Ramon Schack

Diplom-Politologe, Journalist und Publizist

23. September 2010

Mein Interview mit Achmed Rashid in der Neuen Zürcher Zeitung

                                                    @Ramon Schack

 Nur wenige Menschen kennen die Taliban so gut wie der pakistanische Journalist Ahmed Rashid. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit diesem Phänomen in seinem Nachbarland Afghanistan.Rashids Bücher gelten als Standartwerke an den Eliteuniversitäten der Welt, er selbst berät Staatsoberhäupter verschiedener Nationen, während in Deutschland ein drittklassiger Ex-Politiker die Bestsellerlisten stürmt. Achmed Rashid, ein langjähriger Freund des amtierenden Präsidenten Afghanistans Hamid Karzai, erlebt inzwischen die “Talibanisierung” seiner Heimatstadt Lahore, bzw. den Niedergang der Atommacht Pakistan. Mit Achmed Rashid habe ich kürzlich ein Interview geführt, es ist heute in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen: http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/droht_die_rueckkehr_der_taliban_1.7653975.html

21. September 2010

Persischer Golf- Araber rüsten ihre Streitkräfte gegen den Iran auf.

                                   „Vers l’Orient complique je partais avec des idees simples/

                           In den komplizierten Orient reiste ich mit einfachen Vorstellungen

                                                               Charles de Gaulle

 

                                                                  @Ramon Schack

Das Königreich Saudi-Arabien fühlt sich von dem Aufstieg des schiitischen, nichtarabischen Irans, zur dominierenden Macht am Persischen Golf, bedroht. Gleichzeitig ist man in diesem fundamentalitischem Wüstenstaat erleichtert, da Washington das Regime in Teheran als Schurkenstaat Nr. 1 ansieht, zumindest noch.

Die Agenten des saudischen Nachrichtendienstes hatten in Erfahrung gebracht, dass ihre amerikanischen Kollegen die Urheberschaft von 9/11 eindeutig in ihrem Königreich  geortet hatten und in den dortigen Palästen und Koranschulen nach Verantwortlichen suchten, bevor man sich daran machte, im Hochland Afghanistans einen ominösen Gespensterkrieg gegen die mystery-Organisation Al-Kaida zu führen.

Für das wahhabitische Königreich begann damit eine Periode nervöser Unsicherheit. Spätestens seit dem 11. September 2001, vermutlich aber schon seit dem blutigen Attentat von El Kobar 1996, als 19 US-Soldaten ums Leben kamen, bestätigte sich bei der CIA der Verdacht, dass die saudische Dynastie in diverse Verschwörungen verwickelt ist. Der karge Wüstenstaat war unter der Herrschaft des beeindruckenden Beduinenfürsten Abdulaziz, der Vater des  kränkelnden König Fahd, dank der Erdölfunde zu unermäßlichem Reichtum  und damit zu weltpolitischer Bedeutung gelangt. Trotzdem sind die Saudis wohl immer Menschen der Wüste geblieben, oder- wie es der britische Nobelpreisträger V.S Naipul einmal unsanft auszudrücken pflegte”Nomaden die an Sand glauben, nichts als an Sand!”

Nach den den Anschlägen von Manhattan erinnerte man sich in den USA wieder daran, dass der trügerische Verbündete von Riad, dessen Rekrutierungsagenten-darunter ein gewisser Osama Bin Laden-im Afghanistan-Krieg mit Unterstützung der CIA tätig waren, gleichzeitig  als Anstifter und Finanziers zahlreicher antiamerikanischer Umtriebe agierten.Die Pläne für einen Umsturz in Riad waren schon weit gediehen, man plante die Besetzung der Erdölfelder, in den amerikanische Medien war schon ein Trommelfeuer der Kritik losgetreten wurden, bis die ganze Aktion urplötzlich abgesagt wurde, um die Interessen der amerikanischen Erdölplutokratie , zu denen auch der damalige US-Präsident Bush und dessen Umfeld gehörte, nicht zu gefährden.

Der amerikanische Nahost-Experte Robert Baer titulierte diese Komplizenschaft als”Sleeping with the Devil”, in einer seiner lesenswerten Bücher.Die französische Übersetzung dieses Buchtitels klingt sogar noch besser”Or noir et Maison Blanche/Schwarzes Gold und Weißes Haus”. In einem von mir geführtem Interview, für das Handelsblatt,plädierte Baer übrigens für eine Annäherung zwischen Washington und Teheran

:http://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-ist-eine-insel-der-stabilitaet;2125354

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle eine persönliche Erinnerung einfließen lassen.Im Frühjar 1999 hielt ich mich, im Rahmen einer ausgedehnten Nahostreise, die mich durch den Libanon, Syrien, Jordanien und Ägypten führen sollte und an derem Ende ich in Israel meine Diplomarbeit schrieb, auch in Saudi-Arabien auf.Eines Tages besuchte ich die Ruinen von Dyara, dem historischen Ursprungsort des Wahhabismus und der saudischen Dynastie.Während des Besuchs des Geländes kletterte ich auf die höchste Plattform dieses Areals aus Lehmwällen, Zinnen und Terassen.In der Ferne zeichnete sich die Skyline der Hauptstadt Riad ab, ringsum dehnte sich die Wüste aus, violette Schatten breiteten sich aus, die Dattelpalmen färbten sich schwarz.Ein Windstoß wirbelte den Sand hoch und verstärkte den Eindruck von Ödnis und Verlorenheit.Eine junge syrische Akademikerin, die zur Reisegruppe gehörte, war mir gefolgt. Die attraktive Levantinerin hatte den saudischen Reiseleiter zuvor mit frechen Fragen gelöchert und sich nur widerwillig ein Kopftuch übergezogen, wie es die saudischen Gesetze vorschreiben.Sie gab sich gleich als militante Anhängerin der säkular-nationalistischen BAATH-Partei von Damaskus zu erkennen.”Das ist also der Ursprung der Saudis!”, sagte sie plötzlich mit aufgewühlter Stimme,”Aus dem Staub sind sie gekommen, in den Staub werden sie auch wieder zurückkehren!”

www.handelsblatt.com/politik/international/persischer-golf-araber-ruesten-ihre-streitkraefte-gegen-iran;2658925

14. September 2010

Saudi-Arabien und die USA:”Sleeping with the Devil-mit dem Teufel schlafen!”

                                                                         @Ramon Schack

Sleeping with the devil“ lautet der Titel des sehr empfehlenswerten Bestsellers , des EX-CIA-Agenten Robert Baer.In diesem Buch hat Baer die skandalöse Komplizenschaft zwischen der Saudischen Dynastie und der amerikanischen Erdöl-Plutokratie aufgedeckt.

Solange das Erdöl und die Petrodollar sprudelten, drückte man in Washington beide Augen zu, wenn wieder einmal ruchbar wurde, daß irgendwelche saudischen Geldgeber den religiösen Fanatismus weltweit schürten.Ob in der islamischen Welt oder in der Diaspora.

Da hat es gewisse Kreise in Washington auch nie gestört, das  im wahabitischen Königreich- bis heute- die antisemitische  Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von ZION“, den unzähligen Pilgern(Hadschis) alljährlich als Bettlektüre ,in den bescheidenen Pensionen der unteren Preisklasse ,dargeboten wird. Niemand störte sich daran, das über Jahrzehnte besonders fundamentalistische Strömungen des Wahabitismus in der Uma verbreitet wurde.Das in Saudi- Arabien Frauen als Menschen dritter Klasse gelten, wenn überhaupt, das die Swiss-Air nicht in Riad landen durfte, wegen dem Kreuz als Symbol dieser Fluggesellschaft, wurde verschwiegen.Auch die drakonische Gesetzgebung, auf der Basis der Sharia, die permanenten Menschenrechtsverletzungen, die Ausbeutung der unzähligen Gastarbeiter, die wie Sklaven schuften um das saudische Gebilde am Leben zu halten, fand man nicht erwähnenswert, ganz im Gegensatz zu anderen Staaten der Region.Noch in den siebziger Jahren wurden bundesdeutsche Geschäftsleute von saudischen Würdenträgern als „Partner against the common enemy- the zionism“ begrüßt.

Aber zurück in die jüngere Vergangenheit.Spätestens am 11. September 2001 wurde auch den letzten Naivlingen im Pentagon bewußt ,was man sich da für ein Frankenstein-Freund  angelacht hatte.Schon bei  den Anschlägen von Khoba, im Juni 1996, die 19 US-Soldaten das Leben kostete, hatte sich der Verdacht bestätigt, daß die saudische Dynastie in diverse Verschwörungen gegen die USA verwickelt ist.Prinz Nayef, der amtierende Innenminister Saudi-Arabiens gilt insgeheim als Symphatisant der Kaida .Nayef der militant gegen jede „liberale“ Strömungen vorgeht,wobei Liberal  eigentlich ein unpassender Begriff für ein Land ist, indem es bestenfalls gemäßigte Konservative gibt.

Inzwischen habe die Amerikaner in Saudi-Arabien jede Übersicht verloren. Kam es unmittelbar nach dem Anschlag von Manhattan zu einer ernsthaften Abkühlung zwischen den beiden Staaten, kriecht man inzwischen den Saudis  wieder in  den Hintern- bis es stinkt.

George Bush entblödete sich  ja nicht- diese fundamentalistische Erbmonarchie -als „Moderaten arabischen Staat “ zu titulieren  und plante sogar Saudi Arabien massiv gegen den Iran aufzurüsten.

Die Amerikaner stützen sich dabei auf die starke anti-schiitische Grundhaltung der Saudis, übersehen dabei aber das die anti-amerikanische Grundhaltung ebenso vertreten ist.Die Attentäter von 9/11 hatten nicht nur überwiegend die saudische Staatsbürgerschaft, sondern alle einen wahabitischen Background.

Während der gescheiterte US-Präsident Bush zunächst verbal zum Kampf gegen den Iran blies, das Teheran-Syndrom hat sich inzwischen zu einem Wahn entwickelt,wird der eigentliche Troublemaker, Saudi-Arabien, wie ein Kuscheltier gehätschelt. 

Diese Tendenz hat sich unter Obama noch verstärkt. 

Michael Scott Doran, Nahost-Experte der Princeton University schreibt dazu:

„Die Situation ist kritisch, weil die USA über geringe Mittel verfügen, der anitischiitischen und antiamerikanischen Strömung entgegenzuwirken. Der Wahhabismus ist die Grundlage eines gesamten poltischen Systems.Jeder , der vom Status qou profitiert, wird sich um dieses System scharen, falls es von außen angetastet wird. Den Vereinigten Staaten bleibt keine andere Wahl, als die fälligen demokratischen Reformen im Irak und in Saudi-Arabien energisch voranzutreiben.Doch jeder Versuch, eine liberale politische Ordnung zu schaffen, wird zusätzlichen Disput auslösen.Die antiamerikanische Stimmung würde angeheizt. Bei seinem Bemühen, die Demokratie im Mittleren Osten zu fördern, wird Washington wieder einmal feststellen müssen, daß seine engsten arabischen Verbündeten gleichzeitig seine erbittersten Feinde sind. “

Die USA befinde sich vor einem der größten Waffendeals ihrer Geschichte.Saudi-Arabien will Waffen im Wert von 60 Milliarden Dollar erwerben.http://www.nzz.ch/nachrichten/international/usa_vor_groessten_ruestungsdeal_aller_zeiten_1.7541090.html

9. September 2010

Er starb 2 Tage vor 9/11:Achmad Shah Massoud-der wahre Vater Afghanistans

 

                                              @Ramon Schack

Heute jährt sich Todestag von  Achmad Shah Massoud zum neunten Mal.
Dieser wahre Vater Afghanistans, der charismatische Führer der Nordallianz, wurde am 9.September 2001, 2 Tage vor 9/11, von den Agenten Osama Bin Ladens ermordet.
Es war die Generalprobe für die Anschläge von New York City.
Da im Westen die Erinnerung an Massoud verblasst, flankiert von großer Unkenntnis über die Situation in Afghanistan, 
habe ich heute- auf dem Kult-Magazin Fassette- an ihn erinnert.

Great Game:Joschka Fischer legt sich mit Putin an

                                                     

Beim intensiven Studium, dieses undurchdringlichen, recht banalen Gesichts, das in einer Menge von Passanten nicht auffiele, bemerke ich die Kinnpartie, die wie im Trotz nach vorne geschoben ist. Ich weiß nicht, wie George W. Bush zu dem Schluß kam, es handele sich beim rusischen Staatschef-so ähnlich wurde es ausgedrückt-um eine „ehrliche Haut“. Nach den langen Ausführungen, zu denen er sich beim ausgedehnten Abendessen und anschließend in intimer Runde auf der Aussichtsterasse am Schwarzen Meer bereit findet, kann ich in ihm auch keinen „lupenreinen Demokraten“ entdecken, wie ihm Gerhard Schröder lobhudelte.“

Peter Scholl-Latour nach einer Begegnung mit Wladimir Putin

                                                            @Ramon Schack

Im Herbst 1996 war ich der Einladung einer georgischen Kommilitonin  gefolgt. Von Istanbul ging es, per Bus, entlang der türkischen Schwarzmeerküste, über Trabzon, direkt zur georgischen Grenze, bzw. in die Provinz Adscharien.

Mein erster Eindruck, von dem ehemaligen Obstgarten und Badeparadies der Sowjetunion, war alles andere als positiv.Ein Faktum welches einerseits mit den miserablen Wetterbedingungen zu tun hatte, es regnete in Strömen, viel mehr aber dem Verhalten und Auftreten der georgisch-adscharischen Grenztruppen anzurechnen war. 

Stundenlang wurden wir aufgehalten.Besonders die georgischen Reisenden, überwiegend Damen, wurden penetrant gefilzt,drangsaliert und mit nervtötenden Fragen belästigt. Die georgischen Grenzschützer wirkten agressiv, grobschlächtig und irgendwie verschlagen. Die entsicherten Kalaschnikows wurden den Einreisenden, ob nun Einheimischer oder Ausländer, drohend präsentiert. 

Einer dieser Grenzschützer benutzte meinen Personalausweis, den er mir zusammen mit meinem Reisepass abgenommen hatte, als Zahnstocher.

Schließlich wurde unser Bus durchgewunken und passierte die Küstentraße, in Richtung Batumi.  

Mit gemischten Gefühlen, so entnehme ich meinen damaligen Reisenotizen, schaute ich auf die nebelverhangene Küste. Die platten Wellen schlugen in dunkelgrauer Farbe an den Sandtrand und rechtfertigten den Namen Schwarzes Meer. Die Dörfer befanden sich in einem kläglichen Zustand der Verwahrlosung und postsowjetischer Depression. Junge Frauen und Männer sammelten sich in mißmutigen Gruppen vor den geschlossenen Jugendclubs.

Erst bei der Einfahrt nach Batumi, der legendären “Weißen Stadt” am Schwarzen Meer, riss die Dichte Wolckendecke auf. Plötzlich, beim Blick auf die palmengesäumten Boulevards,die architektonischen Schönheiten, die sieben Jahrzehnte sowjetischen Verfall überlebt hatten, bekam ich einen angenehmeren Eindruck-dieser ehemaligen Sowjetrepulik-geboten. Im Hafengebiet waren die Fischer, viele von ihnen griechischer Abstammung, damit beschäftigt ihren Fang zu verladen.

In Poti verließ ich den Bus und wurde von der Familie meiner gastgeberin erwartet.

In dieser Hafenstadt  befand ich mich auf historischem Boden.

In der griechischen Argonautensage war die Stadt das Ziel Jasons und der Argonauten auf der Suche nach dem Goldenen Vlies .

Jason Pelias Louvre K127.jpg

Poti ist von außerordentlicher strategischer Bedeutung. Die Stadt ist neben Batumi, einer der großen georgischen Schwarzmeer-Häfen. Ferner ist Poti der Sitz der georgischen Küstenwache, welche mit Hilfe der USA, in den letzten Jahren, im Wert von 17,5 Milliarden Dollar modernisiert wurde.

Außerdem, hier wird die Story hochaktuell, gilt Poti als zukünftiger Zielort, für eine Pipeline von den Erdölgebieten am Kaspischen Meer.

Schauen wir auf die Karte, dann erfassen wir worum es hier geht.

Diese Pipeline, benannt nach ihrem Ausgangspunkt, der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku, bzw. dem Zielhafen an der türkischen  Mittelmeerküste Ceyhan,stellt für Russland eine ungeheure Provokation da, wird man somit doch, vor allem in direkter geographischer Nachbarschaft, von dem Milliardengeschäft, isoliert.  In diesem  Zusammenhang sollte man nicht unerwähnt lassen, weshalb die Amerikaner in Aserbaidschan nicht so genau hinschauen, wie dort es um Demokratie und Menschenrechte bestellt ist. Frei nach dem Motto, dort wo das Öl sprudelt, dort wo Geschäft winken, verzichtet man auf den ideologischen Kreuzzug. Zumindest solange die dortigen Potentaten sich als gefügige, korrupte Werkzeuge mißbrauchen lassen. Man kennt dieses Phänomen ja aus Saudi-Arabien, dem islamisch-fudamentalistischen Gottesstaat Nr.1.

Lesebefehl:Joschka Fischer legt sich mit Putin an:http://www.handelsblatt.com/politik/international/energieversorgung-joschka-fischer-fordert-putin-im-gaspoker-heraus;2651817