Ramon Schack

Diplom-Politologe, Journalist und Publizist

24. September 2012

“Nie wieder Krieg”/Vor 30 Jahren wurde Helmut Kohl Bundeskanzler

@Ramon Schack

Am 27. September 1998 saß  ich im Wohnzimmer eines Bekannten, im indischen Goa.

Der Ventilator an der Decke spendete angenehme Kühle, angesichts der tropischen Witterung.

Draußen- vor dem offenen Fenster- wehten die Kokospalmen sanft im Wind. Die Fischer zogen gerade ihre  Boote an Land, das Arabische Meer schimmerte türkisfarben in der prallen Sonne.

Goa India von Ihnen.

Wir schlürften Tee und schauten auf die verwackelten Bilder des Fernsehgerätes- Marke Vorsinflut.  Unser Gastgeber hatte auf meinen Wunsch BBC-World eingeschaltet. Auf dem Bildschirm erschienen die strahlenden Gesichter von Joschka Fischer, Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder. Es war der Tag der Bundestagswahl, an dem die Ära Kohl beendet wurde.

1982 kam Helmut Kohl an die Macht, 1998 wurde er abgewählt. Bei seinem Amtsantritt war ich 11, 27 Jahre alt war ich bei seiner Abwahl.

Dazwischen lagen nicht nur 16 Lebensjahre, sondern auch 16 Jahre deutscher Geschichte. Die Bundesrepublik von 1982 war nicht mehr mit dem vereinigten Deutschland 1998 vergleichbar.

16 Jahre Helmut Kohl, das waren die turbulenten frühen 1980er Jahre, der überraschende historische Ausgang dieses Jahrzehnts, indem die alte Bundesrepublik in ihrem Wohlstand erstrahlte, üppig, bieder, amerikanisiert und westlich, am Vorabend des Zeitenwechsels, unmittelbar vor dem Mauerfall.

16 Jahre Helmut Kohl, das waren auch die rasanten 1990er Jahre, die Beschleunigung der historischen Abläufe, die bis heute anhält.Die Auswirkungen der Globalisierung, der sich verändernden weltpolitische Ausgangslage, waren schon spürbar, sollten sich drei Jahre später, mit den Einstürzen der Twin-Towers in New York City, wieder aus deren Trümmer erheben.

“Es steht nicht gut um Helmut Kohl. Er ist alt und krank. Der SPIEGEL beschreibt Kohls Haus in der aktuellen Titelgeschichte als verschlossene Burg und seine Frau als eifersüchtige Torhüterin. Ein Vertrauter von früher appelliert ausgerechnet im TV-Sender RTL an alte Freunde, Kohl “zu befreien”. Auch das ist nicht gerade ein gutes Zeichen.”, schreibt Jakob Augstein heute in seiner Kolumne.http://www.spiegel.de/politik/deutschland/helmut-kohl-warum-linke-den-erfolgreichsten-kanzler-nicht-verstehen-a-857531.html

Wer ist Helmut Kohl, wie ist seine Amtszeit, seine historische Rolle zu bewerten? Bei allem, was man gegen Kohl anbringen kann, er gehörte noch zu jener Generation von Politikern, welche den 2. Weltkrieg, bzw. dessen Auswirkungen, miterlebt hatten, daraus auch ihr Engagement für Europa ableiteten.”Nie wieder Krieg”, lautete sein Lebensmotto.Gemessen an der turbulenten Geschichte der Deutschen im 20. Jahrhundert, waren es glückliche Jahre.

 

Dieser Tage, vor 30 Jahren, wurde Helmut Kohl Kanzler.

Helmut Kohl-Erinnerungen, 2005 http://www.youtube.com/watch?v=lw2skhMeiHc

18. September 2012

Pro Deutschland und die Salafisten/Die Trümmer westlicher Nahost-Politik

@Ramon Schack
Nein, ich werde mich nicht direkt zur der geplanten Aufführung eines drittklassigen Filmes äußern, dessen Existenz schon zu Protesten geführt hat, die viele Menschenleben forderten, möglicherweise auch noch fordern.
Nur so viel sei dazu angemerkt:In Damaskus und Teheran, den beiden vom Westen als Teufelsstaaten Nr. 1 definierten Ländern, brannten bisher keine Botschaften, dafür aber in einigen Staaten, den der Westen bei der “Befreiung” von ehemaligen engen Geschäftspartnern half.

Wahrscheinlich ist man erst glücklich, wenn in Damaskus auch Zustände wie in Tripolis herrschen, wenn die nach religiöser Weltbeherrschung strebenden saudischen Salafisten auch dort das sagen haben, die für die Welt weit gefährlicher sind, als es die Shia(auch deren radikaler Flügel) oder eine iranische Atombombe jemals sein könnte.
Aber hier decken sich die Interessen westlicher Ölmultis mit den Saudis, so dass dieses “Sleeping with the devil”, wie es aufgeweckte Kommentatoren in den USA nennen, dieses “Schlafen mit dem Teufel”, weiter vollzogen wird. http://www.ramon-schack.de/archives/300
Mit unserem Verständnis von Meinungsfreiheit ist der zweifelhafte Film natürlich vereinbar. Dass die Partei Pro Deutschland den Film in Berlin zeigen will, ist nichts als das billige Kalkül, einer billigen poiltischen Splittergruppe, die die Salafisten zur eigenen Existenzberechtigung benötigt.
Wenn man sich schon Sorgen um unsere westlichen Werte machen möchte, dann doch nicht aufgrund dieser blutigen Schmierenkomödie, dann doch eher aufgrund unserer völlig verfehlten Außen-und Sicherheitspolitik.
11. September 2012

11. September

@Ramon Schack

 

Ich befinde mich in Hamburg.
Für einige Tage bin ich nach Deutschland zurückgekehrt.
Seit Anfang August lebe ich in London.
Zu meiner Überraschung hat mich das Auswärtige Amt in Berlin- zum Einstellungstest für den
Höheren Dienst- eingeladen.
Gerade als ich mich aus Deutschland verabschiedet habe , besteht die geringe Chance auf eine
Berufslaufbahn als Diplomat.
Dieser Test gilt als eines der anspruchsvollsten Auswahlverfahren der Republik.
Daran hat auch die Tatsache nichts geändert ,dass der amtierende Außenminister und höchste
Chef dieser Behörde -Joschka Fischer- nicht einmal die formalen Kriterien für den Einstellungstest erfüllen würde.
In den Buchhandlungen der Innenstadt besorge ich die empfohlene Lektüre zur Vorbereitung.
Anschließend treffe ich C.H, der auch in einigen Wochen nach London zieht.
Wir haben uns länger nicht gesehen, es gibt viel zu erzählen und zu bereden.
Wir überlegen uns in London zusammenzuziehen, um den horrenden Mietkosten zu entgehen.
C.H schlägt vor etwas Essen zu gehen.
Es ist früher Nachmittag, bedeckter Himmel, ein typischer Spätsommertag in Hamburg eben.
In New York ist einige Stunden zuvor ein strahlender “Indian Summer “Day angebrochen.
Doch das erfahren wir erst später.
Die Innenstadt ist mit Wahlplakaten zugehängt.
In einigen Tagen wird Roland Schill einen Erdrutschsieg erringen.
Die R&B Sängerin Aliyah ist kürzlich bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.
In Estland sind dutzende Menschen durch den Konsum gepanschten Alkohols gestorben.
Bis auf die sich überstürzenden Krisenmeldungen aus Israel/Palästina, sind die Nachrichten dieser Tage von der Abwesenheit großer Krisen und Tragödien geprägt.
Es scheint als habe sich die Geschichte eine kurze Auszeit genommen, eine Ruhephase vor dem großen Sturm.
Wir lästern über die Leute auf der Straße , die steifen und stolzen Hanseaten und sind recht gut gelaunt.
Die Welt entwickelt sich nach unserem Geschmack. Glückliche Jahre liegen hinter uns.
“Wir sind die Menschen der Zukunft” sagt C.H immer.
Seine Mutter stammt aus den Philippinen.
Am Abend zuvor haben wir uns mit M.G, unserer Freundin aus der Münchner Bussi-Gesellschaft, getroffen.
Sie hält sich gerade in der Stadt auf und möchte uns auf ihren Kurztrip nach Japan mitnehmen.
M.G wird später zu uns stoßen.
Wir betreten die MC Donalds- Filiale am Gänsemarkt.
CH stellt sich in eine der Schlangen an der Kasse.
Ich begebe mich in den unteren Teil des Restaurants und suche einen Sitzplatz
Dort unten sind einige TV-Geräte an der Wand befestigt.
Für einen kurzen Augenblick fällt mein Blick auf den Bildschirm.
Normalerweise laufen dort Video-Clips oder Werbespots.
Jetzt sehe ich die Zwillingstürme des World Trade Centers.
Aus dem einen Gebäude steigt eine dichte Rauchwolke.
Ich bleibe kurz stehen.
Merkwürdig, denke ich, seit wann zeigen die hier Spielfilme.
Läuft da gerade Armaggedon auf dem Bildschirm?
Der Raum ist leer, alle Plätze sind frei.
Nur die Toilettenfrau sitzt auf einen Stuhl, vor dem WC.
New York City denke ich. Meine Heimat des Herzens.
Ich denke an den Sommer 1993, als ich einige Zeit im Gershwin Hotel Fifth Avenue Ecke 27 Straße gearbeitet habe.
Das Limelight ,die legendäre Disco in der ehemaligen Kirche.
Ich denke an den September 1999, als ich mit K. in diesem alten Loft in Greenpoint/ Brooklyn
gewohnt habe.
Jeden Abend sind wir über die rostige Leiter auf das Dach gestiegen und haben den atemberaubenden Blick auf die Skyline von Manhattan genossen.
“The Germans are on the roof” hörten wir G.Scott immer sagen wenn jemand nach uns fragte.
Ich denke an meine Affenliebe zu dieser Stadt.
Plötzlich taucht das Gesicht von Ulrich Wickert auf dem Bildschirm auf.
Der Ton ist abgestellt.
Wickert guckt sehr ernst. Ernster als sonst.
“Katastrophe in New York”, lese ich als Schlagzeile auf dem Hintergrundbild.
Auch die Toilettenfrau schaut jetzt auf den Fernseher.
Genauso wie die Frau mit dem Tablett, die sich gerade hingesetzt hat.
Unsere Blicke treffen sich für einen Augenblick.
Ich laufe zu C.H, der immer noch in der Schlange steht.
Es sind erst einige Minuten vergangen, mir kommt es viel länger vor.
Ich rufe ihn”Komm mal schnell, das mußt Du sehen!”
Wir setzen uns gemeinsam vor den Fernseher.
Wir sitzen ziemlich lange dort.
Immer mehr Leute kommen herein.
Viele bleiben auf dem Weg zur Toilette stehen.
Der Raum füllt sich.
Wir sehen Live das zweite Flugzeug in den anderen Tower krachen.
Sehen dann nacheinander beide Türme einstürzen und die riesige Rauchwolke über der Stadt.
Das MC-Donalds-Team spendiert Kaffe und bringt Aschenbecher, obwohl Rauchverbot besteht.
Die Leute schauen ungläubig auf den Bildschirm, “Was ist passiert!” wird immer wieder
gefragt.
Zum zweiten Mal in meinem Leben erlebe ich ein epochales Ereignis denke ich, während ich abwechselnd auf den Bildschirm und auf die Reaktionen der Leute schaue.
Das erste Mal war der 9. November 1989.
Die ersten 18 Jahre davor und die die knapp 12 Jahre danach waren nur ein Zwischenspiel, ein Treppenwitz und eine Laune der Geschichte.
“Die Party ist vorbei” sagt C.H., “jetzt ist Schluss mit Lustig”.
M.G kommt herein. Sie versucht Ihre Bekannten in New York zu erreichen.
Mein Handy klingelt.
A.M ruft aus dem Studio Hamburg an.
Sie befindet sich gerade bei den Dreharbeiten für das Alpha-Team .
“Muss ich mir jetzt Sorgen machen?” fragt Sie mich.
” Ich mit meinem arabischen Namen?”
“Ja” antworte ich Ihr und verspreche mich später zu melden.
Wir verlassen das Restaurant und begleiten M.G zurück ins Hotel.
Auf den Straßen stehen Menschen und schauen auf die laufenden Fernsehgeräte in den Schaufenstern.
Überall die gleichen Bilder. Eine globale Katastrophe.
M.G reist morgen wieder ab. Wir wollen in der Hotelbar noch einen Drink nehmen.
Unsere Gespräche und Gedanken kreisen um das heutige Geschehen.
Wir spüren das sich etwas verändert hat.
Unsere Cocktails haben einen bitteren Nachgeschmack.
Etwa Neues kommt auf uns zu, etwas Unbekanntes.
Wir spüren das es uns nicht gefällt und unsere Welt bedroht.
Eine Band beginnt zu spielen.
“Yesterday all my troubles seems so far away”
Hat sich jemand diesen Song gewünscht oder ist es Zufall?
Es ist der 11. September 2001.

5. September 2012

Quebec/Schüsse in Montreal

@Ramon Schack

Quebec/Schüsse in Montreal
Am 26. Juli 1967, während seines Aufenthaltes in Kanada, sorgte der Französische Präsident Charles De Gaulle für einen Skandal.
De Gaulle war auf Einladung der Provinzregierung von Quebec in Montreal. Darüber hinaus wollte der Staatsmann die Weltausstellung in Montreal besuchen, sowohl an der 100-Jahr-Feier der Nation in Kanada teilnehmen.
Dazu kam es allerdings nicht mehr. Zuvor hatte De Gaulle vom Balkon des Rathauses von Montreal einer Menge von 100.000 Zuhörern ausgerufen”Vive le Québec libre/Es lebe das freie Québec”, was mit beigeisterten Beifall aufgenommen wurde.

Außerdem rief De Gaulle den zuhörenden kanadischen Staatsbürgern zu “Ihr seid ein Teil des französischen Volkes.”, um anschließend die eine eigene, französische Nationalhymne anzustimmen. Begeistert sangen die Kanada-Franzosen die Marseillaise mit. “Man dachte fast”, schrieb die Londoner “Times”, “jetzt starten sie zum Marsch auf Ottawa.”
Die Worte De Gaulles, während seiner Ansprache verglich er die Atmosphäre in Quebec mit der in Frankreich- nach der Befreiung Frankreichs 1945, lösten in Ottawa eine Regierungskrise aus. Kanadas Premierminister Pearson geißelte die Worte de Gaulles als inakzeptabel, worauf der General seinen Besuch abrupt abbrach und nach Frankreich zurückkehrte. Von dort ließ er verkünden -Er habe mit seinen Reden den Franko- Kanadiern „helfen wollen, sich selbst zu befreien“. In Quebec habe er erkannt, „dass nach einem Jahrhundert der Unterdrückung, das für sie nach der englischen Eroberung folgte, ihnen nunmehr auch das zweite Jahrhundert … in ihrem eigenen Land weder Freiheit, noch Gleichheit, noch Brüderlichkeit brachte“.
Frankreich habe freilich nicht die Absicht – so fügte Informationsminister Gorse im Namen de Gaulles beruhigend hinzu – „seine Souveränität auf ganz Kanada oder Teile Kanadas von heute“ auszudehnen.
Dieser Vorfall verdeutlichte die damals wie heute angespannte Beziehung zwischen der “Belle Province”, wie sich Quebéc nennt, und der kanadischen Bundesregierung.

Nach der Niederlage der Franzosen gegen die Engländer 1759, dem damit verbundenem Ende der französischen Kolonialpräsens in Nordamerika, gelang es den Briten nicht die französischsprachigen Bewohner ihrer kanadischen Besitzungen zu assimilieren.
Das Gegenteil war der Fall. Von ihrem Mutterland getrennt, entwickelte sich dort eine Art romanische Wagenburgmentalität, flankiert von der Herrschaft der Katholischen Kirche,beherrscht von einem konservativen Klerus, der mit mittelalterlicher Strenge über Moral und die Reinheit der Französischen Sprache wachte. Die Französische Revolution galt in Quebec über 100 Jahre lang als unverzeihliche Ketzerei.
Die Briten reagierten darauf, indem sie Kanada eine föderativen Status verpassten, auch um der französischsprachigen Bevölkerung Anreize zur Assimilation zu bieten.
Die Franko-Kanadier assimilierten sich aber nicht.
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hatte Quebec die höchste Geburtenrate der westlichen Welt. Erst ab 1960, als die Parti libéral du Québec an die Macht gewählt wurde, kam es in der Gesellschaft zu dramatischen Veränderungen, die man später als” révolution tranquille”, als -Stille Revolution- bezeichnen sollte. Die Säkularisierung drängte den Einfluss der Kirche massiv zurück, die Geburtenraten sanken. Den gesellschaftlichen Umbrüchen, der Liberalisierung und sozioökonomischen Modernisierung, folgte die Geburtsstunde des Separatismus.


Aufgrund der Dominanz von Anglokanadiern und US-Amerikanern in der Wirtschaft Quebecs, kam es zu Unruhen.1966 zog der nationalistische Rechtsanwalt Daniel Johnson (“Danny Boy”) mit absoluter Mehrheit ins Unterhaus von Quebec ein. Danny Boy polemisierte gegen” Jüdisches und Angelsächsisches Kapital  und gegen die Bundes-Regierung in Ottawa. Quebec solle nicht länger als Provinz, sondern als Nation bezeichnet werden, lautete eine seiner Forderungen. Alle in Quebec verkauften Waren mussten Etiketten und Gebrauchsanweisungen in französischer Sprache tragen, alle in Quebec produzierten Güter den Stempel “Made in Quebec”. Franko- Kanadas Regierungschef forderte für seine Provinz volle Steuer-Autonomie und einen neuen Status innerhalb der kanadischen Föderation.
Die Position Preußens im Deutschen Reich, wurde von Johnson als Vorbild, für die Rolle Quebecs in Kanada propagiert.
Wenig später erfolgte der Aufstieg der Parti Québécois, unter der Führung von René Lévesque. Die separatistische Partei formulierte die Unabhängigkeit Quebecs von Kanada als politisches Ziel. Von terroristischen Aktionen, die zu jener Zeit in Kanada und Quebeck für das gleiche Ziel  kämpften, distanzierte sich Lévesque ausdrücklich.1976  bildete die Partei die Provinzregierung. Französisch wurde zur einzigen Amtssprache Quebecs erklärt.
1980 kam es zum ersten Referendum über die Unabhängigkeit, die von knapp 60% der Wähler Quebecs abgelehnt wurde
15 Jahre später, als die Parti Québecois zum zweiten Mal die Macht erlangt hatte, gab es ein weiteres Referendum, welches äußerst knapp scheiterte.

49, 42& hatten sich für eine Unabhängigkeit Quebecs ausgesprochen. Separatistische Politiker wiesen darauf hin, dass die veränderte Demographie Quebecs-besonders im Großraum Montreal mit seinen zahlreichen Einwanderern aus aller Welt- das Wahlergebnis negativ beeinflusst habe.
2006 wurde Quebec vom kanadischen Unterhaus als eigene Nation anerkannt.
Am 4. September wurde in Quebec eine neue Regierung gewählt.
Bei der gestrigen Wahl kam die  Parti Québécois-nach ersten Hochrechnungen auf 32 Prozent der Stimmen.Die Liberalen, seit neun Jahren Regierungspartei, folgten mit 31 Prozent der Stimmen. Für die Konservativen stimmten demnach 27 Prozent.
Auf der Siegesfeier der Separatisten fielen Schüsse. 1 Mensch kam dabei ums Leben.”Die Engländer wachen auf!”, soll der Täter geschrien haben.
Die historische Entwicklung Quebecs, innerhalb oder außerhalb Kanadas, ist noch im vollen Gange. Die staatliche Einheit Kanadas, immerhin der zweitgrößte Flächenstaat der Welt, ist alles andere als sicher.ttp://www.youtube.com/watch?v=IaZFvfdietk

 

 

 

 

 

4. September 2012

Rezension:Edouard Limonow-eine Biographie von Emmanuel Carrère

@Ramon Schack
Erlebt der Nationalbolschewismus dieser Tage eine Renaissance?
Stehen diese “Wanderer ins Nichts”, wie Karl Radek es einst formulierte, vor einer Auferstehung ?
Handelt es sich bei diesem Phänomen um eine militante Opposition, gegen die liberale Demokratie, oder eher um die Kunst  des “Epater les Bourgeois”, wie es die Franzosen ausdrücken, also das Bestreben, dem Bürgertum eins auf die Schnauze zu hauen?
In Deutschland hatte der Nationalbolschewismus seine Blütezeit kurz vor der Machtergreifung Hitlers, als Ernst Niekisch sein Buch herausgab”Hitler, ein deutsches Verhängnis”, wofür er von den Nazis brutal verfolgt wurde.

Wer weiß denn heute noch, dass die Gestapo eine eigene Nazbol-Abteilung besaß, um dieser Opposition Herr zu werden?

Nach 1945 war das Phänomen  Nationalbolschewismus in Europa kaum noch präsent, anders als in Russland, nach dem Ende der Sowjetunion.Dort gründete Eduard Limonow die inzwischen verbotene Nationalbolschewistische Partei.

Die Biographie Limonows, des französischen Journalisten Emmanuel Carrère, ist dieser Tage auf Deutsch erschienen.
Das Werk des französischen Schriftstellers  liest sich so spannend wie das schillernd-schreckliche Leben Limonows selbst, dieses Dandys und Dissidenten, Söldners und Salon-Löwen, der zusammen mit Gary Kasparows Demokraten Putins Herrschaft herausfordert.

Carrère entführt seine Leser- auf den Spuren Limonows- von der Sowjetukraine, nach New York City, dann nach Paris, zu den Schlachtfeldern des Balkans, bis in das Russland unserer Tage. Entstanden ist dabei nicht nur ein spannendes Lesevergnügen, sondern auch eine Herausforderung(inklusive Einsturzgefahr) für das Weltbild des jeweiligen Lesers.

LIMONOW

// «Matthes & Seitz Berlin»,
2012, 496 Seiten
ISBN: 978-3-88221-995-1