Ramon Schack

Diplom-Politologe, Journalist und Publizist

23. August 2010

Supermacht Iran?/” Achmadinedschad will mit Amerika befreundet sein

                                     @Ramon Schack

Im Januar 2009  interviewte ich Robert Baer in New York City.

Wir hatten uns in einem kleinen  kolumbianischen Restaurant in Spanish Harlem verabredet.

Die Bücher dieses ehemaligen CIA-Agenten sorgen in den USA regelmäßig für großes Aufsehen.
Baers Werke See No Evil und Sleeping with the Devil lieferten die Vorlage für den 2005  fertiggestellten Film Syriana.
Die Person des Film-Charakters Bob Barnes -gespielt von George Clooney- wurde Robert Baer nachempfunden.
Damals stellte ich Baer fünf Fragen zu seinem neuen Buch“The Devil we know“, bitte den Link anklicken. http://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-ist-eine-insel-der-stabilitaet;2125354
Nachdem ich mein Diktiergerät ausgeschaltet hatte, warnte Baer davor die Macht des CIA zu überschätzen.“Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, daß seit dem Triumph der Allierten über Deutschland und Japan kein einziger Krieg mehr nachhaltig gewonnen wurde?Sehen wir einmal von den konventionellen Großeinsätzen in Korea,Vietnam ab-nirgendwo, nicht einmal bei den belanglosen Scharmützeln von Somalia, beim gescheiterten Blue Strike-Unternehmen im Iran, beim Einsatz der Contras in Nicaragua-von dem Debakel Kennedys in der Schweinebucht ganz abgesehen„ 
    
An diesem Nachmittag, im schumrigen Licht der Gaststätte, kamen wir überein, habe sich im Südlibanon, im Irak, in Afghanistan längst bestätigt, daß die konventionelle Kriegsführung der NATO-Stäbe, aber auch Russlands und Israels, mit der Abnutzungsstrategie, die den Kern des asymmetrischen  Krieges bildet, nicht zurechtkommt. Die ungeheurliche Duchschlagskraft neuer Monsterbomben, inklusive der „bunker buster“, hat sich sowohl im Hindukusch, als auch im levantinischen Küstengebiet als untauglich erwiesen, die EL-Quaida-Truppe Bin Ladens oder die Hizbollah des Scheich Nasrallahs in irgendeiner Weise zu zermalmen.
Zum Abschluss unseres Gespräches , während ich auf ein Taxi wartete, zitierte Robert Baer den Nordvietnamesen Trong Ching ,bezüglich einer erfolgreichen Guerilla-Taktik:“ Das  Leitprinzip der Strategie unseres Widerstands muß es sein, den Krieg in die Länge zu ziehen.Den Krieg zu verlängern ist der Schlüssel zum Sieg.“-Diese Taktik wird auch vom Widerstand in Afghanistan angewandt. Das ist die Tragödie des Westens„, dozierte er.
 
Als ich mein Taxi bestieg, nachdem ich mich von meinem Gesprächspartner verabschiedet hatte, schaute ich Robert Baer noch einmal nachdenklich hinterher. Er hatte seinen Mantelkragen hochgeklappt und verschwand mit schnellen Schritten aus meinem Blickfeld, im hispano-karibischen Strassengewirr.
Ich muste mich heute wieder an die Kernaussage Baers erinnern, die USA, der Westen, ja die Welt, brauchen einen stabilen Staat in der Region, mit einer schlagkräftigen Armee.Dafür kommt nur der Iran in Frage, Achmdinedshad hin oder her.
Gerade jetzt, wo der enge Verbündete des Westens,der Atomstaat Pakisten, in Fluten, politischen Unruhen und Fanatismus versinkt.
Trotz Sanktionen und angeblicher politischer Isolation, baut der Iran seine politische Vormachtstellung aus .
3. August 2010

Volksrepublik China:Das Imperium ohne Freunde?

                             

“Wenn wir fähig sind anzugreifen, müssen wir unfähig erscheinen; wenn wir unsere Streitkräfte einsetzen , müssen wir inaktiv erscheinen ; wenn wir nahe sind , müssen wir den Feind glauben machen , daß wir weit entfernt sind. Lege Köder aus, um den Feind zu verführen! Täusche Unordnung vor und zerschmettere ihn! Wenn der Feind in allen Punkten sicher ist, dann sei auf ihn vorbereitet.

Wenn er an Kräften überlegen ist, dann weiche ihm aus.

Wenn Dein Gegner ein cholerisches Temperament hat, dann versuche ihn zu reizen.Gib vor, schwach zu sein, damit er überheblich wird. Wenn er sich sammeln will, dann gib ihm keine Ruhe. Wenn seine Streitkräfte vereint sind , dann zersplittere sie.Greife ihn an, wo er unvorbereitet ist; tauche auf, wo Du nicht erwartet wirst.!”

Aus den Anweisungen zur Kriegskunst des chinesischen Militärstrategen Sunzi

                                                         @Ramon Schack

Am Beispiel Chinas offenbart sich mit betrüblicher Deutlichkeit, in welchem Ausmaß den Europäern und Amerikanern das geschichtliche Bewußtsein abhanden gekommen ist. Die Fehldiagnose des amerikanischen Politologen Fukuyama vom “End of History” war auf allzu fruchtbaren Boden gefallen.

So begegnet die westliche Welt dem phänomenalen Aufstieg Chinas in den Rang der zweiten Weltmacht mit einem Gemisch aus Arroganz und Missgunst.

Die explosive Dynamik Chinas erzeugt wachsende Furcht, ja die Ahnung des eigenen Rückfalls in unerträgliche Mittelmäßigkeit. 

Die an Sinophobie grenzende Abneigung, die immer wieder in der westlichen Berichterstattung  über China zu erkennen ist, hängt wohl auch damit zusammen.

Dieser heute erschienene-merkwürdig ahistorische- Artikel, des Historikers Michael Stürmer, demonstriert diese betrübliche Tendenz anschaulich:

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article8775850/China-ist-dAm

China ist also das Imperium ohne Freunde?Soso.Da sei doch bitte die Frage erlaubt, welches Imperium in der Geschichte denn bitte Freunde hatte ?

Man könnte es auch anders betrachten, und den  phämonale Aufstieg dieses Riesenreiches-in den letzten 30 Jahren-  als eine beispielslose Erfolgsgeschichte interpretieren. 

Wäre es dem Westen denn lieber, in Peking würde immer noch ein totalitärer, unberechenbarer Herrscher regieren, dessen ideologischen Verirrungen   Millionen Menschen das Leben kosten würden? 

Viele der westlichen Wortführer, die heute mit der äußerst selektiven Menschenrechtskeule pseudodemokratische Reformen im Reich der Mitte einfordern, während im Westen die demokratischen Grundrechte sukzessive eingeschränkt werden, während auch viele Verbündete des Westens weit weniger demokratisch agieren als China, waren ja während der  Herrschaft von Mao recht schweigsam, bisweilen sogar heimliche Bewunderer dieses Herrschers. 

“Wenn der chinsische Drache erwacht, dann wird die Welt erzittern!”, prophezeite Napoleon vor über 200 Jahren. Bisher hat sich dieser Drache erst im Schlaf gedreht.

http://www.youtube.com/watch?v=1S2uXAUksb0