Ramon Schack - Der rasende Reporter

16. Juni 2010

Kirgistan:Die blutigen Tulpen von Bischkek

                                                               @Ramon Schack

Im Jahr 2005 begeisterte sich die westliche Öffentlichkeit an der sogenannten “Tulpenrevolution” in Kirgistan, früher auch als Kirgisien bekannt, durch die  angeblich eine Diktatur von einer demokratischen Bewegung gestürzt wurde. 

In dieser verarmten zentralasiatischen Republik, an diesem geostrategischen Knotenpunkt der Welt, in dem sich die geopolitischen Interessen Chinas, Russlands, der USA, der Türkei, Saudi-Arabiens und des Irans, im weitesten Sinne auch die der EU, überschneiden und überlappen, sollte nun ein “Leuchtturm der Demokratie” errichtet werden, mit verführischer Ausstrahlungskraft auf die Nachbarstaaten. Da diese Utopie schon in Afghanistan gescheitert war, im Irak ebenso, wurden nun die zentralasiatischen Staaten im Umfeld der legendären Seidenstrasse , von den Neokonservativen Strategen in Washington DC , als Experimentierfeld und Aufmarschgebiet- dieser grotesken ideologischen  Zwangsvorstellung- auserkoren. 

Zu jener Zeit wurden die diversen Nachfolgestaaten der UdSSR, besonders diejenigen mit pro-russischer Ausrichtung, von einem wahren Tsunami  angeblicher Revolutionen und Volkserhebungen erschüttert.

Diesen vom Westen unterstützen Machtwechseln und Staatsstreichen, war allerdings  keine lange Lebenszeit beschienen.

Sowohl die “Orangene Revolution” in der Ukraine, als auch die “Rosenrevolution” in Georgien, gelten inzwischen als gescheitert. In der Ukraine ist die neue Regierung dabei, die angestrebte NATO-Mitgliedschaft zu annullieren.

Georgien hat sich unter dem hitzköpfigen Präsidenten Saakaschwili, mit dem Krieg um Ossetien, selbst ins Abseits manövriert. Von einer EU oder NATO-Mitgliedschaft dieser uralten kaukasischen Nation, spricht in Brüssel oder Washington niemand mehr.  

Bei genauem Hinsehen haben sich diese vom Westen unterstützten “Demokraten” nicht besser aufgeführt, als ihre Vorgänger, teilweise sogar schlimmer.

Das Ziel, die NATO bis in die unendlichen Weiten Zentralasiens auszudehnen,  an die Grenzen der Volksrepublik China, ist kläglich gescheitert.

In Kirgistan war im April dieses  Jahres  ein weiteres Scheitern,dieses tollkühnen geostrategischen Projektes, zu beobachten.Präsident Bakijew, der infolge der erwähnten Tulpenrevolution 2005 an die Macht geschwemmt wurde, flüchtete damals aus der Hauptstadt Bischkek . Ein Großteil der Bevölkerung, wahrscheinlich flankiert von der Unterstützung des russischen Geheimdienstes, hatte den angeblich so demokratischen Präsidenten gestürzt. 

Wähend dieser turbulenten Tage interviewte ich die junge kirgisische Politikwissenschaftlerin  Dariha Erketaeva.http://www.fassette.com/im-interview-die-politikwissenschaftlerin-dariha-erketaeva/

In Wirklichkeit geht es hierbei auch um die gewaltigen Öl-und Gasressourcen Zentralasiens, die von der Quantität her nur von denen der Golfregion übertroffen werden.Das einzige Problem besteht darin, das Öl und Gas aus den Ursprungsländern herauszubefördern. Das “Great Game” hat gerade erst begonnen, unter der Beteiligung der USA, Russlands, des Irans und Chinas.

Seit einigen  Tagen wird Kirgistan erneut von blutigen Unruhen erschüttert. Im Umfeld der legendären, geheimnisumwitterten Stadt Osch, im Süden Kirgistans, sowie im fruchtbaren, dichtbesiedelten Fergana-Tal, kam es zu blutigen Progromen und grauenvollen Massakern an der dort starken usbekischen Minderheit. Diese tragischen Ereignisse könnten sich wie ein Flächenbrand ausweiten und die fragile ethnographische Balance der Nachbarstaaten, welche noch von Josef Stalin entworfen wurde,damals begleitet von den obligatorischen Völkermorden und Deportationen, entflammen. Lesen Sie dazu auch:    http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EB0C5BC4593D24D6D9629AACCF70FEFEF~ATpl~Ecommon~Scontent.html

2 Antworten zu “Kirgistan:Die blutigen Tulpen von Bischkek”

  1. Ob jetzt die Russen eingreifen?

  2. Jörg am 17. Juni 2010 um 09:16
  3. Es ist nicht weiter verwunderlich dass ein Fan und Freund von Peter Scholl-Latour diesen ganzen Konflikt aus der anachronistischen Brille des kalten Krieges sieht. Als ob all die Konflikte dieser Welt sich auf das imperialistische Treiben des “großen Satans” reduzieren liessen. Über den anhaltenden Genozid an Iraner in Zentralasien, wird hingegen kein Wort verloren. Vielleicht könne Sie hier was hinzulernen Herr Diplom-Politologe: http://tangsir2569.wordpress.com/2010/07/06/der-totgeschwiegene-genozid-an-iraner/

  4. Tangsir am 12. Juli 2010 um 10:13

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