Ramon Schack ist Diplom-Politologe, Journalist und Publizist. Er schreibt für die Süddeutsche Zeitung, Die Welt, die Berliner Zeitung, “das Handelsblatt”, die Financial Times Deuschland, “Das Parlament”, die NZZ und viele andere.
23. August 2010
Supermacht Iran?/” Achmadinedschad will mit Amerika befreundet sein
@Ramon Schack
Im Januar 2009 interviewte ich Robert Baer in New York City.
Wir hatten uns in einem kleinen kolumbianischen Restaurant in Spanish Harlem verabredet.

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3. August 2010
Volksrepublik China:Das Imperium ohne Freunde?
Wenn er an Kräften überlegen ist, dann weiche ihm aus.
Wenn Dein Gegner ein cholerisches Temperament hat, dann versuche ihn zu reizen.Gib vor, schwach zu sein, damit er überheblich wird. Wenn er sich sammeln will, dann gib ihm keine Ruhe. Wenn seine Streitkräfte vereint sind , dann zersplittere sie.Greife ihn an, wo er unvorbereitet ist; tauche auf, wo Du nicht erwartet wirst.!”
Aus den Anweisungen zur Kriegskunst des chinesischen Militärstrategen Sunzi
@Ramon Schack
Am Beispiel Chinas offenbart sich mit betrüblicher Deutlichkeit, in welchem Ausmaß den Europäern und Amerikanern das geschichtliche Bewußtsein abhanden gekommen ist. Die Fehldiagnose des amerikanischen Politologen Fukuyama vom “End of History” war auf allzu fruchtbaren Boden gefallen.
So begegnet die westliche Welt dem phänomenalen Aufstieg Chinas in den Rang der zweiten Weltmacht mit einem Gemisch aus Arroganz und Missgunst.

Die explosive Dynamik Chinas erzeugt wachsende Furcht, ja die Ahnung des eigenen Rückfalls in unerträgliche Mittelmäßigkeit.
Die an Sinophobie grenzende Abneigung, die immer wieder in der westlichen Berichterstattung über China zu erkennen ist, hängt wohl auch damit zusammen.
Dieser heute erschienene-merkwürdig ahistorische- Artikel, des Historikers Michael Stürmer, demonstriert diese betrübliche Tendenz anschaulich:
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article8775850/China-ist-dAm
China ist also das Imperium ohne Freunde?Soso.Da sei doch bitte die Frage erlaubt, welches Imperium in der Geschichte denn bitte Freunde hatte ?
Man könnte es auch anders betrachten, und den phämonale Aufstieg dieses Riesenreiches-in den letzten 30 Jahren- als eine beispielslose Erfolgsgeschichte interpretieren.
Wäre es dem Westen denn lieber, in Peking würde immer noch ein totalitärer, unberechenbarer Herrscher regieren, dessen ideologischen Verirrungen Millionen Menschen das Leben kosten würden?
Viele der westlichen Wortführer, die heute mit der äußerst selektiven Menschenrechtskeule pseudodemokratische Reformen im Reich der Mitte einfordern, während im Westen die demokratischen Grundrechte sukzessive eingeschränkt werden, während auch viele Verbündete des Westens weit weniger demokratisch agieren als China, waren ja während der Herrschaft von Mao recht schweigsam, bisweilen sogar heimliche Bewunderer dieses Herrschers.
“Wenn der chinsische Drache erwacht, dann wird die Welt erzittern!”, prophezeite Napoleon vor über 200 Jahren. Bisher hat sich dieser Drache erst im Schlaf gedreht.
http://www.youtube.com/watch?v=1S2uXAUksb0
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27. Juli 2010
Krieg in Afghanistan/Wikileaks und die Geheimdokumente
„Krieg ist Frieden„-George Orwell 1984
@Ramon Schack
Vor rund 21 Jahren, am 15. Februar 1989, vollzog sich der sowjetische Rückzug aus Afghanistan.
10 Jahre zuvor, als die UdSSR noch eine Supermacht war, begann die Invasion der “ruhmreichen Roten Armee” im südlichen Nachbarland.
Eine Dekade später lag das kommunistische Weltreich, welches Helmut Schmidt einmal als Oberwolta mit Atomwaffen, also als eine Nuklearmacht auf Drittwelt-Niveau, tiuliert hatte, im Todeskampf. Es hatten sich Risse im Roten Imperium gebildet.
Nach zehnjähriger Okkupation -durch 130 00 Sowjetsoldaten- mitsamt einem Aufgebot von Hunderten, vielleicht Tausenden von Panzern ,waren sie dem Zermürbungskrieg der Mudschahidin erlegen.
In Moskau hoffte man damals , einem Übergreifen des islamischen Flächenbrandes auf das eigene Territorium, bzw. auf die eigenen muslimischen Ethnien , durch diesen Rückzug, entgegenwirken zu können.
Das Gegenteil war der Fall. Vom Nordkaukasus bis nach Zentralasien kam es,trotz jahrzehntelanger atheistischer Indoktrination und kommunistischer Propaganda, zu einer “Wiedergeburt des Islams”, die den Niedergang des “Gottlosen” Imperiums beschleunigte.
Die muslimischen Völker -des zerfallenen Eurasischen Riesenreiches- betrachteten die “Höllenfahrt” ihrer entmachteten kommunistischen Kolonialherren mit Verwunderung und fassungslosem Staunen. In das hinterbliebene ideologische Vakuum und die katastrophalen ökonomischen und ökologischen Hinterlassenschaften des Sowjetsozialismus, fielen die Koranverse, demzufolge Allah den Geduldigen, den Standhaften , beisteht, auf einen fruchtbaren Boden.
Die sowjetische Soldateska hinterließ ein zerstörtes Afghanistan und kehrte in eine Heimat zurück, die gerade dabei war zugrunde zu gehen.
15.ooo sowjetische Soldaten blieben auf den Schlachtfeldern zurück, mehr als 1, 5 Millionen Afghanen waren ums Leben gekommen.
Einige Monate später sollten die kommunistischen Marionetten-Regime in Mitteleuropa, von Warschau bis Sofia, stürzen, beziehungsweise die Mauer in Berlin fallen. 1991 kam es dann zur Auflösung der Sowjetunion selbst.
1996, nach der Einnahme Kabuls durch die Steinzeit-Islamisten der Taleban, fiel Nadschibulla, der sowjetische Stadthalter in Kabul, auch als Stalin von Afghanistan bekannt, einer blutigen Abrechnung zum Opfer. Wie ein Stück Vieh ließen ihn die Taleban durch die Straßen von Kabul schleifen.
Ein böses Omen für Hamid Karzai, den Stadthalter Washingtons in Kabul.

Von den Amerikanern verlassen, würde der aktuelle Präsident, dessen Macht ja nicht über den Zaun seines Palastes reicht, nicht einmal drei Tage überleben.
Die sunnitischen Steinzeit-Islamisten der Taleban übernahmen die Macht in Afghanistan.
Nur Sha Massud , der wahre Vater Afghanistans, hielt ihnen, bis zu seiner Ermordung durch die Schergen Bin Ladens, tapfer stand. Sha Massud starb 2 Tage vor dem 11. September 2001. http://ramonschack.wordpress.com/2007/09/09/er-starb-2-tage-vor-911-achmed-shah-massoud-der-wahre-vater-afghanistans/
“Den Friedhof der Imperien” nennt man Afghanistan schon seit den Tagen Alexander des Großen. Afghanistan zu erobern ist leicht, es zu beherrschen ist unmöglich.
Diese Weisheit hat der Westen seit 2002 konsequent ignoriert.
Dabei hätten es gerade die Briten besser wissen sollen, vor ihrem Engagement in der Provinz Helmand, daß man keinen Krieg in Afghanistan gewinnt.
Gewiß, das Desaster von 1842, als die aus Kabul ausbrechende Garnision Ihrer Majestät mitsamt Familien und Hilfskräften in den Schluchten des Hindukusch durch Stammesangehörige massakriert wurde, gehört einer anderen Epoche an. Aber wie heiß es doch so treffend.”Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht begreifen und die Zukunft nicht meistern ”
Das damalige Ereignis war immerhin so sensationell, daß Theodor Fontane dem einzigen Überlebenden, einem Militärarzt, der bis Jalalabad gelangte, eine Ballade widmete:”Mit Dreizehntausend der Zug begann; einer kam heim aus Afghanistan”
Bei ihren Expeditionen dürften den Soldaten der Bundeswehr die Vielzahl der zerstörten sowjetischen Tanks -im Norden Afghanistans- aufgefallen sein.
Dieses ausgebrannte Kriegsgerät, eines Imperiums, vor dem vor 20 Jahren die Welt noch erzitterte, beziehungsweise dessen Ideologie ein Fünftel der Menschheit-von Ost-Berlin-bis Pyönyang-beherrschte, ist dort wie eine historische Mahnung anzusehen.
Bitte den Link anklicken:http://www.youtube.com/watch?v=iHAuTKkeF7E&feature=related
Als eine Mahnung für das Scheitern von Supermächten, in der rauhen Gebirgslandschaft von Afghanistan .
Die Geheimdokumente,die die Internetplattform Wikileaks dem Spiegel, der New York Times und dem britischen Guardian schon vor einigen Wochen zur Verfügung gestellt hat und die nun im Internet zugänglich sind, sollen aus US-Militärdatenbanken stammen und beschreiben ein düsteres Szenario: Nichts als fast die Wahrheit, wahrscheinlich ist deshalb, in unserem Zeitalter der medialen Desinformation, die Aufregung so groß: http://www.fr-online.de/politik/nichts-als-fast-die-wahrheit/-/1472596/4508186/-/index.html
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26. Juli 2010
Manöver im Gelben Meer/Nordkorea droht mit “Heiligem Krieg”
@Ramon Schack
Wer hält in Nordkorea die Macht in den Händen? Das totalitäre, hermetisch abgeriegelte, Staatswesen gibt immer wieder Rätsel auf.

Seit geraumer Zeit sind Gerüchte im Umlauf , Kim Jong Il, der „Liebe Führer“, wie er in Nordkorea offiziell genannt wird, sei nur noch eine Marionette gewisser Militärs.
Diese Zombiegestalt, Sohn des Staatsgründers Kim Il-Sung, soll angeblich schwer erkrankt sein.

Die innenpolitische Situation in Nordkorea beunruhigt die internationale Staatengemeinschaft, nicht nur die ostasiatischen Anreinerstaaten.
Selbst in der Volksrepublik China wächst die Nervösität. Lange Zeit galt in Peking das Bonmot von Mao, China und Korea gehören zusammen wie Lippen und Zähne, weshalb man die stalinistischen Eskapaden des Nachbarlandes duldete, um diese natürlich auch als Bollwerk gegen den US-Einfluss in Südkorea zu nutzen.
Ökonomisch liegt Nordkoea schon lange am Boden, in den 1990er Jahren forderte eine verheerende Hungersnot, nahezu unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, Millionen von Menschenleben, in diesem „kommunistischen Paradies“.
Militärisch hingegen rüstet Nordkorea auf, entwickelt sich zu einem Risikofaktor.
„Nordkorea erwartet permanent den Krieg“, sagte mir Peter Scholl-Latour vor vier Jahren, nach seinem damaligen Besuch in dem isolierten Land: http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=20060214
Inzwischen droht Norkorea mit einem ”Heiligen Krieg!” http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EB1096DD81292471EB01D7173EDE3DED9~ATpl~Ecommon~Scontent.html
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21. Juli 2010
Innenpolitik:Rücktrittswelle und miese Umfragewerte/Angela Merkel macht weiter
“ “Oben noch rauschende Feste, – aber man hoert schon wie jemand im Keller ein Messer schleift!”
Heinrich Heine
@Ramon Schack
Die letzten Monate waren politisch keine glückliche Zeit für die Bundeskanzlerin.
Zahlreiche Rücktritte in ihrem Umfeld, flankiert von miesen Umfragewerten, haben Merkels Kanzlerschaft ins wanken gebracht.

Angela Merkel, diese mecklenburgische Pfarrerstochter, wahrscheinlich eine der mächtigsten Frauen der Welt, ist für uneingenommene Beobachter schwer einzuschätzen. Der Verdacht kommt auf, die raffinierte Taktik des Machterhaltes ersticke jeden Anflug gestalterischer Vision. Die trüben Erfahrungen, der intellektuelle Mief, mit denen sie im „Deutschen Arbeiter-und Bauernstaat“ aufwuchs, mögen bei ihr eine solche Allergie hinterlassen haben, daß sie allzu gutgläubig den Ritualen des parlamentarischen Demokratismus erlag.
Von Rücktrittsgedanken scheint die Kanzlerin allerdings-noch-nicht geplagt. Auch sind bei Angela Merkel noch keine Züge von Menschenverachtung zu erkennen, die so oft mit der Ausführung eines hohen politischen Amtes einhergehen.
“Sie können fest davon ausgehen, dass Sie mich nach den Ferien wiedersehen!”, sagte die Kanzlerin auf ihrer letzten Pressekonferenz vor der Sommerpause. http://www.ftd.de/politik/deutschland/:abschied-in-die-sommerpause-merkels-versoehnungswerk/50146994.html
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13. Juli 2010
Kuba:Fidel Castro lebt und attackiert die USA
@Ramon Schack
Trotz aller Rückschläge und Fehlentscheidungen verfügt Fidel Castro weiterhin über ein gewaltiges Prestige.

Das gilt nicht nur für Kuba, sondern für ganz Lateinamerika, wo selbst seine entschiedenen Gegner ihm Respekt zollen, bisweilen sogar als Nachfolger Bolivars oder Mirandas bewundern.
Vor eingen Jahren lauschte ich einmal auf dem Malecon in Havanna einer Rede dieses Maximo Lider.
Von den rethorischen Fähigkeiten des alten Mannes, der stundenlang -ohne Punkt und Komma- zu reden pflegte, war ich weniger angetan. Von seinem eigentümlichen Charisma, bzw. seiner Wirkung auf seine Untertanen, konnte ich mich damals aus nächster Nähe überzeugen. Im Gegensatz zu seinem Bruder Raoul, der offiziell die höchste Verantwortung trägt, empfinden noch immer weite Teile der kubanischen Bevölkerung, in der Mulatten und Nachfahren afrikanischer Sklaven die knappe Mehrheit bilden, eine Art sentimentale Zuneigung gegenüber Fidel, Übrigens unabhängig vom jeweiligen politischen Standpunkt.
Der alte, todkanke Mann, der seine Partisanenuniform gegen einen vulgären Jogginganzug eingetauscht hat, wechselt ständig sein Domizil und meidet die Öffentlichkeit. Wenn diesem Machtmenschen aber das Gefühl beschleicht, sein unscheinbarer Bruder Raoul weiche allzu auffällig vom radikal-revolutionären Weg ab, dann vernimmt man aus dem Krankenzimmer ein drohendes Grollen, und der Nachfolger fügt sich den Weisungen.
Elf amerikanische Präsidenten hat Fidel Casto überlebt, aber seit dem letzten Führungswechsel im Weißen Haus von Washington DC ahnt diese politische Dinosauerier wohl, dass in dem übermächtigen Nachbarland, mit dem Amtsantritt Obamas, ein politischer Erdrutsch stattgefunden hat, welcher für die Stabilität seines maroden Regimes gefährlich werden könnte.
Es war ja auch viel leichter, gegen einen Präsidenten vom Schlage George W. Bush Front zu machen, der selbst bei seinen eigenen Landsleuten als Heuchler und Totalversager in Verruf gekommen war., als gegenüber Obama, dem die ganze Welt zu Füßen liegt und der-seh viel schneller, als man in Havanna erwartete- auch gegenüber Kuba eine großzügige Kursänderung andeutet und offenbar auf die überflüssigen Blockademethoden verzichten möchte. Eine solche Lockerung und Öffnung- das spürte der gealterte Revolutionär Fidel instinktiv- würde sich für die Selbstbehauptung, des von ihm errichten Zwangsregimes weit negativer auswirken als die ermüdenden Wirtschaftsschikanen, in die sich die Neokonservativen verrannt hatten. Sollten sich die Reisebeschänkungen lockern, könnte sich die paradoxe Zuneigung vieler Kubaner-für den Lebensstil der Yankees, man denke nur an die Leidenschaft für das Baseball-Spiel, neu entflammen.
Die Attraktivität und Veführungskraft der nordamerikanischen Konsumgesellschaft, gerade angesichts der kubanischen Mangelökonomie, würde ein übriges tun. Andererseits ist die Frage erlaubt, ob die latente Bewunderung des „American way of Life“ nicht kompensiert wid durch eine unaufhaltsame Kubanisierung und Hispanisierung Floridas, die durch die großen karibischen und mittelamerikanischen Migrantenkolonien dort bereits weit vorangeschritten ist und im Falle einer Grenzöffnung neue Dimensionen erreichen würde.

Von Rassismus ist auf Kuba nicht viel zu spüren, aber es mutet schon eigenartig an, dass in dem Moment, da Fidel Castro-Sohn europäischer Einwanderer-, der in seiner Alleinherrschaft überwiegend von der nichtweißen Bevölkerungsmehrheit seiner Heimat getragen wurde, im Begriff steht das Zeitliche zu segnen, in den USA hingegen, die unlängst noch als Hort rassistischer Diskriminierungen angeprangert wurden, ein Präsident ins Weiße Haus gewählt wurde, dessen Vater einem afrikanischen Niloten-Stamm aus Kenia entstammt und der Glaubensgemeinschaft des Propheten Mohammed angehörte.
Fidel Castro lebt und attackiert die USA-Lesebefehl
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6. Juli 2010
Frankreich-Sarkozy und die illegalen Wahlkampfspenden
„Le Gaullisme sans de Gaulle, c´est idiot/Gaullismus ohne de Gaulle macht keinen Sinn!“
André Malraux
@Ramon Schack
Vor einiger Zeit las ich das Buch von Yasmina Reza“L´aube le soir ou la nuit“/Das Morgengrauen, der Abend oder die Nacht.“Dieser Bestseller gilt ja in Frankreich als Grundlagenlektüre, zum Verständnis der Person und der Politik von Sarkozy. Eine französische Bekannte hatte es mir empfohlen.Viel schlauer bin ich dadurch allerdings nicht geworden, was wahrscheinlich nicht nur an meinen, etwas eingerosteten, Französischkentnissen liegt.
Von Nicolas Sarkozy, dem kleingewachsenen Präsidenten Frankreichs,geht eine ungeheure Bündelung an Energie aus.

Eine Energie- die ihm ja auch erst den sensationellen Aufstieg- bis ans höchste Staatsamt- ermöglichte.Der Geburt in Frankreich und dem „jus soli“ verdankt Sarkozy seine französische Staatsangehörigkeit.Sein Vater ist ein ungarischer Adliger, aber wer ist in Ungarn nicht alles adlig?
Seine Mutter stammt aus der uralten sephardischen Gemeinde von Saloniki .
Das die französische Rechte, die erkonservative Bourgeoisie, die ja in Frankreich noch immer über mehr Einfluß verfügt als man glaubt, diesen Zuwanderer vom Balkan – der beginnt für viele Franzosen ja schon irgendwo hinter dem Rhein-nicht nur akzeptierte sondern auch aktiv unterstütze, stellt die eigentliche Sensation da. Das Sarkozy auch noch eine jüdische Mutter hat, ergänzt dieses „politische Wunder“.
Zur Zeit der Dritten Republik, soviel ist sicher,unter dem Einfluß von Charles Maurras und seiner reaktionären“Action francaise“wäre Sarkozy öffentlich als „Zigeunerbaron“ geschmäht wurden.Heutzutage empfindet sogar der nationalistische Polterer Le Pen, der ja von Sarkozy auf den Schrotthaufen der Geschichte getreten wurde, eine heimliche Sympathie für Sarko.
Sarkozys politischer Aufsteig wurde immer schon von dem Gestank der Korruption, ja der Günstlingswirtschaft, umnebelt.
Inzwischen gerät der Präsident immer mehr unter Druck, es geht um eine illegale Wahlkampfspende.Lesebefehl:„http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E5AA049F6558A4DF29368211C611FBD19~ATpl~Ecommon~Scontent.html
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24. Juni 2010
Krieg in Afghanistan:Obama feuert General McChristal
When you’re wounded and left on Afghanistan’s plains,
And the women come out to cut up what remains,
Jest roll to your rifle and blow out your brains
An’ go to your Gawd like a soldier.
Go, go, go like a soldier,
Go, go, go like a soldier,
Go, go, go like a soldier,
So-oldier ~of~ the Queen!
Rudyard Kipling
THE YOUNG BRITISH SOLDIER
@Ramon Schack
Vor einigen Tagen suchte ich Peter Scholl-Latour zu einem Interview auf.
Der bekannte Publizist und letzte Chronist unserer Zeit empfing mich an der Eingangstür seiner mondänen Penthouse-Wohnung in Berlin-Wilmersdorf. Schon während des Begrüßungsgeplauders, als wir die Treppe zur zweiten Etage hinaufgingen, kamen wir auf die aktuelle Lage in Afghanistan zu sprechen.
“Wann wird man in Washington begreifen, dass Afghanistan-landlocked und in sich selbst verkapselt-allenfalls ein Nebenkriegsschauplatz ist?Wann wird man dort zu der Erkenntnis gelangen, daß die Tragödie von Nine Eleven kein afghanisches, sondern ein saudisches Unternehmen war, auch wenn Osama bin Laden sich zu diesem Zeitpunkt in irgendeiner Felshöhle des Hindukusch aufhielt?” gab Peter Scholl-Latour zu bedenken, während er uns einen Drink zubereitete. In einem früheren Interview mit mir, unmittelbar nach dem Amtsantritt Obamas , hatte er sich wie folgt über die Thematik geäußert: http://www.freitag.de/politik/0911-afghanistan-obama-taliban-verhandlungen
Droht die ISAF-Mission in Afghanistan zu scheitern? Ja, wenn man den Worten des ehemaligen obersten NATO-Kommandeurs in Afghanistan, dem amerikanischen General Stanley McChrystal, Glauben schenken möchte.
McChrystal forderte im September 2009 eine deutliche Aufstockung der Truppen. Sollte in den nächsten zwölf Monaten keine Trendumkehr erreicht werden, riskiere man „ein Ergebnis, bei dem ein Sieg über den Aufstand nicht länger möglich ist“, hieß es in einer damals von der „Washington Post“ in weiten Teilen veröffentlichten Lageeinschätzung McChrystals für Verteidigungsminister Robert Gates. „Unzureichende Kräfte werden vermutlich zu einem Scheitern führen“, schrieb der General .
http://www.handelsblatt.com/politik/international/afghanistan-mission-droht-zu-scheitern;2459015
McChrystal kritisierte damit direkt die Äußerungen von US-Präsident Obama, der erst dann weitere Truppen schicken möchte, wenn die richtige Strategie zur Bekämpfung der Taliban feststeht. Barack Obama hat bisher seiner Strategie, die er zu Beginn des Jahres formulierte, keine Taten folgen lassen.Damals signalisierte Obama Gesprächsbereitschaft, mit sogenannten gemäßigten Taliban. Gemessen an diesen Worten, hat Obama bisher versagt

Gegen Ende meines Gespräches mit Peter Scholl-Latour, fragte ich ihn, ob er Parallelen zwischen dem Krieg in Afghanistan und Vietnam erkenne, wohl wissend, dass ihm beide Kriegsschauplätze bestens vertraut waren und sind. Scholl-Latour antwortete mit einem ernsten Blick.”Auch am Mekong -in Vietnam-hatte die Strategie des General Westmoreland zwischen den beiden unvereinbaren Alternativen der counter-insurgency geschwankt, zwischen ”search and destroy” und “Clear and hold”. Auch in Vietnam hatten sich die US-Strategen-ähnlich wie heute die durchaus fähigen Generale Petraeus und McChristal-immer wieder der Illusion hingegeben, es sei möglich und unverzichtbar”to win hearts and minds”- die Herzen und Gemüter der einheimischen Bevölkerung zu gewinnen.Das war in Vietnam gründlich mißlungen, und es wird auch in Afghanistan mißlingen.”
General McChristal wurde gestern von Obama entlassen:http://www.nzz.ch/nachrichten/international/praesident_obama_demonstriert_seine_autoritaet_1.6231102.html
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23. Juni 2010
Merkel und Obama-Streit vor G-20 Gipfel
@Ramon Schack
Am 5.Juni 2009, unmittelbar vor seinem Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald, überraschte US-Präsident Obama, so berichten informierte Kreise, Angela Merkel mit einer Frage die nicht im Gesprächsprotokoll vorgesehen war.
Eine heitere Gesprächssituation sei dadurch nicht entstanden.”Warum Sind Sie gegen einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union?” soll Obama abrupt gefragt haben.

Sicherlich hätte die Kanzlerin gegenüber dem Amtsvorgänger von Obama weniger Schwierigkeiten gehabt, ihre Ablehnung und die der meisten EU-Europäer, in dieser Frage, zu begründen.
Doch gegenüber dem in Hawaii geborenen, in Indonesien aufgewachsenen Sohn eines afrikanischen Vaters aus Kenia und einer euroamerikanischen Mutter aus Kansas, fiel es Angela Merkel sicherlich schwer,die kulturelle oder gar ethnische Einzigartigkeit des Abendlandes zu betonen.Auch die Erwähnung , der spektakulären Rückwendung der post-kemalistischen Türkei zum Islam, wäre in diesem Zusammenhang unangebracht gewesen.
Diese Szene vor knapp einem Jahr war Ausdruck der veränderten außenpolitischen Gewichtung der USA, die nicht nur durch die Person des amtierenden Präsidenten verkörpert wird.Obama wird zwangsläufig sein Blickfeld auf den asiatisch-pazifischen Raum seiner Herkunft ausrichten. Die massive hispanische Zuwanderung in den Vereinigten Staaten, die inzwischen den letzten Winkel der Supermacht tangiert, wird die Bindung zu Lateinamerika dramatisch verstärken.
Auf dem G-20 Gipfel in Toronto kam es jetzt zu einem Zwist zwischen Europa und Amerika, zwischen Angela Merkel und Barak Obama
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16. Juni 2010
Kirgistan:Die blutigen Tulpen von Bischkek
@Ramon Schack
Im Jahr 2005 begeisterte sich die westliche Öffentlichkeit an der sogenannten “Tulpenrevolution” in Kirgistan, früher auch als Kirgisien bekannt, durch die angeblich eine Diktatur von einer demokratischen Bewegung gestürzt wurde.
In dieser verarmten zentralasiatischen Republik, an diesem geostrategischen Knotenpunkt der Welt, in dem sich die geopolitischen Interessen Chinas, Russlands, der USA, der Türkei, Saudi-Arabiens und des Irans, im weitesten Sinne auch die der EU, überschneiden und überlappen, sollte nun ein “Leuchtturm der Demokratie” errichtet werden, mit verführischer Ausstrahlungskraft auf die Nachbarstaaten. Da diese Utopie schon in Afghanistan gescheitert war, im Irak ebenso, wurden nun die zentralasiatischen Staaten im Umfeld der legendären Seidenstrasse , von den Neokonservativen Strategen in Washington DC , als Experimentierfeld und Aufmarschgebiet- dieser grotesken ideologischen Zwangsvorstellung- auserkoren.
Zu jener Zeit wurden die diversen Nachfolgestaaten der UdSSR, besonders diejenigen mit pro-russischer Ausrichtung, von einem wahren Tsunami angeblicher Revolutionen und Volkserhebungen erschüttert.
Diesen vom Westen unterstützen Machtwechseln und Staatsstreichen, war allerdings keine lange Lebenszeit beschienen.
Sowohl die “Orangene Revolution” in der Ukraine, als auch die “Rosenrevolution” in Georgien, gelten inzwischen als gescheitert. In der Ukraine ist die neue Regierung dabei, die angestrebte NATO-Mitgliedschaft zu annullieren.
Georgien hat sich unter dem hitzköpfigen Präsidenten Saakaschwili, mit dem Krieg um Ossetien, selbst ins Abseits manövriert. Von einer EU oder NATO-Mitgliedschaft dieser uralten kaukasischen Nation, spricht in Brüssel oder Washington niemand mehr.
Bei genauem Hinsehen haben sich diese vom Westen unterstützten “Demokraten” nicht besser aufgeführt, als ihre Vorgänger, teilweise sogar schlimmer.
Das Ziel, die NATO bis in die unendlichen Weiten Zentralasiens auszudehnen, an die Grenzen der Volksrepublik China, ist kläglich gescheitert.
In Kirgistan war im April dieses Jahres ein weiteres Scheitern,dieses tollkühnen geostrategischen Projektes, zu beobachten.Präsident Bakijew, der infolge der erwähnten Tulpenrevolution 2005 an die Macht geschwemmt wurde, flüchtete damals aus der Hauptstadt Bischkek . Ein Großteil der Bevölkerung, wahrscheinlich flankiert von der Unterstützung des russischen Geheimdienstes, hatte den angeblich so demokratischen Präsidenten gestürzt.

Wähend dieser turbulenten Tage interviewte ich die junge kirgisische Politikwissenschaftlerin Dariha Erketaeva.http://www.fassette.com/im-interview-die-politikwissenschaftlerin-dariha-erketaeva/
In Wirklichkeit geht es hierbei auch um die gewaltigen Öl-und Gasressourcen Zentralasiens, die von der Quantität her nur von denen der Golfregion übertroffen werden.Das einzige Problem besteht darin, das Öl und Gas aus den Ursprungsländern herauszubefördern. Das “Great Game” hat gerade erst begonnen, unter der Beteiligung der USA, Russlands, des Irans und Chinas.
Seit einigen Tagen wird Kirgistan erneut von blutigen Unruhen erschüttert. Im Umfeld der legendären, geheimnisumwitterten Stadt Osch, im Süden Kirgistans, sowie im fruchtbaren, dichtbesiedelten Fergana-Tal, kam es zu blutigen Progromen und grauenvollen Massakern an der dort starken usbekischen Minderheit. Diese tragischen Ereignisse könnten sich wie ein Flächenbrand ausweiten und die fragile ethnographische Balance der Nachbarstaaten, welche noch von Josef Stalin entworfen wurde,damals begleitet von den obligatorischen Völkermorden und Deportationen, entflammen. Lesen Sie dazu auch: http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EB0C5BC4593D24D6D9629AACCF70FEFEF~ATpl~Ecommon~Scontent.html
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