursachten Kriegsverbrechen, vor allem in China, in Korea, auf Taiwan und den Philippinen, vergiften bis heute das politische Klima zwischen Tokyo und seinen Nachbarstaaten. Aufgearbeitet wurden sie nie.

Es sollten aber nur wenige Jahre vergehen, bis sich Japan aus den Trümmern dieser Katastrophe, wie Phönix aus der Asche, erheben sollte.

Die folgenden 4 Jahrzehnte katapultierte sich Japan ökonomisch an die Weltspitze , wobei selbst die damalige Wirtschaftswunder-Bundesrepublik Deutschland überholt wurde.

Niemals zuvor, erlebte Japan eine längere Periode der Prosperität, des wirtschaftlichen Aufschwungs, der politischen Stabilität, bei extremer außenpolitischer Zurückhaltung, unter dem militärischem Schutzschild der USA.

Diese Phase endete 1989, in dem Jahr als auf der Welt die Nachkriegsordnung zerbrach.

Das erfolgsverwöhnte Japan rutsche in eine tiefe Rezession, fiel zurück, gegenüber der Aufholjagd der ostasiatischen Tigerstaaten.

Der dramatische Aufstieg der Volksrepublik China, auf denen man in Tokyo bis heute keine Antwort findet, löste in Japan alptraumhafte Beklemmungen und tiefsitzende sinophobe Reflexe aus, flankiert von dem Gefühl- in eine als unerträglich empfundene Mittelmäßigkeit abzurutschen.

Die letzten 20 Jahre waren keine glückliche Zeit für Japan. Das Land zerrt von der Substanz, des in der Vergangenheit erworbenen Wohlstandes, altert und schrumpft demographisch- in einem weltweit einmaligen, rekordverdächtigem Tempo, ist geprägt von Deflation und hoher Jugendarbeitslosigkeit.

Die gestrige Naturkatstrophe, das Erdbeben und der Tsunami, ist  für Japan eine Katastrophe.

Ein Einzelfall ist sie nicht.

Die japanische Geschichte ist geprägt von apokalyptischen Naturkatastrohen, die unzähligen Menschen das Leben kosteten, Städte und Siedlungen zerstörte.

Das leidgeprüfte Japanische Volk hat es in seinen Schicksalsstunden schon öfter erwiesen. Aus jeder Krise ging es gestärkt hervor, so wird es auch diesesmal sein.

Eine Rückkehr, zu der “Goldenen Epoche” der Nachkriegszeit, wird es zwar nicht mehr geben. Aber-das Reich der aufgehenden Sonne, mit seinem verfeinertem Sittenkodex, seiner hochgebildeten Bevölkerung, seiner jahrtausende alten Hochkultur, wird auch diese schweren Stunden überwinden.

Noch ist Japan nicht verloren!

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9. März 2011

Herzlichen Glückwunsch Peter Scholl-Latour!

@Ramon Schack

An Wunder glaube ich nur sehr eingeschränkt, an Zufälle fast gar nicht.

Trotzdem läßt sich meine erste Begegnung mit Peter Scholl-Latour, vor etwas über 8 Jahren, als ein wundersamer Zufall beschreiben.

Ich war gerade- nach einem zweijährigen Aufenthalt- aus London zurückgekehrt, wohnte für einige Wochen übergangsweise in Hamburg,  stand kurz vor meinem Umzug nach Berlin, wo ich mich als freier Journalist  etablieren sollte.

Einige Wochen zuvor hatte ich mit dem Büro von Peter Scholl-Latour in Paris Kontakt aufgenommen. Im Auftrag einer Publikation, für die ich heute nicht mehr schreiben würde, bat ich damals um einen Interviewtermin.

An jenem Tag- im Februar 2003- kehrte ich gerade von einem Besuch bei meinen Eltern- im südlichen Schleswig-Holstein- zurück.

Wie es der erwähnte Zufall so will, hatte ich dort eines meiner alten Lieblingsbücher entdeckt und mitgenommen. Es handelte sich um das Buch”Begegnung mit der Islamischen Revolution” von Peter Scholl-Latour.

Mit diesem Buch in meiner Tasche, traf ich im Regionalexpress am Hamburger Hauptbahnhof ein, wo ich in die S-Bahn umsteigen wollte.

Beim Gang über den Bahnsteig bemerkte ich den abfahrbereiten ICE nach Berlin, zu meiner Linken. Gedankenverloren, eher flüchtig, schaute ich im Vorbeigehen in den Speisewagen.

Dort saß Peter Scholl-Latour, ich erkannte ihn sofort. Geistesgegenwärtig, obwohl der Zug wie erwähnt abfahrbereit war, betrat ich den Speisewagen.

Peter Scholl-Latour saß alleine dort, vertieft in eine Zeitungslektüre.

Ich sprach ihn an, kramte das erwähnte Buch aus meiner Tasche und bat um eine Signatur.

Während Scholl-Latour das Buch signierte, erwähnte ich meine Interviewanfrage an sein Büro. Scholl-Latour schaute interessiert auf, gab mir ohne Umschweife seine Privatnummer in Berlin, mit der Bitte ihn doch persönlich zu kontaktieren.  So geschah es dann auch.

In den letzten Jahren bin ich Peter Scholl-Latour sehr oft begegnet, war häufig Gast in seiner Berliner Wohnung und führte mit ihm zahlreiche Interviews und Gespräche, die man eher als eine Art Tour d´horizon bezeichnen sollte, die immer ein Genuß waren und sind.

Sie haben wenigsten Ahnung von den Dingen!” sagte mir Scholl-Latour einmal. Ein Kompliment auf das ich wirklich stolz bin.

Berlin Germany:Peter Scholl-Latour von Ihnen.

Peter Scholl-Latour ist einer der großen Chronisten unseres Zeitalters, eine Reporterlegende, wie es heute nicht mehr viele gibt.

Menschen wie er sind in der Lage, die dramatischen Verschiebungen des globalen Machtgefüges zu schildern, deren Zeugen wir sind, deren Folgen und Auswirkungen aber nur die wenigsten noch  erfassen können.

Sein Leben, welches 1945 beinahe in GESTAPO-Haft enden sollte, war immer auch eine Suche nach den starken Gefühlen, “les Émotions fortes”, wie es die Franzosen ausdrücken würden.

Wer kann schon von sich behaupten, alle Länder der Welt bereist zu haben, unzählige historische Ereignisse aus nächster Nähe erlebt zu haben, beziehungsweise zahlreichen historischen Persönlichkeiten begegnet zu sein?

Prof. Dr.Peter Scholl-Latour feiert heute seinen 87. Geburtstag.”Bleiben Sie uns bitte noch lange erhalten“, wünschte ich ihm gerade am Telefon.

Herzlichen Glückwunsch- Peter Scholl-Latour!

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3. März 2011

“Gaddafi läßt im Extremfall Pipelines sprengen!”Mein Interview mit dem ehemaligen CIA-Agenten Robert Baer

Im Januar 2009  interviewte ich Robert Baer in New York City.

Wir hatten uns in einem kleinen  kolumbianischen Restaurant in Spanish Harlem verabredet.

Die Bücher dieses ehemaligen CIA-Agenten sorgen in den USA regelmäßig für großes Aufsehen.
Baers Werke See No Evil und Sleeping with the Devil lieferten die Vorlage für den 2005  fertiggestellten Film Syriana.
Die Person des Film-Charakters Bob Barnes -gespielt von George Clooney- wurde Robert Baer nachempfunden.
Damals stellte ich Baer fünf Fragen zu seinem neuen Buch“The Devil we know“, bitte den Link anklicken. http://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-ist-eine-insel-der-stabilitaet;2125354

Dieser Tage interviewte ich Robert Baer zur Situation in Libyen. Das interview ist in der Welt erschienen:http://www.welt.de/politik/ausland/article12644754/Gaddafi-laesst-im-Extremfall-Pipelines-sprengen.htm

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17. Februar 2011

Aufruhr in der Arabischen Welt.Gaddafis Götterdämmerung

                              @Ramon Schack

                       Gaddafis Götterdämmerung

Der libysche Diktator Muammar al Gaddafi, seit geraumer Zeit Darling des Westens, sieht sich mit schweren Unruhen in seinem Land konfrontiert. 

Gaddafi ist im Westen schon immer weit überschätzt worden. Er war nie ein großer arabischer Volksheld, als der er gern gegolten hätte.

Ein paar einfältige Sensationsreporter konnte er mit seinen theatralischen Beduinenauftritten beeindrucken. Der inzwischen verstorbene Jörg Haider, der in seiner österreichischen Heimat ja nur zu gerne xenophobe Tendenzen instrumentalisierte, wenn es ihm nützte, war ja auch ein enger Freund der Gaddafis. 

In den übrigen Staaten der arabisch-islamischen Welt wurde dieser unberechenbare Paranoiker als „Mahbul“, als Verrückter,bezeichnet. 

Gaddafi mag für seine Untertanen ein weniger blutrünstiger veranlagter Despot sein, als Sadam Hussein es war. Aber harmlos ist dieser Autokrat nicht. Im Gegensatz zu Sadam Hussein, der die eigene Bevölkerung drangsalierte und zahllose Morde im Inland befahl, sich aber niemals als internationaler Terrorist betätigt hat.

Gaddafi hingegen hat Verschwörer, Attentäter, Aufständische und Bombenleger weltweit unterstützt-von Nordirland bis zu den südlichen Philippinen. 

In diesen Tagen entblödet sich eindrucksvoll die völlig verfehlte Nahost-Politik des Westens im Allgemeinen, bzw. der USA im Speziellen.

Niemand kann heute wissen, ob der revolutionäre Aufruhr in der Arabischen Welt, nicht nur zum Einsturz morscher Regime führt, sondern auch die globale Machtverschiebung , deren Zeugen wir schon seit geraumer Zeit sind, erheblich beschleunigen wird-übrigens nicht zum Vorteil des Westens.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-02/libyen-gaddafi-protest

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9. Februar 2011

Unruhen in Ägypten/Interview mit Tarik Ramadan

                                                          

                                                                               
                                                      @Ramon Schack
Ägyptens amtierender Staatspräsident Hosni Mubarak herrscht seit 30 Jahren über sein Land.
Unter seiner Dauerherrschaft ist diese Kulturnation- die fast so alt ist wie die Menscheit selbst- in kultureller, politischer und ökonomischer Stagnation versunken.
Ägyptens Rolle, als heimlicher Führer der arabischen Welt, als dessen demographisches Machtzentrum, wurde inzwischen von Saudi-Arabien abgelöst, mehr noch von den Golf-Emiraten; deren babylonischen Luxustürme – unter Führung von Dubai-inzwischen mit der einst atemberaubenden Skyline von Manhattan wetteifern.
Der Westen verzichtete ganz bewußt darauf, Ägypten zu freien Wahlen zu mahnen, oder irgendeinen Stimmzettelfetischismus zu propagieren, wie bei anderen Staaten der Region. So kommt es auch, dass sich niemand daran erregte, wenn Mubarak regelmäßig mit 90% wiedergewählt wurde.
In diesen Tagen wird sich Mubarak wieder daran erinnert haben, unter welchen blutigen Umständen er am 6.Oktober 1981 an die Macht kam. Als damaliger Vizepräsident hatte er auf einer Militärparade neben dem charismatischen Präsidenten Anwar as Sadat Platz genommen. Sadat, von dem Helmut Schmidt einst sagte, er habe ihn geliebt, galt in der arabischen Welt, noch mehr aber in islamistischen Kreisen, als Verräter.
Sadat hatte 2 Jahre zuvor einen Friedensvertrag mit Israel ausgehandelt und dem gerade gestürzten Shah von Persien Asyl gewährt.
An diesem Tag, auf dieser Parade, sollte er dafür mit dem Leben bezahlen.
Die Attentäter brachten vor laufenden Fernsehkameras einen gepanzerten Militärlastwagen vor der Tribüne zum stehen, stürmten auf diese zu und griffen sie mit Handgranaten und Feuer aus den Maschinengewehren an. Zwar verfehlten die Granaten die Tribüne, aber die Kugeln töteten Anwar al-Sadat, dessen Leibwächter überwiegend davon stoben, und weitere Menschen auf der Tribüne. Der Anführer der Attentäter rief hörbar in der Aufzeichnung des amerikanischen Fernsehens: Ich habe den Pharao getötet!
Mubarak, der den Anschlag nur knapp überlebte, stolperte über tote und sterbende Menschen und wurde kurz danach zum Präsidenten ernannt.
Das Volk hat er immer gefürchtet, der explosiven Sprengkraft, Ägyptens sozialer Probleme, war er sich immer bewußt.
Diese ansatzweise zu lösen, dafür fehlte ihm der Mut.
Seine Herrschaft begann mit Blut und Tränen, wahrscheinlich so wie sie jetzt auch enden wird.
Angesichts der anhaltenden Unruhen in Ägypten, sprach ich neulich mit dem bekannten und umstrittenen schweizer Islamwissenschaftler Tarik Ramadan:

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17. Januar 2011

Revolution in Tunesien/Frühling in der Arabischen Welt?

@Ramon Schack

Teneo te, Africa“ (ich halte dich fest, Afrika) soll Cäsar gesagt haben, als er erstmals seinen Fuß auf heute libyschen Boden setzte.

Dem gestürzten tunesischen Präsidenten Ben Ali gelang es nicht, sich an Afrika, oder an seinem Heimatland festzuhalten, er flüchtete nach Saudi-Arabien.

Ausgerechnet in Tunesien kam es zu einer Revolution, zu einem totalen Umsturz der politischen Verhältnisse, einem Land das vielen Europäern als Bade-und Urlaubsparadies bekannt zu sein schien(Inklusive Kamelritt am Strand von Djerba), welches im Westen gerne als moderater arabischer Staat tituliert wurde.

Deshalb schaute man auch nicht so genau hin, wie es dort zur Lage der Menschenrechte, der Meinungsfreiheit, der politischen Pluralität aussah, sondern sparte sich die Kritik lieber für die üblichen Verdächtigen auf.In diesem Zusammenhang sollte es zu denken geben, wie zurückhaltend die politische Klasse des Westens zunächst auf die blutigen Unruhen reagierte, ganz im Gegensatz zu den Unruhen im Iran, vom Sommer 2009.

Noch ist es völlig unklar, welche politischen Kräfte das Machtvakuum füllen werden, welches sich aus dem Zusammenbruch des Ben-Ali-Regimes ergeben . Oberflächliche Kommentatoren schwärmten ja schon von einer sogenannten  Jasmin-Revolution, in enger verbaler Anlehnung an die Ereignisse in Eurasien der vergangenen Jahre, der Orangenen-,Rosen,-und Tulpen-Revolutionen, von Kiev, Tiblis und Bischkek. Diese “Berichterstatter” haben dabei wohl übersehen, wie schnell diese Blütenträume verwelkten, oder sich gar in giftige Knollengewächse verwandelten.Viel eher sollten man endlich der Wahrheit ins Auge sehen, dass fast alle Regime der Region, darunter auch gerade die engen Verbündeten des Westens, in völliger Opposition zu ihren brodelnden Volksmassen stehen, der sogenannten “Arabischen Strasse”,  dabei  nur höchst selten von einem westlichen Politik-und Demokratieverständnis geprägt sind.

Die Tatsache, dass viele dieser Staaten, um den wachsenden Einfluss des Iran einzudämmen, mit Kriegsmaterial gerade zu überschüttet wurden, von Seiten der USA, läßt böse Ahnungen aufkommen. Besonders, wenn  eines Tages, in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft, die überzähligen und demographisch anwachsenden Massen Ägyptens und Saudi-Arabiens ihre Diktaturen zum Einsturz bringen. Gemessen daran, dürften dann die jetzigen Ereignisse in Tunesien als harmloses Intermezzo erscheinen.Bei aller berechtigten Kritik, im Vergleich zu einigen anderen Staaten der Region, waren die Verhältnisse in Tunesien ja bisher noch einigermaßen erträglich. Da gibt es noch weit schlimmere und repressivere Regime, die es verdient hätten, auf dem Müllhaufen der Geschichte zu landen.

Während ich diese Zeilen schreibe, überstürzen sich die Ereignisse. Nicht nur in Algerien, auch in Jordanien kam es zu Demonstrationen, also im arabischen Maschrek.Ob es wirklich zu einem “Arabischen Frühling” kommt, also zu einer Verbesserung der dortigen Lebensbedingungen, zu einer Herrschaftsform, welche den Wünschen der Bevölkerung mehr entgegenkommt-auch wenn diese nicht den Vorstellungen des Westen entsprechen dürften-wird sich zeigen. Es wäre den Menschen dort sehr zu wünschen.

Eines erscheint zur Stunde auf jeden Fall sicher. Nicht nur die Herrscherhäuser von Marokko bis Saudi-Arabien drohen   einzustürzen, auch die westliche Nahost-und Nordafrika-Politik steht da- wie ein Kartenhaus im  heißen Wüstenwind.

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15. Dezember 2010

Terror im Baluschistan/Bedroht Al Kaida den Iran?

@Ramon Schack
In der iranischen Unruheprovinz Sint-Baluschistan, im äußersten Südosten der Islamischen Republik, hat sich ein verheerender Selbstmordanschlag ereignet.

Zahlreiche Menschen kamen dabei ums Leben.

Die iranische Regierung beschuldigt ausländische Mächte:http://www.abendblatt.de/politik/article1728947/Schwerer-Anschlag-vor-Moschee-erschue…ttert-Iran.html

Die radikal sunnitische Terrorgruppe Dschundallah (Brigade Allahs) steht im Verdacht den Anschlag ausgeführt zu haben. Diese Gruppierung, die den schiitischen iranischen Zentralstaat bekämpft, hat in der Vergangenheit schwere Terroranschläge verübt. Es gibt Verbindungen zwischen Dschundallah und den Taliban, im benachbarten Pakistan, denen man ja eine Nähe zum weltweiten Terrornetzwerk der Al Kaida nachsagt.

In diesem Zusammenhang sei noch einmal daran erinnert, dass der Iran schon 1998, nach der Ermordung von mehreren iranischen Diplomaten in Afghanistan, kurz vor einem Krieg mit den sunnitisch-wahabitischen Fundamentalisten der Taliban stand.

In der Vergangenheit drohte die Nummer 2. der Kaida-dem Iran mit Terroranschlägen:Lesen Sie dazu:http://www.sueddeutsche.de/politik/512/361335/text/

Dahinter verbirgt sich natürlich der wachsende Konflikt zwischen dem Aufstieg der Shia, unter der Führung des Iran, sowie der Niedergang der wahabitischen-saudischen, fundamentalistischen Form des sunnitischen Islams.

So wenig man über die wirklichen, nebulösen Strukturen von Al Kaida weiß, die Abhängigkeit dieser Terrororganisation von saudischen Gönnern und vom saudischen Geheimdient steht außer Zweifel. Für die sunnitischen Potentaten und Zwangsregime, die man neuerdings in Washington als” moderate arabische Staaten tituliert, hängt das Überleben von der Allmacht der USA ab.

Um den wachsenden Einfluss des Iran einzudämmen, wurden diese moderaten sunnitischen Staaten, am Ende der unrühmlichen Amtszeit von G.W Bush, mit Kriegsmaterial gerade zu überschüttet. Im Werte von ca. 20 Milliarden Dollar wurde ein gigantisches Aufrüstungsprogramm veranschlagt, dass vor allem dem morschen Königreich Saudi-Arabien zugute kam.

Neben der Abwehr einer hypothetischen iranischen Bedrohung, ging es natürlich um ein riesiges Geschäft für die amerikanische Rüstungsindustrie. Die berechtigten Sorgen Israels versuchte Washington zu beschwichtigen, indem es Jerusalem ein Kompensationspaket in Höhe von 30 Milliarden Dollar gewährte. Kurzum, die empfindlichste Krisenzone der Welt, wurde mit Kriegsmaterial geradezu zugeschüttet. Der “War against Terror” führte und führt dazu, dass man das ideologische Mutterland der Kaida, nämlich Saudi-Arabien, nachhaltig unterstützt, während der Iran als Teufelsstaat Nummer 1 aufgebaut wurde.

“Sleeping with the Devil/Mit dem Teufel schlafen“, nennt der ehemalige CIA-Mitarbeiter Robert Baer diese unheilige Liason zwischen Washinton und Riad:Lesebefehl:http://ramonschack.wordpress.com/2007/10/26/sleeping

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10. November 2010

“Die Islamdebatte in Europa ist primitiv!”/Mein Interview mit dem amerikanischen Islamkritiker Daniel Pipes.

@Ramon Schack

http://www.islam-projekte.com/kalifat/kalifat/_data/Daniel_Pipes.jpg

Daniel Pipes gilt als einer der einflussreichsten Islamkritiker der USA.Mit dem überzeugtem Republikaner habe ich kürzlich ein Interview geführt, im Auftrag der Neuen Zürcher Zeitung.

http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/die_islamdebatte_im_westen_ist_primitiv_1.8328724.html

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29. Oktober 2010

Frankreich:David gegen Goliath/Colombani gegen Sarkozy

Dies ist die Geschichte einer Gesellschaft die fällt. Während sie fällt sagt sie, um sich zu beruhigen, immer wieder: Bis hierher lief’s noch ganz gut. Bis hierher lief’s noch ganz gut. Bis hierher… lief’s noch ganz gut. Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung.“

                                        Aus dem Film “La Haine/Der Hass”

                                       http://www.youtube.com/watch?v=sVIc–jrCQk

                                                             @Ramon Schack

Vor einiger Zeit las ich das Buch von Yasmina Reza“L´aube le soir ou la nuit“/Das Morgengrauen, der Abend oder die Nacht.“Dieser Bestseller gilt ja in Frankreich als Grundlagenlektüre, zum Verständnis der Person und der Politik von Sarkozy. Eine französische Bekannte hatte es mir empfohlen.Viel schlauer bin ich dadurch allerdings nicht geworden, was wahrscheinlich nicht nur an meinen, etwas eingerosteten, Französischkentnissen liegt.

Von Nicolas Sarkozy, dem kleingewachsenen Präsidenten Frankreichs,geht eine ungeheure Bündelung an Energie aus.

http://www.eu2008.fr/webdav/site/PFUE/shared/import/President_de_la_Republique/0601_Institutions_President_de_la_Republique_Hi.jpg

Eine Energie- die ihm ja auch erst den sensationellen Aufstieg- bis ans höchste Staatsamt- ermöglichte.Der Geburt in Frankreich und dem „jus soli“ verdankt  Sarkozy seine französische Staatsangehörigkeit.Sein Vater ist ein ungarischer Adliger, aber wer ist in Ungarn nicht alles adlig?

Seine Mutter stammt aus der uralten sephardischen Gemeinde von Saloniki .

Das die französische Rechte, die erkonservative Bourgeoisie, die ja in Frankreich noch immer über mehr Einfluß verfügt als  man glaubt, diesen Zuwanderer vom Balkan – der beginnt für viele Franzosen ja schon irgendwo hinter dem Rhein-nicht nur akzeptierte sondern auch aktiv unterstütze, stellt  die eigentliche Sensation da. Das Sarkozy auch noch eine jüdische Mutter hat, ergänzt dieses „politische Wunder“. 

Zur Zeit der Dritten Republik, soviel ist sicher,unter dem Einfluß von Charles Maurras und seiner reaktionären“Action francaise“wäre Sarkozy öffentlich als „Zigeunerbaron“ geschmäht wurden.Heutzutage empfindet sogar der nationalistische Polterer Le Pen, der ja von Sarkozy auf den Schrotthaufen der Geschichte getreten wurde, eine heimliche Sympathie für Sarko.

In den vergangenen Monaten versuchte Sarkozy mit einer Anti-Roma Kampagne von einer unangenehmen Spendenaffäre abzulenken.

Gelungen ist es ihm nicht. Angesichts der sich zuspitzenden sozialen und ökonomischen Probleme in Frankreich, erwacht bei den Bürgern wieder das Erbe der Revolution von 1789. Ein Hauch von Revolte schwebt über dem Hexagon. Inzwischen hat Sarkozy  es mit einem neuen,  gefährlichen innenpolitischen Gegner zu tun bekommen, mit einem 16 jährigen Schüler namens Victor Colombani: http://www.zeit.de/2010/44/Frankreich-Rente-Protest-Gewerkschaft

 

 

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13. Oktober 2010

Achmedineshad in Beirut

                                                             @Ramon Schack

                                          Achmedineshad in Beirut

“Guter Zaun“ nannte man einst die Grenze zwischen Israel und dem Libanon.

FOTO:RAMON SCHACK AN DER ISRAELISCH-LIBANESISCHEN GRENZE-Frühjahr 1999.

Als ich vor rund 11 Jahren dieses Bollwerk aufsuchte, illustrierte dieses  einst hoffnungsvoll propagierte Symbol friedlich jüdischer arabischer Koexistenz , schon das Scheitern eines politisch strategischen Entwurfes.

Damals stand noch die israelische Armee, auf einer Breite von 20 Kilometern, jenseits der Grenze. Wenige Wochen später gewann Ehud Barak die Wahlen gegen Benjamin Nethanjahu, auch wegen des Verspreches die Truppen aus dem  Südlibanon abzuziehen.

Schon damals verübte die Hisbollah täglich Anschläge gegen die Truppen Zahals. Das seien keine Amateure mehr, erklärte mir ein Major, wie früher die Fatah-Partisanen Arafats. Diese Kämpfer der Partei Alis seien aus einem ganz anderen Kaliber, fügte er hinzu.

Ich verschwieg meinem israelischen Gesprächspartner damals nicht, dass ich mir diese Grenze, nur einige Wochen zuvor, von Syrien aus  angeschaut hatte.

Das Städtchen Matulla direkt an der Grenze gelegen, war schon damals in den Zustand misstrauischer Spannung zurückgefallen.  Die Einwohner, überwiegend Juden marrokanischer Herkunft, ahnten nichts Gutes für die Zukunft.

Im Jahr 2006, 6 Jahre nachdem israelischen Rückzug aus der Sicherheitszone im Südlibanon, kam es dann ja auch zum bewaffneten Schlagabtausch zwischen den Truppen Zahals und der Hissbollah, die nicht zu Gunsten Israels ausging. 

Vom Südlibanon, an den Gestaden des östlichen Mittelmeeres, in unmittelbarer Nachbarschaft des EU-Mitgliedsstaates Zypern, über den Irak, den Iran, bis zu den schiitischen Enklaven Afghanistans, ist ein schiitischer Gürtel entstanden.

Dieser Aufstieg der Schia, historisch übrigens völlig berechtigt, wurde durch das militärische Eingreifen der USA in den vergangenen Jahren- sowohl in Afghanistan als auch im Irak- beschleunigt. Mit der Beseitigung des säkular-nationalsozialistischen Regimes des Sadam Hussein in Bagdad, sowie der Terrorherrschaft der sunnitischen Steinzeitislamisten der Taliban in Afghanistan, wurden die größten Feinde  der Islamischen Republik Iran aus dem Weg geschafft, während die geistigen Verursacher von 9/11, das wahhabitische Königshaus von Saudi-Arabien, wie ein Schoßhündchen gemästet wurde und wird.

In diesem Zusammenhang sei noch einmal daran erinnert, dass der Iran sich 8 Jahre gegen das überlegene, vom Westen ausgestattete, Waffenarsenal des Irak behauptete, sowie 1998 fast einen Krieg gegen die Taliban führte, als man sich in Washington DC noch nicht daran störte, dass Frauen in Afghanistan zum Tragen der Burka gezwungen werden.

Aber zurück in das israelisch-libanesische Grenzgebiet. Der iranische Staatspräsident Achmedineshad, dem man alles mögliche nachsagen kann, ein Irrer ist er aber nicht, dafür geht er viel zu rational vor, ist zu einem Besuch im Libanon eingetroffen.Morgen wird er auch das Grenzgebiet im Süden besuchen.Von dem Aufstieg der Schiiten im Libanon, erhofft sich der iranische Präsident natürlich auch eine Art Legitimation seiner eigenen Herrschaft, der ein nicht unerheblicher Anteil der iranischen Bevölkerung nichts mehr abgewinnen kann und will.

 http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EA2A08F83F2A14F27AE425C4B22438BCE~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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