Ramon Schack

Diplom-Politologe, Journalist und Publizist

23. August 2012

Schmerzhafte Erinnerungen an Netanjahu/Risiko Militärschlag

@Ramon Schack

Mit Benjamin Netanjahu verbinden mich persönlich schmerzhafte Erinnerungen.

 

Im Frühjahr 1999, als  Bibi Netanjahu von den Wählern aus dem Amt gefegt wurde, erlebte ich in Israel  den damaligen Wahlkampf aus nächster Nähe.  An der Universität von Tel Aviv schrieb ich meine Diplomarbeit über die russische und äthiopische Einwanderung nach Israel, in den 1990er Jahren. Eine mehrmonatige Reise durch den Nahen Osten, die mich in den Libanon, nach Syrien, Jordanien, Westbank, Gaza, Saudi-Arabien und anschließend nach Ägypten führte, war diesem akademischen Aufenthalt vorangegangen.  

Jeden Morgen verließ ich das Haus meiner charmanten Gastgeberin Avivit, der Tochter des Kneipen-Königs von Hamburg, und fuhr mit dem Bus nach Tel Aviv. Von der Central Bus Station ging ich meistens zu Fuß zur Universität , von einigen gelegentlichen Abstechern nach Banana Beach einmal abgesehen.

When I was younger so much younger then today. Tel Aviv Israel Spring 1999 von Ihnen.

Foto:Banana Beach Tel Aviv

 

When I was younger so much younger then today. Tel Aviv Israel Spring 1999 von Ihnen.

Foto:Tel Aviv

 

Die Begegnung mit Tel Aviv, dieser unerhörten, hedonistischen und lebenshungrigen Metropole, war damals, in diesem friedlichen, letzten Jahr des vergangenen Jahrhunderts, ein betörendes, nahezu erotisches Erlebnis.

When I was younger so much younger then today. Tel Aviv Israel .Spring 1999 von Ihnen.

Foto:Ramon Schack in Tel Aviv 1999-auf dem Weg zur Uni?

 

Eines Tages geriet ich in eine Wahlkampfveranstaltung von Benjamin Netanjahu, am Carmel Market.

Diese Gegend, überwiegend von Sefaradim bewohnt, oder Misrachim  wie man heute sagt, also orientalischen Juden die einst aus islamischen Ländern eingewandert sind, galt damals wie heute als Hochburg der nationalkonservativen Likud-Partei von Netanjahu. Der Likud  galt einst als Partei der „polnischen Krawattenträger”, als politisches Gegenwicht zur streng sozialistischen Kibbuz-Ausrichtung der Arbeiterpartei.

In den ersten Jahren nach der Staatsgründung war der Likud in Israel zu einer ewigen Opposition verdammt Erst 1977, unter Menachim Begin, basierend auf der veränderten Demographie in Israel, gelang der Likud zur Macht. Ausgerechnet die Sefaradim, die äußerlich kaum von Arabern zu unterscheiden sind und damals die Bevölkerungsmehrheit erlangten, basierend auf höheren Geburtenraten, wählten Likud aus Protest gegen die Dominanz der politischen linken Elite, die überwiegend Ashkenazim, als europäischen Ursprungs war und ist.  

Diese Tendenz ist bis heute erkennbar, obwohl es seitdem erneute gravierende Veränderungen gab. Die Masseneinwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion beispielsweise, jeder fünfte Israeli gehört in diese Gruppe, als auch die stärkere ethnische Durchmischung, wofür die Armee als Schmelztiegel des jüdischen Staates einige Verantwortung trägt.

When I was younger so much younger then today Tel Aviv Israel Spring 1999 von Ihnen.

Foto:Tel Aviv

Aber zurück zu der erwähnten Wahlkampfveranstaltung mit Netanjahu. Am Carmel Market herrschte große Aufregung.Zahlreiche Anhänger Bibis hatten sich eingefunden, ebenso zahlreiche Gegendemonstranten. Ein Sicherheitsbeamter sprach mich an, fragte woher ich komme, was ich hier wolle und kontrollierte meine Tasche. Wie es der Zufall so will, entdeckte der Beamte meine Nagelschere, die ich einige Tage zuvor verzweifelt gesucht hatte. Triumphierend, wie ein potentielles Mordwerkzeug, hielt er die Nagelschere in die Höhe, ich habe die Szene noch genau vor Augen.

Das Mißverständnis wurde schnell aus dem Weg geräumt und ich begab mich in die Menge der Schaulustigen. Umrundet von schreienden Anhängern und Gegnern des damaligen Premiermisters, wartete ich auf Netanjahu, der einen Rundgang   über den Markt angekündigt hatte.

Nach einiger Zeit tauchte er schließlich auf, das Blitzlichtgewitter setzte ein, die Buh-und Jubelrufe wurden lauter.

Noch bevor ich Netanjahu zu Gesicht bekam, verspürte ich einen stechenden Schmerz im linken Fuß. Irgendein gewichtiges Individuum hatte sich auf meinen Fuß gestellt und fühlte sich dort wohl, ja die Person schien sich auf meinen Fuß zu drehen bis es quietschte.

Schließlich erkannte ich, wer meinen Fuß als Plattform mißbrauchte, es war Netanjahu selbst. Milde lächelte der Ministerpräsident von meinem Fuß aus in die Kameras. Für einen kurzen Moment spielte ich mich dem Gedanken Bibi wegzustoßen, um meinen Schmerzen ein Ende zu bereiten. Ich entschied mich dann allerdings doch dafür, nicht den Märtyrer zu spielen.

Nach einigen Minuten zog Netanjahu, dieses politische Schwergewicht, weiter. Verärgert humpelte ich durch Tel Aviv.

Als ich am Abend bei meiner Gastgeberin Avivit  eintraf, empfing diese mich lachend mit folgenden Worten”  Ich habe Dich heute im Fernsehen gesehen, direkt hinter Netanjahu, es lief in den Nachrichten. Du hast ein Gesicht gezogen, wirklich drollig, als würde Dir die Anwesenheit Netanjahus persönlich Schmerzen bereiten”

Benjamin Netanjahu gilt als Befürworter eines  Militärschlages gegen Iran, obwohl er selbst nicht mehr die These vertritt, Iran würde Israel angreifen.Nicht nur in der Bevölkerung, in der politischen Führung, in der Armee, sowie im Geheimdienst, schlägt ihm diesbezüglich Widerstand entgegen.Auch Staatspräsident Peres hält das für zu riskant.http://www.faz.net/aktuell/politik/arabische-welt/israel-risiko-militaerschlag-11864714.html

 

10. August 2012

Syrien-Fakten und Fiktionen

@Ramon Schack

Die politische Situation in Syrien wird immer unübersichtlicher.
Schon vor Wochen schrieben oberflächliche Kommentatoren vom “Endkampf um Damaskus”, um wenig später den “Endkampf um Aleppo” zu beschwören, flankiert von Spekulationen über Fluchtpläne des Präsidenten.

Allerdings scheint das Regime doch noch fester im Sattel zu sitzen, als sich manche Kreise wünschen.
Inzwischen wird immer deutlicher, was schon zu Beginn ersichtlich war, dass es sich hierbei nur sehr bedingt um einen Bürgerkrieg in Syrien handelt, sondern auch um einen Stellvertreter-Krieg, basierend auf der angestrebten Neuordnung der Region .
Vor einem Jahr sprach ich schon mit Robert Baer über diese Taktik:
Den Cousin des amtierenden Präsidenten Syriens -Ribal al Assad-traf ich kurz zuvor in seinem Zwangsexil in London.
Er riet seinem Verwandten zu einem Dialog mit dem Volk, plädierte für demokratische Reformen, verneinte die unrühmliche Rolle seines Vaters, bei dem Massaker von Hama 1982.

Das politische Berlin produziert lediglich Worthülsen und Lippenbekentnisse, fordert “Demokratie”, um gleichzeitig-ganz undemokratisch- moderne Waffen in eines der undemokratischten Länder der Welt zu senden-nach Saudi-Arabien.

Hinter den bundesdeutschen Kulissen gibt es nur einen Mann, der die Lage in Syrien richtig einschätzen kann.
Seinen richtigen Namen kenne ich nicht, nur zwei seiner Pseudonyme. Wenn mich nicht alles täuscht, dann traf ich diesen Mann bei einer Podiumsdiskussion, wobei er dort auch unter einer anderen Identität auftrat.
Es handelt sich um einen Mann von imenser Bildung, einen Intellektuellen und Experten, mit einem Auftreten , flankiert von verfeinerten Umgangsformen , wie man sie heute in Deutschland nur noch selten trifft, auch nicht auf höchstem sozialen Niveau.
Der Mann nennt sich Gerhard Conrad, so heißt er offiziell….http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Conrad_%28Agent%29

9. August 2012

Österreich/Kärnten-”Das System Haider implodiert.”

@Ramon Schack

Es gibt Stimmen in Europa, die behaupten-dem Rechtspopulismus-so lautet ja der politologische Sammelbegriff-gehöre die Zukunft.Mit dem Gemisch aus EU-und Islamkritik, mit der Instrumentalisierung von Zukunftsfurcht, Abstiegsängsten(Besonders des KLeinbürgertums), Fremdenfeindlichkeit und Wut auf die da Oben, lassen sich tragfähige Konzepte entwickeln, wird geäußert.Das reine, ja das”gesundee” Volksempfinden komme dadurch zum Ausdruck, heißt es.

Werfen wir einen Blick auf Österreich, ins dortige Bundesland Kärnten.
Dort ereignet sich aktuelle ein politisches Erdbeben, welches bis nach Wien zu spüren ist.
Kärnten, seit den Zeiten von Jörg Haider eine Hochburg der Freiheitlichen, also der rechtspopulistischen FPÖ, gleicht einem Scherbenhaufen-wie die NZZ heute schreibt..http://www.nzz.ch/aktuell/international/das-system-haider-implodiert-1.17453494

Ich sprach mit Dr. Peter Kaiser, dem stellvertretenden SPÖ-Vorsitzenden in Kärnten , über die Folgen dieses Skandals.. http://www.vorwaerts.de/Politik/Ausland/74818/kaernten.html