Ramon Schack

Diplom-Politologe, Journalist und Publizist

17. Februar 2011

Aufruhr in der Arabischen Welt.Gaddafis Götterdämmerung

                              @Ramon Schack

                       Gaddafis Götterdämmerung

Der libysche Diktator Muammar al Gaddafi, seit geraumer Zeit Darling des Westens, sieht sich mit schweren Unruhen in seinem Land konfrontiert. 

Gaddafi ist im Westen schon immer weit überschätzt worden. Er war nie ein großer arabischer Volksheld, als der er gern gegolten hätte.

Ein paar einfältige Sensationsreporter konnte er mit seinen theatralischen Beduinenauftritten beeindrucken. Der inzwischen verstorbene Jörg Haider, der in seiner österreichischen Heimat ja nur zu gerne xenophobe Tendenzen instrumentalisierte, wenn es ihm nützte, war ja auch ein enger Freund der Gaddafis. 

In den übrigen Staaten der arabisch-islamischen Welt wurde dieser unberechenbare Paranoiker als „Mahbul“, als Verrückter,bezeichnet. 

Gaddafi mag für seine Untertanen ein weniger blutrünstiger veranlagter Despot sein, als Sadam Hussein es war. Aber harmlos ist dieser Autokrat nicht. Im Gegensatz zu Sadam Hussein, der die eigene Bevölkerung drangsalierte und zahllose Morde im Inland befahl, sich aber niemals als internationaler Terrorist betätigt hat.

Gaddafi hingegen hat Verschwörer, Attentäter, Aufständische und Bombenleger weltweit unterstützt-von Nordirland bis zu den südlichen Philippinen. 

In diesen Tagen entblödet sich eindrucksvoll die völlig verfehlte Nahost-Politik des Westens im Allgemeinen, bzw. der USA im Speziellen.

Niemand kann heute wissen, ob der revolutionäre Aufruhr in der Arabischen Welt, nicht nur zum Einsturz morscher Regime führt, sondern auch die globale Machtverschiebung , deren Zeugen wir schon seit geraumer Zeit sind, erheblich beschleunigen wird-übrigens nicht zum Vorteil des Westens.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-02/libyen-gaddafi-protest

9. Februar 2011

Unruhen in Ägypten/Interview mit Tarik Ramadan

                                                          

                                                                               
                                                      @Ramon Schack
Ägyptens amtierender Staatspräsident Hosni Mubarak herrscht seit 30 Jahren über sein Land.
Unter seiner Dauerherrschaft ist diese Kulturnation- die fast so alt ist wie die Menscheit selbst- in kultureller, politischer und ökonomischer Stagnation versunken.
Ägyptens Rolle, als heimlicher Führer der arabischen Welt, als dessen demographisches Machtzentrum, wurde inzwischen von Saudi-Arabien abgelöst, mehr noch von den Golf-Emiraten; deren babylonischen Luxustürme – unter Führung von Dubai-inzwischen mit der einst atemberaubenden Skyline von Manhattan wetteifern.
Der Westen verzichtete ganz bewußt darauf, Ägypten zu freien Wahlen zu mahnen, oder irgendeinen Stimmzettelfetischismus zu propagieren, wie bei anderen Staaten der Region. So kommt es auch, dass sich niemand daran erregte, wenn Mubarak regelmäßig mit 90% wiedergewählt wurde.
In diesen Tagen wird sich Mubarak wieder daran erinnert haben, unter welchen blutigen Umständen er am 6.Oktober 1981 an die Macht kam. Als damaliger Vizepräsident hatte er auf einer Militärparade neben dem charismatischen Präsidenten Anwar as Sadat Platz genommen. Sadat, von dem Helmut Schmidt einst sagte, er habe ihn geliebt, galt in der arabischen Welt, noch mehr aber in islamistischen Kreisen, als Verräter.
Sadat hatte 2 Jahre zuvor einen Friedensvertrag mit Israel ausgehandelt und dem gerade gestürzten Shah von Persien Asyl gewährt.
An diesem Tag, auf dieser Parade, sollte er dafür mit dem Leben bezahlen.
Die Attentäter brachten vor laufenden Fernsehkameras einen gepanzerten Militärlastwagen vor der Tribüne zum stehen, stürmten auf diese zu und griffen sie mit Handgranaten und Feuer aus den Maschinengewehren an. Zwar verfehlten die Granaten die Tribüne, aber die Kugeln töteten Anwar al-Sadat, dessen Leibwächter überwiegend davon stoben, und weitere Menschen auf der Tribüne. Der Anführer der Attentäter rief hörbar in der Aufzeichnung des amerikanischen Fernsehens: Ich habe den Pharao getötet!
Mubarak, der den Anschlag nur knapp überlebte, stolperte über tote und sterbende Menschen und wurde kurz danach zum Präsidenten ernannt.
Das Volk hat er immer gefürchtet, der explosiven Sprengkraft, Ägyptens sozialer Probleme, war er sich immer bewußt.
Diese ansatzweise zu lösen, dafür fehlte ihm der Mut.
Seine Herrschaft begann mit Blut und Tränen, wahrscheinlich so wie sie jetzt auch enden wird.
Angesichts der anhaltenden Unruhen in Ägypten, sprach ich neulich mit dem bekannten und umstrittenen schweizer Islamwissenschaftler Tarik Ramadan: