Ramon Schack

Diplom-Politologe, Journalist und Publizist

24. Juni 2010

Krieg in Afghanistan:Obama feuert General McChristal

                                   When you’re wounded and left on Afghanistan’s plains,
                                   And the women come out to cut up what remains,
                                   Jest roll to your rifle and blow out your brains
                                           An’ go to your Gawd like a soldier.
                                                    Go, go, go like a soldier,
                                                    Go, go, go like a soldier,
                                                    Go, go, go like a soldier,
                                                    So-oldier ~of~ the Queen!

                                                     Rudyard Kipling

                                          THE YOUNG BRITISH SOLDIER

                                                        @Ramon Schack

Vor einigen Tagen suchte ich Peter Scholl-Latour  zu einem Interview auf.

Der bekannte Publizist und letzte Chronist unserer Zeit empfing mich an der Eingangstür seiner mondänen Penthouse-Wohnung in Berlin-Wilmersdorf. Schon während des Begrüßungsgeplauders, als wir die Treppe zur zweiten Etage hinaufgingen, kamen wir auf die aktuelle Lage in Afghanistan zu sprechen

Wann wird man in Washington begreifen, dass Afghanistan-landlocked und in sich selbst verkapselt-allenfalls ein Nebenkriegsschauplatz ist?Wann wird man dort zu der Erkenntnis gelangen, daß die Tragödie von Nine Eleven kein afghanisches, sondern ein saudisches Unternehmen war, auch wenn Osama bin Laden sich zu diesem Zeitpunkt in irgendeiner Felshöhle des Hindukusch aufhielt?”  gab Peter Scholl-Latour zu bedenken, während er uns einen Drink zubereitete. In einem früheren Interview mit mir, unmittelbar nach dem Amtsantritt Obamas , hatte er sich wie folgt über die Thematik geäußert:    http://www.freitag.de/politik/0911-afghanistan-obama-taliban-verhandlungen

 Droht die ISAF-Mission in Afghanistan zu scheitern? Ja, wenn man den Worten des  ehemaligen obersten NATO-Kommandeurs in Afghanistan, dem amerikanischen General Stanley McChrystal, Glauben schenken möchte.

McChrystal forderte im September 2009 eine deutliche Aufstockung der Truppen. Sollte in den nächsten zwölf Monaten keine Trendumkehr erreicht werden, riskiere man „ein Ergebnis, bei dem ein Sieg über den Aufstand nicht länger möglich ist“, hieß es in einer damals von der „Washington Post“ in weiten Teilen veröffentlichten Lageeinschätzung McChrystals für Verteidigungsminister Robert Gates. „Unzureichende Kräfte werden vermutlich zu einem Scheitern führen“, schrieb der General .

http://www.handelsblatt.com/politik/international/afghanistan-mission-droht-zu-scheitern;2459015

McChrystal  kritisierte damit direkt  die Äußerungen von US-Präsident Obama, der erst dann weitere Truppen schicken möchte, wenn die richtige Strategie zur Bekämpfung der Taliban feststeht. Barack Obama hat bisher seiner Strategie, die er zu Beginn des Jahres formulierte, keine Taten folgen lassen.Damals signalisierte Obama Gesprächsbereitschaft, mit sogenannten gemäßigten Taliban. Gemessen an diesen Worten, hat Obama bisher versagt

  

Gegen Ende meines  Gespräches mit Peter Scholl-Latour, fragte ich ihn, ob er Parallelen zwischen dem Krieg in Afghanistan  und Vietnam erkenne, wohl wissend, dass ihm beide Kriegsschauplätze  bestens vertraut waren  und sind. Scholl-Latour antwortete mit einem ernsten Blick.”Auch am Mekong -in Vietnam-hatte die Strategie des General Westmoreland zwischen den beiden unvereinbaren Alternativen der counter-insurgency geschwankt, zwischen ”search and destroy” und “Clear and hold”. Auch in Vietnam hatten sich die US-Strategen-ähnlich wie heute die durchaus fähigen Generale Petraeus und McChristal-immer wieder der Illusion hingegeben, es sei möglich und unverzichtbar”to win hearts and minds”- die Herzen und Gemüter der einheimischen Bevölkerung zu gewinnen.Das war in Vietnam gründlich mißlungen, und es wird auch in Afghanistan mißlingen.”

General McChristal wurde gestern von Obama entlassen:http://www.nzz.ch/nachrichten/international/praesident_obama_demonstriert_seine_autoritaet_1.6231102.html

23. Juni 2010

Merkel und Obama-Streit vor G-20 Gipfel

                                      @Ramon Schack

Am 5.Juni 2009, unmittelbar vor seinem Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald, überraschte US-Präsident Obama, so berichten informierte Kreise, Angela Merkel mit einer Frage die nicht im Gesprächsprotokoll vorgesehen war.

Eine heitere Gesprächssituation sei dadurch nicht entstanden.”Warum Sind Sie gegen einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union?” soll Obama abrupt gefragt haben.

Sicherlich hätte die Kanzlerin gegenüber dem Amtsvorgänger von Obama weniger Schwierigkeiten gehabt, ihre Ablehnung und die der meisten EU-Europäer, in dieser Frage, zu begründen. 

Doch gegenüber dem in Hawaii geborenen, in Indonesien aufgewachsenen Sohn eines afrikanischen Vaters aus Kenia und einer euroamerikanischen Mutter aus Kansas,  fiel es Angela Merkel sicherlich schwer,die kulturelle oder gar ethnische Einzigartigkeit des Abendlandes zu betonen.Auch die Erwähnung , der spektakulären Rückwendung der post-kemalistischen Türkei zum Islam,  wäre in diesem Zusammenhang unangebracht gewesen. 

Diese Szene vor knapp einem Jahr war Ausdruck der veränderten außenpolitischen Gewichtung der USA, die nicht nur durch die Person des amtierenden Präsidenten verkörpert wird.Obama wird zwangsläufig sein Blickfeld auf den asiatisch-pazifischen Raum seiner Herkunft ausrichten. Die massive hispanische Zuwanderung in den Vereinigten Staaten, die inzwischen den letzten Winkel der Supermacht tangiert, wird die Bindung zu Lateinamerika dramatisch verstärken.

Auf dem G-20 Gipfel in Toronto kam es jetzt zu einem Zwist zwischen Europa und Amerika, zwischen Angela Merkel und Barak Obama

http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E1AB47D0823A94837A691E1DF723E3D5E~ATpl~Ecommon~Scontent.html

16. Juni 2010

Kirgistan:Die blutigen Tulpen von Bischkek

                                                               @Ramon Schack

Im Jahr 2005 begeisterte sich die westliche Öffentlichkeit an der sogenannten “Tulpenrevolution” in Kirgistan, früher auch als Kirgisien bekannt, durch die  angeblich eine Diktatur von einer demokratischen Bewegung gestürzt wurde. 

In dieser verarmten zentralasiatischen Republik, an diesem geostrategischen Knotenpunkt der Welt, in dem sich die geopolitischen Interessen Chinas, Russlands, der USA, der Türkei, Saudi-Arabiens und des Irans, im weitesten Sinne auch die der EU, überschneiden und überlappen, sollte nun ein “Leuchtturm der Demokratie” errichtet werden, mit verführischer Ausstrahlungskraft auf die Nachbarstaaten. Da diese Utopie schon in Afghanistan gescheitert war, im Irak ebenso, wurden nun die zentralasiatischen Staaten im Umfeld der legendären Seidenstrasse , von den Neokonservativen Strategen in Washington DC , als Experimentierfeld und Aufmarschgebiet- dieser grotesken ideologischen  Zwangsvorstellung- auserkoren. 

Zu jener Zeit wurden die diversen Nachfolgestaaten der UdSSR, besonders diejenigen mit pro-russischer Ausrichtung, von einem wahren Tsunami  angeblicher Revolutionen und Volkserhebungen erschüttert.

Diesen vom Westen unterstützen Machtwechseln und Staatsstreichen, war allerdings  keine lange Lebenszeit beschienen.

Sowohl die “Orangene Revolution” in der Ukraine, als auch die “Rosenrevolution” in Georgien, gelten inzwischen als gescheitert. In der Ukraine ist die neue Regierung dabei, die angestrebte NATO-Mitgliedschaft zu annullieren.

Georgien hat sich unter dem hitzköpfigen Präsidenten Saakaschwili, mit dem Krieg um Ossetien, selbst ins Abseits manövriert. Von einer EU oder NATO-Mitgliedschaft dieser uralten kaukasischen Nation, spricht in Brüssel oder Washington niemand mehr.  

Bei genauem Hinsehen haben sich diese vom Westen unterstützten “Demokraten” nicht besser aufgeführt, als ihre Vorgänger, teilweise sogar schlimmer.

Das Ziel, die NATO bis in die unendlichen Weiten Zentralasiens auszudehnen,  an die Grenzen der Volksrepublik China, ist kläglich gescheitert.

In Kirgistan war im April dieses  Jahres  ein weiteres Scheitern,dieses tollkühnen geostrategischen Projektes, zu beobachten.Präsident Bakijew, der infolge der erwähnten Tulpenrevolution 2005 an die Macht geschwemmt wurde, flüchtete damals aus der Hauptstadt Bischkek . Ein Großteil der Bevölkerung, wahrscheinlich flankiert von der Unterstützung des russischen Geheimdienstes, hatte den angeblich so demokratischen Präsidenten gestürzt. 

Wähend dieser turbulenten Tage interviewte ich die junge kirgisische Politikwissenschaftlerin  Dariha Erketaeva.http://www.fassette.com/im-interview-die-politikwissenschaftlerin-dariha-erketaeva/

In Wirklichkeit geht es hierbei auch um die gewaltigen Öl-und Gasressourcen Zentralasiens, die von der Quantität her nur von denen der Golfregion übertroffen werden.Das einzige Problem besteht darin, das Öl und Gas aus den Ursprungsländern herauszubefördern. Das “Great Game” hat gerade erst begonnen, unter der Beteiligung der USA, Russlands, des Irans und Chinas.

Seit einigen  Tagen wird Kirgistan erneut von blutigen Unruhen erschüttert. Im Umfeld der legendären, geheimnisumwitterten Stadt Osch, im Süden Kirgistans, sowie im fruchtbaren, dichtbesiedelten Fergana-Tal, kam es zu blutigen Progromen und grauenvollen Massakern an der dort starken usbekischen Minderheit. Diese tragischen Ereignisse könnten sich wie ein Flächenbrand ausweiten und die fragile ethnographische Balance der Nachbarstaaten, welche noch von Josef Stalin entworfen wurde,damals begleitet von den obligatorischen Völkermorden und Deportationen, entflammen. Lesen Sie dazu auch:    http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EB0C5BC4593D24D6D9629AACCF70FEFEF~ATpl~Ecommon~Scontent.html

4. Juni 2010

Mein Interview mit Henning Mankell”Ich bin so alt, wie der israelisch/palästinensische Konflikt!”

 

                                              @Ramon Schack

“Für Interviews besteht leider keine Möglichkeit” ,gaben gestern  die Organisatoren der Pressekonferenz mit Henning Mankell, in der Volksbühne, den zahlreich erschienenen –nationalen und internationalen- Medienvertretern bekannt. 

Es versteht sich von selbst, dass ich mich dieser Vorgabe in keinster Weise verpflichtet fühlte. 

Während der Pressekonferenz war Alan Posener von der Welt mein Sitznachbar.

 Herr Posener stellte Henning Mankell eine sehr kritische Frage, auf die der schwedische Bestsellerautor emotional, aber keineswegs impulsiv, reagierte. Alan Posener verließ die Konferenz vor ihrem Ende. Beim Herausgehen verteilte er einige Visitenkarten an die Kollegen. Lesen Sie dazu auch: http://www.welt.de/politik/ausland/article7900193/Der-Rechtfertigungsauftritt-von-Henning-Mankell.html

Zum Abschluss der PK begrüßte ich Henning Mankell persönlich. Wir sind uns in den letzten 5 Jahren zweimal begegnet. Einmal in Stockholm, später traf ich ihn zufällig am Flughafen Charles De Gaulle in Paris.

“Follow me!”, rief er mir zu, als ich meinen Interviewwunsch geäúßert hatte.Im dichten Gedränge, flankiert vom obligatorischen Blitzlichtgewitter, bewegten wir uns Richtung Ausgang. Zahlreiche Journalisten folgten Mankell, wie ein Schwarm hungriger Wölfe. Es kam zu unschönen Szenen, Rangeleien, Füsse wurden zwischen sich schließende Türen geklemmt, irgendjemand schrie irgendwo kurz auf.

 Schließlich fand ich mich, zusammen mit einer Kollegin von Spiegel TV, inklusive deren Kamerateam, eine brasilianische Reporterin war auch noch anwesend, sowie eine undefinierbare ältliche Dame,die alle Medienvertreter beschuldigte Herrn Mankell viel zu kritische Fragen zu stellen, im berühmten Roten Salon -dieses historischen Hauses- wieder.   

Dort, unter priviligierten Umständen, führte ich das folgende Interview mit Henning Mankell:http://www.handelsblatt.com/politik/international/henning-mankell-im-interview-ich-bin-so-alt-wie-der-israelisch-palaestinensische-konflikt;2594766

2. Juni 2010

Ursula von der Leyen als Bundespräsidentin?/Verkommt die Bundesrepublik zu einer Erbmonarchie?

Laß mich von den Superreichen sprechen.Sie sind ganz anders als du und ich.Sie besitzen und genießen früh, und das hat seine Wirkung. Es läßt sie sanft sein, wo wir hart sind, und zynisch, wo wir vertrauen.Es ist schwierig, das zu verstehen, wenn man selbst nicht reich geboren ist.Tief im Herzen denken sie, daß sie besser sind als wir, die  wir den Ausgleich und die Auswege im Leben selbst zu entdecken hatten.Selbst wenn sie weit in unsere Welt eindringen, oder tief unter uns sinken, denken sie immer noch, daß sie besser sind als wir.Sie sind anders.”

F.Scott Fitzgerald

                                             @Ramon Schack

Ursula von der Leyen wurde mit einem goldenen Löffel im Munde geboren. Als Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, des CDU-Politikers Albrecht, gehört sie quasi zum politischen Establishement der Republik.

Aufgrund ihres Auftretens, ihrer Persönlichkeit, ihrer Sozialisation, ist die amtierende Bundesministerin für Arbeit, eine Frau aus der Vergangenheit, aus den goldenen Tagen der alten Bundesrepublik West. Das Milieu der Eliteschule, des Reitstalls, des Tennisplatzes und des mondänen Eigenheimes haftet an ihr , der blonden Streberin aus dem gehobenen Bürgertum der westdeutschen Provinz, fernab von den Härten und den Prüfungen des Lebens.

Frau von der Leyen mußte sich auch nie hocharbeiten, ihr wurde schon alles in die Wiege gelegt. Das Leben in der heutigen Bundesrepublik kennt sie nur aus Statistiken,beziehungsweise aus der Perspektive eines Fünft-Sterne Hotels, flankiert von Kinder-und Dienstmädchen, inklusive Chauffeuer. 

Schon in ihrem jetzigen Amt ist diese Frau eine Fehlbesetzung, als Bundespräsidentin wäre sie eine Katastrophe und würde die Entfremdung von Volk und Staat vorantreiben. Da gibt es geeignetere Kandidaten, selbst in der von Freigeistern gesäuberten Merkel-Union.

Gleichwohl ist Frau von der Leyen eine geniale Kandidatin, für das Amt des Bundespräsidenten, zumindest aus der Perspektive der Kanzlerin.

Mit Frau von der Leyen würde sie eine Politikerin ins Abseits schieben, die ihr irgendwann gefährlich werden könnte, beziehungsweise selbst Ambitionen auf das Kanzleramt entwicken dürfte, falls sie diese nicht schon entwickelt hat.

Sollte Frau von der Leyen wirklich ins Schloss Bellevue einziehen, besteht die ernsthafte Gefahr, dass die Bundesrepublik zu einer Erbmonarchie verkommt, von einer indifferenten Bevölkerung getragen, regiert von einer selbsternannten Polit-und Kultur-Schickeria, die sich allabendlich in den Talkshows selbst beweihräuchert und analysiert, wie es jetzt ja auch schon immer mehr der Fall ist. Es ist schon an der Zeit, diese verkrusteten Strukturen  aufzubrechen.Wir brauchen dringend mehr Quereinsteiger und Nonkonformisten in der Politik-Bürger auf die Barrikaden!

Lesebefehl: http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~EF6CFEFFA56C0477E8904F5EE08F4D977~ATpl~Ecommon~Scontent.html

1. Juni 2010

Gaza,Israel und die Türkei/Schüsse auf “Hoher See”

 

           @Ramon Schack

Nur langsam legt sich der künstliche Nebel aus Gerüchten und Desinformationen, welcher  nach den tragischen Ereignissen, der israelischen Militäraktion gegen die “Solidaritätsflotte”, um den Schauplatz gestreut wurde.

Um mir ein Bild über die Lage zu verschaffen, verlasse ich mich weder auf verwackelte TV-Bilder, noch auf hiesige Print-Organe, sondern greife wie immer zur besten Tageszeitung der Welt, der International Herald Tribune, flankiert von meinem eigenen Wissenstand.

Die israelische-türkischen Beziehungen, welche sich schon einigen Jahren auf Talfahrt befanden, haben einen irreparablen Schaden erlitten, zumindest mittelfristig.

Die spektakuläre Hinwendung der postkemalistischen Türkei zum Islam, eingebettet in eine außenpolitische Initiave Ankaras, welche die südlichen und südöstlichen islamischen und arabischen Nachbarstaaten dieses kraftstrotzenden Staates hofiert, den lange vernachlässigten Hinterhof, findet auf Kosten der einst priviligierten Beziehungen zwischen Jerusalen und Ankara statt.

Wer weiß denn heute noch, dass David Ben Gurion, basierend auf seiner Doktrin der peripheren Staaten, im Hinterland von Israels arabischen Nachbarstaaten, die damals noch in kemalistischen Dogmen erstarrte Türkei, sowie den Kaiserlichen Iran von Shah Reza Pahlevi, nicht ohne Erfolg als potentielle Verbündete ansah?

Diese beiden nichtarabischen Regionalmächte, kooperierten aufs engste mit dem jüdischen Staat, der Iran bis zur Islamischen Revolution 1979, die Türkei bis vor kurzem.    

Wenden wir uns einmal dem Gaza-Streifen zu, diesem absurden, gräßlich übervölkerten Gebietsfetzen, der bis 1967 zu Ägypten gehörte, welches nachdem 6-Tage-Krieg von 1967 keinerlei Anstalten unternahm, diese politsche Laus im Pelz zurückzufordern, sondern lieber Israel dieses Trojanische Pferd aufbürdete.   

Ein  Sturz der Hamas, die ja durch freie Wahlen an die Macht gekommen ist, dem angeblichen Heilmittel für Frieden und Demokratie in der Region, mag das Ziel der israelischen Blokade des Gaza-Sreifens sein-realistisch ist diese Option nicht.

Die Hamas, eine Organisation die die kompromißlose Vernichtung Israels verfolgt, hat schon lange die Sympathien der arabischen Massen in den Nachbarstaaten gewonnen, die ja in totaler Opposition zu ihren eigenen autokratischen , feudalen und inkompetenten Regierungen stehen. Schon vor Jahren sagte der später von Israel ermordete Hamas-Sprecher Rantisi: „Je schlechter die Lage für die Bevölkerung, umso besser für uns”

Hat schon einmal jemand die darüber nachgedacht, wie schnell die westlichen Werte wie Perlen vor die Säue geschmissen werden, bzw. welche psychologischen Folgen diese fatale Entwicklung mit sich trägt?

Man fordert freie Wahlen ein, um die Ergebnisse dieses “demokratischen Prozesses” später militärisch zu revidieren.
Bei den engen Verbündeten des Westens, den angeblich “moderaten” arabischen Staaten wie Ägypten und Saudi-Arabien beispielsweise, verzichtet man dann aber lieber doch auf diese Urnengänge, aus guten Gründen, und überschüttet diese autokratischen und feudalen Regime lieber mit Waffen, obwohl diese schon in 15-20Jahren, vom Druck der eigenen demographisch explodierenden Bevölkerungen, hinweggefegt sein werden. 
Die blutigen, völkerrechtlich höchst umstrittenen Ereignisse, haben in Israel einen weiteren diplomatischen Scherbenhaufen hinterlassen. Langsam kommen Zweifel auf, an der Unfehlbarkeit der israelischen Streikräfte. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit hat spätestens seit dem Sommer 2006   gelitten, als es den Israelis nicht gelang, trotz gewaltiger konventioneller Überlegenheit, die Hisbollah zu vernichten. Diese schiitisch-libanesische Partei und politische Bewegung ist heute stärker denn je.
Mit der “Operation gegossenes Blei”, Ende 2008, versuchte man die Schmach wieder auszubessern, mit völlig unverhältnismässigen Mitteln.
Diese Nervösität innerhalb von Zahal, der israelischen Armee, mag vielleicht auch einen Erklärungsansatz bieten, für die blutigen Ereignisse auf  “Hoher See”.  
Gerne greife ich in diesem Zusammnehang auf meine persönlichen Erinnerungen zurück. 

Als ich im Frühjahr 1999  durch die Straßen von Gaza bummelte, fühlte ich mich, trotz meines damaligen Alters von 27 Jahren, wie ein Greis. Das Durchschnittsalter der Passanten auf den Straßen schien bei 14  zu liegen. Damals wie heute lebt in diesem absurden, überbevölkertem Gebietsstreifen eines der jüngsten, und am schnellsten anwachsenden  Bevölkerungen der Welt.  

Schon damals hegte ich,  angesichts dieser demographischen Realitäten, die abgeschwächt auch auf die Bevölkerung der Westbank und der arabischen Bevölkerung Israels zutreffen, die größte Skepzis, gegenüber den naiven Theorien von einer angeblich friedlichen Nachbarschaft zwischen zwei Staaten Israel und Palästina. 

Nach vorsichtigen Prognosen wird sich die Bevölkerung in Gaza alle 25 Jahre verdoppeln, werden immer größere Kontigente von jungen Männern ohne berufliche Perspektive, versehen mit einem kollektiven Samenkoller, zu einem unwürdigen Dasein -auf niedrigstem sozialen Niveau- verdammt sein, als fruchtbarer Boden für weitere revolutionäre Unruhen.

Die Einwohner Gazas empfingen den ausländischen Besucher mit äußerster Gastfreundschaft. Trotz der trübseligen sozialen Lebensumstände, am Rande des Existenzminimums, war den Einwohnern Gazas eine Spur von levantinischer Lebensfreude und Aufgeschlossenheit nicht ausgetrieben wurden.

Überhaupt habe ich auf meiner damaligen ausgedehnten Reise durch den Nahen Osten, Israel und die  arabische Halbinsel folgende Erfahrung gemacht. Ich bin überall Menschen begegnet.Menschen mit ihren Stärken und Schwächen, Wünschen, Sehnsüchten , Ängsten und legitimen Interessen, auf allen Seiten. Eine vielleicht schlichte Erkenntnis, die heutzutage  allerdings viel zu kurz kommt .

Meine Gesprächspartner in Gaza hegten gegenüber den Israelis keinen Hass. Im Gegenteil. Damals hatten die meisten Menschen noch Kontakt zu Israelis, als Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor des „Jüdischen Staates“ . Inzwischen ist in Gaza ja eine Generation herangewachsen, die Israelis ja nur noch als schwerbewaffnete Soldaten kennengelernt hat, deren überlegenes Waffenarsenal Tod und Verderben in die Straßen trägt. 

Inzwischen ist der Gaza-Streifen ja ökonomisch völlig stranguliert. Die erwähnten Jobs in Israel werden heute von importierten Gastarbeitern aus Rumänien und der Türkei, den Phillipinen und Thailand erledigt. Eine Tendenz die damals schon im Gange war.    

Schon damals hatten die Eiferer der Hamas regen Zulauf. Nicht aufgrund der in der Charta dieser Bewegung erklärten Richtlinie, den Staat Israel zerstören zu wollen, sondern aufgrund der allgegenwärtigen sozialen Hilfestellungen,  die diese sunnitischen Fundamentalisten der darbenden Bevölkerung gewährten.   

Für Arafat und seine Tunis-Clique, die 6 Jahre zuvor nach Gaza zurückgekehrt war, hatten die meisten Einwohner  nur noch Verachtung übrig. Das Ausmaß an Korruption spiegelte sich in den ordinären Prachtbauten wieder, die sich die PLO-Kamarilla an den Stränden errichtet hatte, nachdem die Hütten der armen Fischer abgerissen wurden waren. 

Meine Freunde in Tel Aviv hatten mich für verrückt erklärt, gleichzeitig auch Bewunderung aufgrund meines angeblichen Mutes ausgedrückt, als ich ihnen von meinen Reiseplänen nach Gaza ezählte.

Ich hatte mich dem palästinensischen Gärtner meiner israelischen Gasteberin angefreundet, der ihr feudale Anwesen in Moshaw Mishmar Haschiwa betreute. Der junge Mann kam aus Gaza und ich nahm seine Einladung nur zu gerne an. 

Als ein Checkpoint Charlie im Heiligen Land empfand ich die Passierstelle zwischen Gaza und Israel, die damals wie heute den Namen Erez trägt. Noch mehr erinnerte mich diese Demarkationslinie allerdings an die früheren Grenzübergänge von West-Berlin in die DDR, die ich noch aus meiner Kindheit und Jugend im Zeitalter des Kalten Krieges kennengelernt hatte. Unter den flatternden Fahnen des David-Sternes, erstreckte sich ein ausgeklügeltes System von Betonklötzen und Kontrollposten. Aus Sicherheitsgründen war an eine weitere Benutzung meines israelischen Mietwagens nicht zu denken. Ich bewegte mich als einziger Grenzgänger auf diesem offenen Terrain.Ein mulmiges gefühl kam dabei auf, ich empfand mich als potentielle Zielscheibe irgendeines anonymen Mauerschützen und trotz der hellen Mittagssonne-in eine Romanszene John Le Carrés versetzt. Wer Erez so passierte, fühlte sich ein wenig wie der Spion , der aus der Kälte kam.

Bei den uniformierten israelischen Beamten, viele von ihnen Neueinwanderer aus Russland und Äthiopien, ging es zwanglos und burschikos zu.

Mein arabischer Gastgeber erwartete mich in einer weiteren Baracke. Mit den jüdischen Kontrolleuren ging er jovial und selbstbewußt um, die Soldaten erwiederten sogar seine Freundlichkeiten. Immer wieder ist es erstaunlich, wie nett potentielle Feinde, besonders in dieser Region, im persönlichen Umgang miteinander umgehen.