Ramon Schack

Diplom-Politologe, Journalist und Publizist

31. März 2010

Schuld und Sühne/Zerbricht Russland am Nordkaukasus?

 

                   @Ramon Schack

2 Tage nach den Terroranschlägen in Moskau, kam es auch in der nordkaukasischen Republik Dagestan  zu einem Anschlag.

Die tragischen Ereignisse zeigen, der größte Flächenstaat der Erde   bekommt die Integretation seiner nordkaukasischen, islamischen und turanischen Territorien nicht in den Griff. Die bisherige Methode, von Terror und Gegenterror, erscheint als gescheitert. 

Inzwischen befürchten Experten, Russland ist in Gefahr die riesige rohstoffreiche Region- zwischen dem Schwarzen Meer und dem Kaspischen Meer-langfristig zu verlieren.

Ferner nimmt man in Moskau die demographische Explosion, der muslimischen, turksprachigen Einwohnerschaft Russlands , flankiert von einem dramatischen Niedergang der slawischen Bevölkerung, mit großer Sorge  zur Kenntnis.

Selbst im Herzen Russlands, zwischen der teilautonomen Republik Tatarstan und der Grenze zu Kasachstan, verläuft nur ein dünner Schlauch von ca. 50 Kilometer Breite, zwischen zwei kompakten islamoturkischen Siedlungsgebieten.  

Dagestan liegt direkt neben Inguschetien, ein absurder administrativer Gebietsstreifen zwischen Nordossetien und Tschetschenien. 

Im Herbst 1996 besuchte ich die russische Republik Inguschetien für einige Tage. Wir kamen damals aus  Georgien und befanden uns auf der Weiterreise nach Machalatka, der unglaublich hässlichen Hauptstadt von Dagestan, am Kaspischen Meer. Aber das ist eine andere Geschichte. Bis 1992 bildete Inguschetien eine politische Einheit mit dem benachbarten Tschetschenien.

 

Bei unserer Ankunft, in der damaligen inguschischen Hauptstadt Nasran, inzwischen wurde eine neue Kapitale aus dem Boden gestampft, wurden wir gewarnt, unser abgetakeltes Hotel- nach Einbruch der Dunkelheit- zu verlassen.

Wir ignorierten diesen Ratschlag des öligen Portier, welcher mit Sicherheit schon dem russischen Inlandsgeheimdienst brav über die Ankunft von Ausländern, in diesem vergessenen, unruhigen Winkel des postsowjetischen Imperiums, Bericht erstattet hatte.

In den Straßen Nasrans wimmelte es von Flüchtlingen aus dem benachbarten Tschetschenien, die den Bomben der russischen Luftwaffe entkommen waren.Viele dieser Menschen waren gezeichnet von dem erlebten und überlebtem Grauen.

 Russische Militärs streiften schwerbewaffnet durch die Straßen, begleitet von den feindseligen Blicken der inguschischen Bevölkerung, die offen mit den benachbarten, ethnisch eng verwandten, Tschetschenen sympathisierten. In Moskau befürchtete die Regierung um Boris Jelzin, nicht zu Unrecht, ein Überspringen des Krieges auf Inguschetien. In Ermangelung von Alternativen, aber auch um der nicht gerade einladenden, beunruhigenden Atmosphäre- dieser nordkaukasischen Metropole- zu entgehen, suchten wir ein Restaurant auf, welches gleichzeitig als Nachtclub und Diskothek zu dienen schien. Bei unserer Ankunft bemerkten wir schnell, die russische Mafia hatte auch in diesem Provinzstädtchen jegliche wünschenswerte Privatinitative unter ihrer Kontrolle. Zahlreiche stiernackige Muskelprotze, mit denen man eher keinen Streit anfangen sollte, lungerten in Begleitung von platinblonden Sexbomben an der Bar herum. Diese Gäste konsumierten Wodka in rauhen Mengen und fixierten uns mit einem eiskalten Gesichtsausdruck. Aus dem Lautsprechern dröhnten abwechselnd russischer Heavy Metall in Verbindung mit schnulzigen kaukasischen Popsongs. Auf einem Fernsehgerät liefen Hardcore Pornos, welche dem verwirrten Gast, während der Auswahl von Speisen und Getränken, kein anatomisches Detail ersparten. Die westlichen Segnungen von Freihandel und Marktwirtschaft, entfalteten sich an diesem Ort, in Verbindung mit der Erblast des Sowjet-Totalitarismus, zu einem abstoßenden Schauspiel menschlicher Gier und krimineller Energie.

“Mahagonny im Kaukasus” nannte ich damals einen Artikel für eine Studenten-Zeitung, in der ich meine Reiseeindrücke über Nasran veröffentlichte.

 Ja, so ähnlich mußte sich Berthold Brecht einst die Stadt Mahagonny vorgestellt haben, kam es mir an diesem Abend- in der inguschetischen Hauptstadt- in den Sinn.

Erstens, vergeßt nicht, kommt das Fressen Zweitens kommt der Liebesakt Drittens das Boxen nicht vergessen Viertens Saufen, laut Kontrakt. Vor allem aber achtet scharf Daß man hier alles dürfen darf.” (wenn man Geld hat)”

Aus der Oper” Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny” von Berthold Brecht

29. März 2010

Terror in Moskau/Russlands nordkaukasische Tragödie

 

                                    @Ramon Schack

Auf Anweisung des russischen Präsidenten Medwedjew hatte der Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, Aleksandr Bortnikow, am 17. April vergangenen Jahres, das Ende der sogenannten Anti-Terror-Aktion in Tschetschenien verkündet.

Unter diesem Namen startete 1999 der zweite Tschetschenien-Krieg, der unter der Zivilbevölkerung grausige Opfer forderte und von beiden Seiten mit Terror und Gegenterror geführt wurde. Aus russischen Militärkreisen verlautete, der Beschluss der politischen Führung könne dazu führen, dass etwa 20.000 Soldaten, Geheimdienstler und Angehörige von Sondereinheiten der Miliz, die in Tschetschenien bislang im Rahmen der „Anti-Terror-Aktion“ operierten, Schritt für Schritt abgezogen würden. Die 42. Motorisierte Schützendivision und die 46. Selbständige Brigade der Streitkräfte des Innenministeriums seien auf Dauer in Tschetschenien stationiert und würden in der Teilrepublik bleiben.In Tschetschenien ist allerdings nur scheinbar Frieden eingekehrt. Eher ist von einer Friedhofsruhe zu sprechen. Der dortige Aufstand wurde von den Russen in einem dermaßen brutalen Feldzug niedergergeschlagen, der Züge eines Völkermordes trägt.

1996, im zarten Alter von 25, erlebte ich im benachbarten Inguschetien, noch die Auswirkungen des ersten Tschetschenien-Krieges: http://ramonschack.wordpress.com/2009/02/13/mahagony-im-kaukasus-wo-liegt-eigentlich-inguschetien/

 

Der tschetschenische Präsident Ramzan Kadyrow , dessen Amtsvorgänger und Vater von einer Bombe zerfetzt wurde, hat eine gewisse Entspannung bewirkt.

Beobachter schließen aber nicht aus, schließlich ist der Mann Tschetschene geblieben, daß seine demonstrativen Lobhudeleien, gegenüber Putin, eines Tages in offene Feindschaft umschlagen könnten.

Falls Kadyrow eines Tages die Forderung nach einer Unabhängigkeit von Tschetschenien, dort Ischkeria genannt, wieder aufnehmen sollte, würden die Agenten des rusischen FSB seiner Karriere ein blutiges Ende bereiten.

Inzwischen hat Kadyrow seine eigene “Lupenreine Demokratie”, wie es Ex-Kanzler Gerhard Schröder, bezüglich der dortigen politischen Verhältnisse- einmal auszudrücken pflegte, in Tschetschenien errichtet. Heute kam es zu verheerenden Terroranschlägen in Moskau: Lesebefehl:

http://www.handelsblatt.com/politik/international/nach-anschlaegen-medwedjew-versetzt-ganz-russland-in-alarmbereitschaft;2553713

23. März 2010

Zitat des Tages

„Das Gefährliche an den Dummköpfen ist, dass sie oft dasselbe denken wie die Gescheiten. Wie soll man sie da erkennen?“

Curzio Malaparte

22. März 2010

USA:Obamas Triumph

                      @Ramon Schack

Vor Superlativen sollte man sich eigentlich hüten, sie nutzen sich zu schnell ab.

Die Billigung der umfassenden Gesundheitsreform Obamas- durch das US-Repräsentenantenhaus- aber als historisch zu bezeichnen, ist mit Sicherheit nicht übertrieben.

Der Präsident steht damit vor dem bisher größten Triumph seiner Amtszeit, seine Gegner schäumen vor Wut.

Lesebefehl: http://www.handelsblatt.com/politik/international/obama-triumphiert-repraesentantenhaus-billigt-historische-gesundheitsreform;2549640

19. März 2010

Zitat des Tages

„Ich bin bereit überall hinzugehen, vorausgesetzt, der Weg führt vorwärts.”

David Livingstone