Ramon Schack

Diplom-Politologe, Journalist und Publizist

29. Oktober 2010

Frankreich:David gegen Goliath/Colombani gegen Sarkozy

Dies ist die Geschichte einer Gesellschaft die fällt. Während sie fällt sagt sie, um sich zu beruhigen, immer wieder: Bis hierher lief’s noch ganz gut. Bis hierher lief’s noch ganz gut. Bis hierher… lief’s noch ganz gut. Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung.“

                                        Aus dem Film “La Haine/Der Hass”

                                       http://www.youtube.com/watch?v=sVIc–jrCQk

                                                             @Ramon Schack

Vor einiger Zeit las ich das Buch von Yasmina Reza“L´aube le soir ou la nuit“/Das Morgengrauen, der Abend oder die Nacht.“Dieser Bestseller gilt ja in Frankreich als Grundlagenlektüre, zum Verständnis der Person und der Politik von Sarkozy. Eine französische Bekannte hatte es mir empfohlen.Viel schlauer bin ich dadurch allerdings nicht geworden, was wahrscheinlich nicht nur an meinen, etwas eingerosteten, Französischkentnissen liegt.

Von Nicolas Sarkozy, dem kleingewachsenen Präsidenten Frankreichs,geht eine ungeheure Bündelung an Energie aus.

http://www.eu2008.fr/webdav/site/PFUE/shared/import/President_de_la_Republique/0601_Institutions_President_de_la_Republique_Hi.jpg

Eine Energie- die ihm ja auch erst den sensationellen Aufstieg- bis ans höchste Staatsamt- ermöglichte.Der Geburt in Frankreich und dem „jus soli“ verdankt  Sarkozy seine französische Staatsangehörigkeit.Sein Vater ist ein ungarischer Adliger, aber wer ist in Ungarn nicht alles adlig?

Seine Mutter stammt aus der uralten sephardischen Gemeinde von Saloniki .

Das die französische Rechte, die erkonservative Bourgeoisie, die ja in Frankreich noch immer über mehr Einfluß verfügt als  man glaubt, diesen Zuwanderer vom Balkan – der beginnt für viele Franzosen ja schon irgendwo hinter dem Rhein-nicht nur akzeptierte sondern auch aktiv unterstütze, stellt  die eigentliche Sensation da. Das Sarkozy auch noch eine jüdische Mutter hat, ergänzt dieses „politische Wunder“. 

Zur Zeit der Dritten Republik, soviel ist sicher,unter dem Einfluß von Charles Maurras und seiner reaktionären“Action francaise“wäre Sarkozy öffentlich als „Zigeunerbaron“ geschmäht wurden.Heutzutage empfindet sogar der nationalistische Polterer Le Pen, der ja von Sarkozy auf den Schrotthaufen der Geschichte getreten wurde, eine heimliche Sympathie für Sarko.

In den vergangenen Monaten versuchte Sarkozy mit einer Anti-Roma Kampagne von einer unangenehmen Spendenaffäre abzulenken.

Gelungen ist es ihm nicht. Angesichts der sich zuspitzenden sozialen und ökonomischen Probleme in Frankreich, erwacht bei den Bürgern wieder das Erbe der Revolution von 1789. Ein Hauch von Revolte schwebt über dem Hexagon. Inzwischen hat Sarkozy  es mit einem neuen,  gefährlichen innenpolitischen Gegner zu tun bekommen, mit einem 16 jährigen Schüler namens Victor Colombani: http://www.zeit.de/2010/44/Frankreich-Rente-Protest-Gewerkschaft

 

 

13. Oktober 2010

Achmedineshad in Beirut

                                                             @Ramon Schack

                                          Achmedineshad in Beirut

“Guter Zaun“ nannte man einst die Grenze zwischen Israel und dem Libanon.

FOTO:RAMON SCHACK AN DER ISRAELISCH-LIBANESISCHEN GRENZE-Frühjahr 1999.

Als ich vor rund 11 Jahren dieses Bollwerk aufsuchte, illustrierte dieses  einst hoffnungsvoll propagierte Symbol friedlich jüdischer arabischer Koexistenz , schon das Scheitern eines politisch strategischen Entwurfes.

Damals stand noch die israelische Armee, auf einer Breite von 20 Kilometern, jenseits der Grenze. Wenige Wochen später gewann Ehud Barak die Wahlen gegen Benjamin Nethanjahu, auch wegen des Verspreches die Truppen aus dem  Südlibanon abzuziehen.

Schon damals verübte die Hisbollah täglich Anschläge gegen die Truppen Zahals. Das seien keine Amateure mehr, erklärte mir ein Major, wie früher die Fatah-Partisanen Arafats. Diese Kämpfer der Partei Alis seien aus einem ganz anderen Kaliber, fügte er hinzu.

Ich verschwieg meinem israelischen Gesprächspartner damals nicht, dass ich mir diese Grenze, nur einige Wochen zuvor, von Syrien aus  angeschaut hatte.

Das Städtchen Matulla direkt an der Grenze gelegen, war schon damals in den Zustand misstrauischer Spannung zurückgefallen.  Die Einwohner, überwiegend Juden marrokanischer Herkunft, ahnten nichts Gutes für die Zukunft.

Im Jahr 2006, 6 Jahre nachdem israelischen Rückzug aus der Sicherheitszone im Südlibanon, kam es dann ja auch zum bewaffneten Schlagabtausch zwischen den Truppen Zahals und der Hissbollah, die nicht zu Gunsten Israels ausging. 

Vom Südlibanon, an den Gestaden des östlichen Mittelmeeres, in unmittelbarer Nachbarschaft des EU-Mitgliedsstaates Zypern, über den Irak, den Iran, bis zu den schiitischen Enklaven Afghanistans, ist ein schiitischer Gürtel entstanden.

Dieser Aufstieg der Schia, historisch übrigens völlig berechtigt, wurde durch das militärische Eingreifen der USA in den vergangenen Jahren- sowohl in Afghanistan als auch im Irak- beschleunigt. Mit der Beseitigung des säkular-nationalsozialistischen Regimes des Sadam Hussein in Bagdad, sowie der Terrorherrschaft der sunnitischen Steinzeitislamisten der Taliban in Afghanistan, wurden die größten Feinde  der Islamischen Republik Iran aus dem Weg geschafft, während die geistigen Verursacher von 9/11, das wahhabitische Königshaus von Saudi-Arabien, wie ein Schoßhündchen gemästet wurde und wird.

In diesem Zusammenhang sei noch einmal daran erinnert, dass der Iran sich 8 Jahre gegen das überlegene, vom Westen ausgestattete, Waffenarsenal des Irak behauptete, sowie 1998 fast einen Krieg gegen die Taliban führte, als man sich in Washington DC noch nicht daran störte, dass Frauen in Afghanistan zum Tragen der Burka gezwungen werden.

Aber zurück in das israelisch-libanesische Grenzgebiet. Der iranische Staatspräsident Achmedineshad, dem man alles mögliche nachsagen kann, ein Irrer ist er aber nicht, dafür geht er viel zu rational vor, ist zu einem Besuch im Libanon eingetroffen.Morgen wird er auch das Grenzgebiet im Süden besuchen.Von dem Aufstieg der Schiiten im Libanon, erhofft sich der iranische Präsident natürlich auch eine Art Legitimation seiner eigenen Herrschaft, der ein nicht unerheblicher Anteil der iranischen Bevölkerung nichts mehr abgewinnen kann und will.

 http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EA2A08F83F2A14F27AE425C4B22438BCE~ATpl~Ecommon~Scontent.html